Börse Merkur ist schlecht für Geldgeschäfte
Chaos an den Börsen und heftig schwankende Kurse: Das sind die besten Zeiten für Finanzmarkt-Esoteriker. Pendel, Horoskop und Mondbeobachtung haben Hochkonjunktur

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Bilder des Himmels, die die Geschicke der Erde lenken? Deckenmalerei aus Schloss Ambras von Giovanni Battista Fontana
Kaum hatte China sein 460 Milliarden schweres Konjunkturprogramm verkündet, schon stiegen heute früh die Kurse an der Tokyoter Börse. Doch morgen schon könnten sie wieder abstürzen. So jedenfalls erlebt man es seit Wochen. Auf und nieder immer wieder – und niemand kann mehr genau sagen, warum welcher Trend sich wann durchsetzt.
Keine angenehme Lage, gerade für Anleger. Denn Menschen fühlen sich eigentlich wohl, wenn sie die Situationen kontrollieren können, die sie erleben - beispielsweise, indem sie über deren Fortgang entscheiden können. Ein frommer Traum für jeden, der am Finanzmarkt arbeitet. Aber selbst hier versuchen Investoren zumindest eine Situation zu erzeugen, die ihnen das Gefühl gibt, sie hätten eine gewisse Art der Kontrolle.
So ein Gefühl wird erzeugt, wenn ein Investor denkt, er würde die Zusammenhänge verstehen, nach denen sich die Kurse bilden. Denn dann kann er Prognosen erstellen und Kurse vorhersagen.
Es gibt Phasen, in denen funktioniert das sehr gut. Beispielsweise, wenn der allgemeine Trend lange nach oben weist. Da muss man einfach nur blind Aktien kaufen, und schon liegt man im Gewinn. Das schmeichelt dem Ego des Anlegers, und es baut sich bei ihm das Gefühl auf, seine Investitionsentscheidungen im Griff zu haben. Aber wehe, der schöne Trend bricht ab, und es kommen Zeiten mit einer hohen Volatilität.
Doch in solchen Zeiten leben wir gerade. Da sind Kursschwünge von 10 Prozentpunkten innerhalb eines Börsentags nichts Ungewöhnliches. Klare Zusammenhänge sind nicht zu erkennen. Mal steigen die Kurse, weil sich die Konjunkturaussichten verbessert haben. Mal steigen sie, obwohl gerade Daten veröffentlicht wurden, die auf eine tiefe Rezession hindeuten. Oder sie sinken, obwohl Länder ankündigen, weiteres Geld auszugeben, um die Märkte zu stützen.
Wo keine klaren Zusammenhänge zu erkennen sind, schlägt die Stunde der Esoteriker. Da werden Aktien und Einstiegszeitpunkte erpendelt. Horoskope werden für den Dax und den Dow Jones erstellt. Astrologen warnen, ein rückläufiger Merkur sei schlecht für Geldgeschäfte. Oder man hört, dass Börsencrashs immer am dritten Tag vor dem Oktoberneumond zu Ende sind. Das war 1929 und 1987 so, und am 24. Oktober sahen wir ein Tief, das ebenfalls damit erklärt werden könnte.
So absurd die Ideen sind: Offenbar helfen sie einigen Anlegern dabei, wieder ruhiger zu schlafen. Und solange die Kurse so hin- und herschwanken, werden Finanzmarkt-Esoteriker weiteren Zulauf bekommen. Womöglich werden wir das Ende der Krise daran erkennen können, dass die Investoren wieder zu traditionellen Methoden zurückkehren.
- Datum 04.05.2009 - 11:09 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Jeder, der einmal die Voraussagen und Empfehlungen der professionellen Analysten und die tatsächliche Kursentwicklung von Aktien über einen längeren Zeitraum verglichen hat, erkennt, dass zwischen hochbezahlten Analysten und wirren Astrologen wenig Unterschied besteht.
Ich habe ja schon immer gewusst, dass "Börse" die legalisierte Form von Betrug ist, ein Wettgeschäft nach dem Motto: Wetten, dass ich einen noch Dümmeren finde, der mehr für die Papierschnipsel bezahlt als ich es getan habe?
Aber dass die Börse nun auf gleicher Ebene wie Voodoo, Regentanz und Kaffesatzleserei steht: Ist denn "Börse" nun auch die öffentliche anerkannte Form von absoluter Dummheit geworden ( oder ist es schon immer so gewesen )?
Tolle Sache, für was die Astrologie und die Gestirne nicht alles gut sind. Merkur ist schlecht für Geldgeschäfte, diese Auffassung könnte sogar geteilt werden. Merkur steht der Sonne sehr nah, verbrennt also Geld. So was ähnliches passiert doch auch an der Börse. Auf ganz leisen Sohlen machen wir einen Götterboten so zum Schuldigen. Vielleicht sollten wir ein paar alte Germanen um Hilfe bitten oder gleich die Voodoo-Priester bitten ihren Fluch zu lösen. Wie schön wenn alles so einfach ist.
© Bernard Bonvivant, Schriftsteller
Ob ich nun einen Börsenbrief mit den "neuesten Insidertipps" für teures Geld aboniere oder gleich in mein persönliches Horoskop (http://www.Horoskope-Dire...) schaue und mich davon leiten lasse, dürfte in der Tat egal sein.
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