Schäfer-Gümbel Der SPD-Kandidat aus der Tiefe
Alle spotten über Thorsten Schäfer-Gümbel, den völlig unbekannten neuen Spitzenkandidaten der Hessen-SPD. Aber er kann bei der Neuwahl im Januar im Grunde nur gewinnen

© Andreas Rentz/Getty Images
Unfallfreier Vortrag: Thorsten Schäfer-Gümbel bei seinem Antrittsbesuch in Berlin mit SPD-Chef Franz Müntefering
In Hessen ist wieder Wahlkampf. Die Parteien haben sich nach dem Ypsilanti-Desaster auf Neuwahlen verständigt, voraussichtlich am 18. Januar. Auf die Schnelle hat die SPD am Wochenende einen politischen Nobody zum neuen Spitzenkandidaten gekürt.
Lediglich 69 Tage hat dieser Thorsten Schäfer-Gümbel nun Zeit, die sozialdemokratische Chaostruppe wieder auf Trab zu bringen und aus dem politischen Schatten der grandios gescheiterten Landes- und Fraktionsvorsitzenden Andrea Ypsilanti herauszutreten. Zugetraut wird es ihm nicht. Der 39-Jährige gilt den meisten politischen Kommentatoren nicht als Nachwuchshoffnung, sondern als Verlegenheitskandidat. Auch die politische Konkurrenz versprüht ausschließlich Hohn und Spott über den vermeintlichen Zählkandidaten aus der dritten Reihe.
Immerhin: Bei seinem Antrittsbesuch am Montag im Berliner Willy-Brandt-Haus an der Seite von Parteichef Franz Müntefering machte Schäfer-Gümbel keinen Fehler. Der Mann aus Gießen kann in ganzen Sätzen reden, er kann die sozialdemokratischen Grundwerte buchstabieren und die Eckpunkte des Wahlprogramms in fernsehtauglichen 90 Sekunden auf den Punkt bringen. Und er weiß, wie man zumindest den großen Fettnäpfchen aus dem Weg geht. Das ist schon eine ganze Menge. An diesen Basisanforderungen an Politiker, die hoch hinaus wollen, sind schon prominentere Sozialdemokraten in den vergangenen Monaten gescheitert.
In Hessen hat Schäfer-Gümbel bislang hinter den Kulissen gearbeitet. Landeskorrespondenten beschreiben ihn als „fleißig, intelligent und gewissenhaft“. Der aus einfachen Verhältnissen stammende studierte Politologe und Familienvater gilt als einer der Vorbereiter des Wahlerfolgs der SPD und der Niederlage des Christdemokraten Roland Koch vor neun Monaten.
Zumindest Insidern der hessischen Landespolitik galt er deshalb schon vor den Ereignissen der letzten Woche als Mann mit Perspektive. Schäfer-Gümbel zählt zur Parteilinken, aber auch integrative Fähigkeiten werden ihm nachgesagt. Und die werden in der Hessen-SPD in den kommenden Wochen ganz besonders gebraucht werden.
Den Doppelnamen mit den zwei Umlauten wird man sich also merken müssen. Das ist völlig ernst gemeint, denn so paradox es klingen mag: Thorsten Schäfer-Gümbel kann bei der Landtagswahl nur gewinnen. Denn niemand erwartet von ihm irgendetwas. Alle Kommentatoren sind sich schon jetzt darüber einig, dass die SPD die Wahl mit Pauken und Trompeten verlieren wird. Erste Umfragen nach dem Scheitern des Machtwechsels prognostizieren der Hessen-SPD einen Verlust von rund zehn Prozentpunkten und das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Auch die Schuldige steht schon fest: Andrea Ypsilanti.
Für die SPD mag das bitter sein, zumal die Partei somit auch bundespolitisch denkbar schlecht in das Superwahljahr 2009 starten würde. Aber Schäfer-Gümbel kann bestens auf den schlechten Prognosen aufbauen: Die Latte liegt bei 27 Prozent und damit alles andere als hoch.
Jeder Prozentpunkt mehr wäre für den neuen Spitzenmann ein persönlicher Achtungserfolg, auch wenn ein solches Abschneiden für die hessische SPD insgesamt peinlich wäre. Die machtpolitischen Ansprüche, die sich daraus ableiten, die Forderung nach dem Fraktionsvorsitz zum Beispiel oder auch dem Landesvorsitz, wird Thorsten Schäfer-Gümbel zur gegebenen Zeit schon formulieren.
Naiv wäre es zu glauben, Ypsilanti komme dann noch einmal zurück und der von ihr ausgeguckte Spitzenkandidat sei lediglich ihr Platzhalter. Die bisherige Frontfrau der hessischen SPD hat ihre Chance gehabt. Sie hat sie krachend verspielt, auch wenn sie (noch) krampfhaft am Landes- und Fraktionsvorsitz festhält.
Schneidet die SPD noch schlechter ab, als es die Umfragen vorhersagen, dann hat Schäfer-Gümbel seiner Partei zumindest einen Dienst erwiesen, und er kann darauf verweisen, dass es nicht an ihm lag. Auch dafür wird sich die Partei dankbar zeigen müssen, zumal einige prominentere Kandidaten zuvor gekniffen haben und die Parteirechte in Hessen nach der von vier ihrer Abgeordneten verhinderten Wahl Ypsilantis zur Ministerpräsidentin völlig desavouiert ist.
Wenn sich Thorsten Schäfer-Gümbel also keine groben Schnitzer leistet, dann ist er ein sozialdemokratischer Landespolitiker mit Zukunft. Er ist jung genug, um in fünf Jahren auf seine zweite Chance setzen zu können. Bis dahin kann er sich als Gegenspieler von Roland Koch profilieren. Die Zeit spielt also für den vermeintlichen Verlegenheitskandidaten. Und auch andere haben es aus der dritten Reihe schon ganz nach oben gebracht. Als ein gewisser Christian Wulff beispielsweise einst in Niedersachsen gegen Gerhard Schröder startete, kannte ihn ebenfalls niemand.
- Datum 18.11.2008 - 20:45 Uhr
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Um die Position des hessischen Spitzenkandidaten ist wirklich niemand zu beneiden. Wirklich niemand?
Wenn die SPD einmal keinen Kandidaten mehr finden sollte, kann sie sich unter den vielen Arbeitslosen, Ein-Euro-Jobbern und Hartz-IV-Opfern umsehen.
Wie wenig die Kandidatur des Thorsten Schäfer-Gümbel wert ist, zeigt sich daran, daß er noch nicht einmal die offensichtlichsten Insignien der Macht beanspruchen durfte.
Nein, Herr Schäfer-Gümbel bekommt viel "Schmerzensgeld" für seine Opferbereitschaft. In den letzten Monaten durfte das entsetzte Publikum häufig den Kopf über die unvorstellbar hohen und unberechtigten Gehaltsversorgungen der Bankvorstände schütteln.
Im hessischen Landtag ist jeder Arbgeordnete ohne Ausnahme überbezahlt.
Ein Unternehmen hätten die Damen und Herren aus der Politik schon lange in die Insolvenz geführt.
Es wäre nur einmal ein Vorschlag: Aber weshalb versucht es die SPD nicht einmal mit Mitglied mit einem gestandenen Erwerbsleben. Berufserfahrung neben dem Politikbetrieb und Günstlingsposten. Hat die SPD nicht mehr? Tja, dann dürfte klar sein, weshalb diese Partei für weite Teile des Wählerspektrum nicht mehr wählbar ist.
Frau Ypsilanti konnte wenigstens noch ein paar Jahre als Sekretärin und Stewardess aufweisen bevor sie das süße Leben der professionellen Politik für sich entdeckte. Sicher bringt die Tätigkeit als Partei- und Fraktionsvorsitzende sehr viel Arbeit mit sich. Es soll aber auch Leute geben, die sehr viel arbeiten und nur 7 Euro brutto in der Stunde bekommen. Soviel zu den Arbeitnehmern, denen sich die SPD nahe fühlt.
Aus unternehmerischer Sicht muß man nüchtern festhalten, daß Frau Ypsilanti als Unternehmerin und persönlich haftende Gesellschafterin nach dieser desolaten Fehlleistung allenfalls noch die Privatinsolvenz beantragen könnte.
Thorsten Schäfer-Gümbel wird bestensfalls zum Franz Maget der hessischen SPD - ein sympathischer Verwalter einer Splitterpartei.
Die Hessen-SPD hat in den letzten Tagen sehr deutlich gemacht, daß sie eher die Selbstauflösung beantragen wird, als sich wieder den Wählern zuzuwenden.
Nein, es gibt keinen Grund, die SPD zu wählen. Es steht allmählich zu befürchten, daß die größte Fraktion wieder die Nichtwähler sein werden.
Denn auch die anderen Parteien bieten keine wählbare Alternative an.
...aber, und das wurde ja auch klar gesagt: Viel zu verlieren hat er nicht. Denn bis zum Beweis des Gegenteils ist er wohl in den Augen der öffentlichkeit so eine Art
Zypsilantihase, ein aus dem Zylinder der Frau Ypsilanti herbeigezauberter Spielhase, der verbergen soll, dass sie weiterhin die hessischen Strippen zieht.
Ob's gut geht?
gestern war er noch unbekannt und heute spotten alle.
Spott wollen nur die , die Roland Koch als MP wollen. Andere hören erstmal einige Tage zu und bilden sich dann ein Urteil über den Unbekannten.
Um solch normale Dinge gehts aber unserer unabhängigen Presse gar nicht.
Es gab in Hessen eine gewählte programmatisch Mehrheit jenseits der Konservativen.
Dieser demokratische Betriebsunfall darf sich nicht wiederholen.
Sogar die BILD-Zeitung hat heute eine Riesentabelle veröffentlich über die Einkommen der einzelnen Berufe, vor 10 Jahren, heute und das jeweilige Plus oder Minus in dieser Zeit. Fast überall MINUS. Was ist "bürgerliche" Politik wert, wenn der Lebensstandard der Volksnmehrheit sinkt, wenn derzeit nicht wenige Studentinnen sich prostituieren müssen, um ihr Studium zu finanzieren, wenn Studienabgänger mit besten Noten keinen Job finden, oftmals nur einen Praktikumsplatz mit Beziehungen ( habe selbst etwa 10-mal geholfen ). Hatte gegenüber diesen jungen Menschen ein sehr schlechtes Gefühl, trotz meiner Hilfe. Warum? Als wir abgingen (von Uni), kamen auf jede ausgeschriebene Stelle 4-6 Bewerbungen. Wie es heute ist, setze ich als bekannt voraus. Heutzutage werden viele Stellen nur pro-forma ausgeschrieben. Sind in Wirklichkeit schon "unter der Hand" vergeben!
Wenn ich diesen großkotzigen Herrn Weise aus Nürnberg sehe, dann kommt mir in den Sinn: Lüge, große Lüge, Statistik.
Und wir wissen ja, was derzeit läuft: Strom, Gas, Heizöl, Sprit, Nahrungsmittel, Gesundheitskosten.
Koch mit seiner Schickeria aus dem Taunus, aus Wiesbaden und aus Frankfurt hat nicht überall Freunde. Allerdings hat er sehr mächtige Verbündete: Verlagshäuser, der politisch umgefärbte HR, Helaba, FRAPORT, Bankbosse ( auch und gerade die größten Nieten), Energiekonzerne und ein Netzwerk öffentlicher Unternehmen.
Nun zu Hessen: Ein Spitzenkandidat mit einem Doppelnamen ist ein gewisses werbliches Problem. Aber es führen viele Wege und Straßen nach Rom.
Aus China wissen wir, dass aus einem einzelnen Mann eine ganze Armee werden kann, wenn er eine gerechte Sache vertritt. Fakt ist: Union und FDP politisieren für Bessergestellte, die GRÜNEN für eine gewisse Schicht Sektierer ( auch meist Bessergestellte ), die LINKE hat keine Problemlösungskompetenz.
Die Rede von Ph. Scheidemann bei Ausrufung der Republik 1918 hat nichts, rein gar nichts von ihrer Bedeutung verloren. Sehr vieles gilt noch heute.
Die Verderber vin einst, sind, in anderer Verkleidung auch die Verderber von heute. Oder ist das Lehrgeld, das unserem Volk aus der Finanzkatastrophe aufgebrummt wird (obwohl die Menschen gar nichts dafür können ) nicht Lehrgeld genug?
Es wäre an der hohen Zeit, einem gewissen Teil der selbsternannten "Elite" einmal klarzumachen, dass von ihnen nichts, aber auch wirklich gar nichts zu halten ist. Nur für die "total Ahnungslosen": Diejenigen, die die Kastrophen angerichtet haben, sind - von ein paar Ausnahmen im Promillebereich - keine Sozis, sondern selbstzufriedene, sich überschätzende "Bürgerliche".
Den folgenden Text habe ich einem Leserbrief in der SZ entnommen. Der passt auch zu Ihrem Artikel!
"Ich vermute, man bekommt bei der ZEIT Zeilenhonorar. Da hätten Sie uns doch auch noch mit mehr Informationen über Herrn Schäfer-Gümbel beglücken können. Leben seine Großeltern noch, was waren seine Lieblingsbücher, geht er gelegentlich noch in die Disko, steht er unter dem Einfluss seiner Mutter oder hat Andrea Ypsilanti auch im häuslichen Bereich die Führungsarbeit übernommen?
Da haben Sie die Chance verpasst, mit ein paar Plattheiten noch mehr Geld zu verdienen.
@wartaweil
Wo leben Sie denn? Frauen müssen sich fürs Sudium prostituieren? So ein Blödsinn, ein normaler Job tut es auch, aber wenn jemand im Studium auf dicke Hose machen will und viel Geld haben möchte , bitteschön
Die Chancen für Hochschulabsolventen sind so gut wie nie. Ich suche ständig Absolventen verschiedener Fachrichtungen. Ein Problem wird es als Absolvent erst dann, wenn man eine Vita wie Herr Schäfer-Gümbel hat. 7 Jahre für ein Politikstudium und danach nie gearbeitet sondern als Edeltranferleistungsempfänger die Ochsentour durch die Partei. Solchen Leuten müssen Sie helfen wenn die aus dem Parlament fliegen, sonst stürzen die auf Harz4 Nivau ab, da haben Sie recht.
P.S. Hat der nicht mal seinen eigenen Wahlkreis gewinnen können und ist über die Liste reingekommen? Wie arm.
Wenn es so einfach wäre, Bouffier (immerhin Innenminister und Kochs Kronprinz) den Wahlkreis abzunehmen, dann ... wäre Hessen ein anderes Land. Wo leben sie denn?
Wenn es so einfach wäre, Bouffier (immerhin Innenminister und Kochs Kronprinz) den Wahlkreis abzunehmen, dann ... wäre Hessen ein anderes Land. Wo leben sie denn?
"Alle spotten über Thorsten Schäfer-Gümbel..."
Wer ist alle? Wer einen Artikel so einleitet, muss einem auch die "alle" angeben.
- alle Zeitredakteure?
- alle Hessen?
- alle Deutschen?
- alle Frauen?
- alle Männer?
Und über was spotten sie? Über seine rote Clownsnase? Über sein neues Rennrad?
Es gibt da so ein gelbes Paperback "Einführung in den Journalismus" oder so ähnlich, ich kann den genauen Titel nicht angeben, da es in einer Bücherkiste Staub ansetzt, da wird erklärt wie man Artikel schreibt. War mal ein "must" für jeden angehenden Journalisten. Wer? wo? wann? wie? warum? was? Alle W-Fragewörter soll der Journalist zu einem Thema abarbeiten, damit es ein guter wird.
Also nochmals, wer spottet warum über T. S-G?
Aha, ein paar Absätze weiter kommt die Erklärung:
"Auch die politische Konkurrenz versprüht ausschließlich Hohn und Spott über ..."
Es wird impliziert, daß nicht nur die Konkurrenz, sondern wohl auch die Freunde spotten. Aber wo sind die Belege? Wer sagt was?
"Der Mann aus Gießen kann in ganzen Sätzen reden..."
Was will uns das sagen? Herr Seils hatte nicht erwartet, daß T. S-G in ganzen Sätzen redet? Glaubte er, er hätte Kaspar Hauser vor sich? Warum muß diese Eigenschaft unterstrichen werden?
Ich könnte jetzt den ganzen Artikel abarbeiten, ist mir aber zu blöd, da gehe ich lieber ein Bier trinken.
So das Bier hat gewirkt, mir ist der Autor eingefallen und Google half weiter:
LaRoche, Walther von:
Einführung in den praktischen Journalismus
München List Paul Verlag, 1987
So das Bier hat gewirkt, mir ist der Autor eingefallen und Google half weiter:
LaRoche, Walther von:
Einführung in den praktischen Journalismus
München List Paul Verlag, 1987
oder lachen, wenn sie was nicht kapieren. Bergson hat, wenn ich mich richtig erinnere, das Lachen auch als Reaktion auf eine Bedrohung beschrieben.
Klar, wenn die Journalisten jemanden, der den letzten Wahlkampf der Hessen-SPD offenbar massgeblich mitgeprägt hat, nicht kennen, weil sie sich anscheinend für politische Inhalte kaum interessieren, müssen sie Angst kriegen - Angst, dass ihre Ahnungslosigkeit durchschaut wird. Also machen sie sich lustig. (Wenn man sieht, dass Ronald Pofalla, CDU-Generalsekretär, wortgleich Michael Schliebens Unterstellung vom Strohmann Schäfer-Gümbel im Artikel nebenan verwendet, wird klar, wofür sich Zeit-Autoren in Wirklichkeit halten, die politische Konkurrenz nämlich.)
Lesen Sie Herr Seils, aufmerksam Kommentar 7, versuchen Sie vielleicht am besten mal, an das gelbe Paperback heran zukommen - vielleicht werden auch Sie sich dann eines fernen Tages Ihr Bier redlich verdient haben - thinktankgirl hat Ihnen da in jeder Hinsicht einiges voraus.
@ttg: Prost!
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