TV-Rechte der Bundesliga Ein Affront gegen die "Sportschau"?
Der neue Bundesliga-Spielplan könnte eine Schwächung der traditionsreichsten deutschen Sportsendung nach sich ziehen. Werden amerikanische Sender Interesse am deutschen Fußball bekunden?

© Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images
Begehrte Fernsehware Fußball
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat jüngst die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga für die nächsten drei bis vier Spielzeiten neu ausgeschrieben, bis zum 21. November können fast 40 registrierte Medienunternehmen für 37 Verwertungspakete (TV und Online) bieten. Mit einer Verkündung ist Anfang Dezember zu rechnen. Die Frage ist: Was wird ab 2009/10 alles anders?
Im Spielplan, das steht fest, gibt es zwei markante Änderungen: Erstens finden die beiden Sonntagsspiele zu unterschiedlichen Zeiten statt, nämlich um 15.30 und um 17.30 Uhr; bislang werden beide um 17 Uhr angestoßen. Zweitens wird eins der sechs Samstagsspiele von 15.30 auf 18.30 Uhr verlegt. Durch diese Zersplitterung des Spieltags erhöht sich die Attraktivität der Ware für diejenigen Sender, die Live-Fußball zeigen wollen, also in der Regel Bezahlsender wie Premiere.
Heikel an dem neuen Spielplan ist der frühe Sonntagstermin, der mit dem Amateurfußball kollidiert, dessen Kern, der Herrenfußball, meist sonntags zwischen 14 und 15 Uhr angepfiffen wird. Der DFB entgegnet, weil er im Gegenzug die Sonntagsspiele der Zweiten Liga von fünf auf drei reduziert, verbessere sich sogar der Status des Amateurfußballs in der Summe. Eine Argumentation, deren Stichhaltigkeit erst noch bewiesen werden muss.
Zudem scheint die Spielplanreform ein Affront gegen die ARD-Sportschau zu sein, die um 18.30 Uhr beginnt und die nun gegen die Konkurrenz vermutlich eines Spitzenspiels im Live-Fernsehen antreten müsste. Es könnte sein, dass hinter diesem Plan die Strategie der DFL steckt, die Sportschau nachhaltig zu schwächen.
Das Bundeskartellamt zerschlug nämlich im Sommer den ursprünglichen Plan der DFL, indem es, nach Meinung der Kritiker, eine „Lex Sportschau“ entwarf. Das Amt hat bejaht, dass die Bundesliga ein Kartell sei, dieses aber unter einer Bedingung zugelassen: Der Verbraucher müsse davon profitieren, und das tue er nur, wenn eine zeitnahe Höhepunktberichterstattung im Free-TV gewährleistet sei. Zwar war nicht ausdrücklich von der ARD die Rede, doch faktisch schützt der Spruch des Kartellamts die traditionsreichste deutsche Fußballsendung. Der geplante Deal der DFL mit Sirius, einem Zwischenhändler, der von Leo Kirch gesteuert wird, scheiterte, weil ihm die Grundlage entzogen war – ein Rückschlag für die DFL, der Vertrag hätte ihr 500 Millionen pro Jahr zugesichert.
Eine Schwächung der Sportschau (oder eines ähnlichen Formats in einem konkurrierenden Free-TV-Sender) könnte negative Folgen für den Fußball, seine Fans und seine Sponsoren haben: Der Fußball würde ein Stück ins Bezahlfernsehen sickern, die Reichweite sänke und damit die Sichtbarkeit der Vereinssponsoren. Der Vorstandsvorsitzende der Sponsorenvereinigung S 20 Dirk Huefnagels teilt mit: „Das Samstagsspiel um 18.30 Uhr bei gleichzeitiger Zusammenfassung im Free-TV ist kritisch zu sehen.“ Huefnagels formuliert diplomatisch: „Wie und ob sich das Preis-/Leistungsverhältnis unserer Sponsorings ändern wird, werden die Mediawerte zeigen, die wir sehr genau beobachten werden.“ Deutsche Profivereine erhalten zwar weniger TV-Einnahmen als die Rivalen aus England und Spanien, doch in Sachen Sponsoring ist die Bundesliga mit an der Spitze Europas.
- Datum 03.12.2008 - 11:28 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die neue Terminierung ignoriert auch vollkommen die Belange von Stadiongängern, insbesondere der Auswärts-Fäns.
Auswärtsfahrten werden durch die Zersplitterung des Spieltages und die späte Terminierung der Spiele so gut wie unplanbar.
Fussball findet nach wie vor im Stadion statt, doch der DFL sind die TV-Gucker wichtiger. Ob dass so bleibt wenn in den Stadien wegen des Mangels an direktem Fan-Support keine Stimmung mehr herscht bleibt abzuwarten.
Hingewiesen sei auf die von der DFL ignorierte Aktion von über 500 Fanclubs: Kein Kick Vor Zwei.
mypart, das betrifft wohl hauptsächlich Fans von Zweitligisten, oder? Womit nicht gesagt sein soll, dass deren Anliegen unwichtiger ist. Mir ging es in meinem Text zunächst mal um allgemeine, auch allegemeinökonomische Aspekte. Auf jeden Fall ein berechtigter Hinweis von Ihnen, den wir vielleicht mal aufgreifen sollten.
Hallo Herr Fritsch,
während die neuen Anstoßzeitenmodelle in der Tat momentan eher die Zweite Liga betreffen, kann man an der Entwicklung der letzten Jahre ja eindeutig sehen, wo der Weg hingeht: Verfrühung von Anstoßzeiten und Zersplitterung von Spieltagen sind keine Eintagsfliegen, sondern eine Entwickliung, die auch auf die Erste Bundesliga übergreifen wird. Genau deswegen bildet sich ja gerade der Fanprotest in Deutschland in einer Qualität, die es vorher so noch nicht gab. Ich kenne die Initiative Kein Kick vor Zwei auch und bin überrascht bis begeistert von deren Arbeit. Die machen nämlich auch sehr gut klar, dass man in Deutschland nach den Ligen strebt, deren Systeme schon längst marode sind. Hochverschuldete Vereine mit profithungrigen Investoren vor der Tür, versitzplatze Stadien zu horrenden Eintrittspreisen oder Stadien, die direkt halb leer bleiben wie in Italien.
Ich finde, wenn das Streben der DFL nach Profitmaximierung kommentiert, dann sollte man auch die Beispiele beleuchten, die herfür immer wieder an Land gezogen werden, also die anderen großen Ligen. Die Faninitiaven wie Kein Kick vor Zwei (wo ja immerhin schon über 20.000 Fußballfans zusammengeschlossen sind) erkennen das, die DFL erstaunlicherweise nicht.
Ich denke, das hätte mal eine hintergründige Berichterstattung verdient. Zumal viele Medien in Deutschland das aus Gründen eigener Verbandelung mit der DFL lieber ausblenden.
Hallo Herr Fritsch,
während die neuen Anstoßzeitenmodelle in der Tat momentan eher die Zweite Liga betreffen, kann man an der Entwicklung der letzten Jahre ja eindeutig sehen, wo der Weg hingeht: Verfrühung von Anstoßzeiten und Zersplitterung von Spieltagen sind keine Eintagsfliegen, sondern eine Entwickliung, die auch auf die Erste Bundesliga übergreifen wird. Genau deswegen bildet sich ja gerade der Fanprotest in Deutschland in einer Qualität, die es vorher so noch nicht gab. Ich kenne die Initiative Kein Kick vor Zwei auch und bin überrascht bis begeistert von deren Arbeit. Die machen nämlich auch sehr gut klar, dass man in Deutschland nach den Ligen strebt, deren Systeme schon längst marode sind. Hochverschuldete Vereine mit profithungrigen Investoren vor der Tür, versitzplatze Stadien zu horrenden Eintrittspreisen oder Stadien, die direkt halb leer bleiben wie in Italien.
Ich finde, wenn das Streben der DFL nach Profitmaximierung kommentiert, dann sollte man auch die Beispiele beleuchten, die herfür immer wieder an Land gezogen werden, also die anderen großen Ligen. Die Faninitiaven wie Kein Kick vor Zwei (wo ja immerhin schon über 20.000 Fußballfans zusammengeschlossen sind) erkennen das, die DFL erstaunlicherweise nicht.
Ich denke, das hätte mal eine hintergründige Berichterstattung verdient. Zumal viele Medien in Deutschland das aus Gründen eigener Verbandelung mit der DFL lieber ausblenden.
Haben wir einen Zuschauerschnitt in den Stadien, davon träumen andere europäische Ligen doch nur. Was habe ich zu letzt gelesen, der Schnitt an Stadionbesuchern in der Seria B ist auf ca. 5000 gefallen. Bei solchen Zahlen würde sich auch die 3. Liga hierzulande Fragen was da falsch läuft. Und der Artikel sagt ja auch dass man in Deutschland mehr Geld durch Sponsoren bekommt als in den anderen Top Ligen Europas. Und die ganzen Änderung wofür? Das die Vereine das gleiche Geld bekommen wie bisher? Das Ganze kann ich nicht verstehen.
Aber mal eine relativ naive Frage, warum funktioniert das nicht, wie im Uefa-Cup wo sich die Vereine Selbstvermarkten können?! Im Verein laufen ja die Interessengruppen zusammen Fans, Sponsoren und Management. Wie gesagt es ist eine sehr naive Frage von einem Unwissenden, der das komplexe System nicht blickt. Und wenn man meine Frage beantwortet, bitte sachlich bleiben, ich kann doch auch nichts dafür!
@Paulez: Die deutschen Fußballverbände bevorzugen die Zentralvermarktung, weil sie es für das solidarischere Modell halten. Wenn Bayern München seine TV-Rechte selbst vermarkten würde (und Energie Cottbus seine TV-Rechte selbst vermarkten müsste), würden, so heißt es, die Armen ärmer und die Reichen reicher werden. Da kann was dran sein.
Zudem sei es effizienter, wenn eine zentrale Organisation (die DFL eben) die Verhandlung führe, statt alle Vereine einzeln, denen dafür womöglich die Kompetenz fehle. Kann auch was dran sein.
Ist halt ein anderes Thema. Und ich darf gestehen, dass ich in der Frage Zentral- vs Einzelvermarktung für eine eindeutige Antwort noch nicht urteilssicher genug bin.
Sachlich genug? ;-)
Hallo Herr Fritsch,
während die neuen Anstoßzeitenmodelle in der Tat momentan eher die Zweite Liga betreffen, kann man an der Entwicklung der letzten Jahre ja eindeutig sehen, wo der Weg hingeht: Verfrühung von Anstoßzeiten und Zersplitterung von Spieltagen sind keine Eintagsfliegen, sondern eine Entwickliung, die auch auf die Erste Bundesliga übergreifen wird. Genau deswegen bildet sich ja gerade der Fanprotest in Deutschland in einer Qualität, die es vorher so noch nicht gab. Ich kenne die Initiative Kein Kick vor Zwei auch und bin überrascht bis begeistert von deren Arbeit. Die machen nämlich auch sehr gut klar, dass man in Deutschland nach den Ligen strebt, deren Systeme schon längst marode sind. Hochverschuldete Vereine mit profithungrigen Investoren vor der Tür, versitzplatze Stadien zu horrenden Eintrittspreisen oder Stadien, die direkt halb leer bleiben wie in Italien.
Ich finde, wenn das Streben der DFL nach Profitmaximierung kommentiert, dann sollte man auch die Beispiele beleuchten, die herfür immer wieder an Land gezogen werden, also die anderen großen Ligen. Die Faninitiaven wie Kein Kick vor Zwei (wo ja immerhin schon über 20.000 Fußballfans zusammengeschlossen sind) erkennen das, die DFL erstaunlicherweise nicht.
Ich denke, das hätte mal eine hintergründige Berichterstattung verdient. Zumal viele Medien in Deutschland das aus Gründen eigener Verbandelung mit der DFL lieber ausblenden.
@schwatzmann: Wie meinen Sie das denn, dass andere Medien mit der DFL verbandelt sind? Und inwiefern sind wir auf dem Weg, das System von anderen Ligen zu übernehmen? Und was wäre daran problematisch?
Bin immer für Hinweise, Argumente, Meinungen und neue Quellen dankbar. Auch per Mail: oliver.fritsch [at] zeit.de
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