Nach dem noch inoffiziellen Plan der Berater Obamas würden einige Gefangene freigelassen. Andere sollen vor US-Gericht gestellt werden – mit allen konstitutionellen Rechten und offenen Verfahren. Allerdings könnte dafür ein neues Rechtssystem geschaffen werden, um den Umgang mit geheimen Informationen in einem Prozess zu klären.

Obama habe aber noch nicht entschieden, was mit den wegen Terrorismusverdachts eingesperrten Häftlingen geschehen solle, sagte sein Berater Denis McDonough. Dies werde erst geschehen, wenn der künftige Präsident seine Teams für Sicherheits- und Rechtspolitik ernannt habe. Schon im Wahlkampf hatte Obama angekündigt, er wolle Guantánamo schließen.

amnesty appelliert an EU

Derzeit werden in dem Lager auf Kuba noch etwa 255 Männer gefangen gehalten, von denen die meisten beschuldigt werden, als Al-Quaida- oder Taliban-Kämpfer gegen die USA gekämpft zu haben. 50 Häftlinge wurden von den Vorwürfen entlastet, können aber nicht in ihre Heimatländer abgeschoben werden, weil ihnen dort Folter und Tod drohen. amnesty international hat Deutschland und die anderen europäischen Staaten aufgerufen, diese Häftlinge aufzunehmen.

Das Hauptproblem für Obama ist eine Gruppe von 120 Terrorverdächtigen, die von der jetzigen Regierung als gefährlich eingestuft wurden, aber mangels Beweisen nicht angeklagt werden konnten. Nach demokratischen Rechtsstandards müssten sie freigelassen werden - aber wohin mit ihnen?

Eine Sprecherin von Präsident George W. Bush sagte, es sei sehr kompliziert, das Gefängnis zu schließen. "Wenn man Leute auf dem Schlachtfeld festnimmt, die einen terroristischen Hintergrund haben, ist es nicht so einfach, sie gehen zu lassen."

Zahlreiche amerikanische Politiker wollen um jeden Preis verhindern, dass die Gefangenen den Boden der USA betreten. Ein entsprechender Beschluss wurde vergangenes Jahr mit großer Mehrheit im US-Senat gefasst. Obama hatte an der Abstimmung nicht teilgenommen.