Fotografie F.C. Gundlach über Ryan McGinley
Ein Interview mit dem Modefotografen über seinen jungen Kollegen Ryan McGinley, dessen Bilder Gundlach als Protest gegen Amerikas Kriege versteht

© Ryan Mc Ginley
Fängt die Stimmung junger Menschen in Amerika ein: der amerikanische Fotograf Ryan McGinley
ZEIT ONLINE: Für seine Aufnahmen nackter junger Menschen in amerikanischen Landschaften wird Ryan McGinley in seiner Heimat als neuer Fotografie-Superstar gefeiert. Was ist neu an seinen Motiven, seiner Bildsprache?
F.C. Gundlach: Ryan McGinley zeigt uns Bilder der Sehnsucht in einem Land ohne Konturen, in einer Landschaft ohne Sehenswürdigkeit. Für mich sind sie ein Protest gegen Amerikas Kriege und gegen die herrschende politische Situation. Obamas change wird in seinen Bildern sichtbar, die Zukunft wird sichtbar - als Hoffnung, aber auch als gewisses Misstrauen und Unsicherheit. Schauen Sie sich zum Beispiel das Porträt des jungen Mädchens an: Ihr Gesichtsausdruck scheint zu sagen, meine Welt kommt, sie sieht ein bisschen anders aus, aber sicher ist sie nicht.
ZEIT ONLINE: McGinley reiste für seine aktuelle Fotoserie durchs Land, als der junge Senator Obama sich ebenfalls auf den Weg machte, aber kaum einer von ihm wusste.
Gundlach: Diese Fotos sind eine direkte Reaktion auf die letzten fünf Jahre Amerika und mit der Zeit sind sie meines Erachtens auch zu einer direkten Reaktion auf den Aufbruch durch Obama geworden. Die ganze Serie reflektiert die Stimmung junger Menschen in Amerika.
ZEIT ONLINE: McGinley selbst spricht von einer "Traumwelt", in der er während der Arbeit lebt. Ist auch das Amerika in seinen Bildern eine solche Traumwelt ohne Realität?
Gundlach: Man kann darin eine paradiesische, romantische Welt lesen. Das ist die Botschaft der Bilder. Aber sie wird wohl immer ein Traum bleiben. Für mich ist es übrigens nicht die Sexualität, die im Vordergrund steht. Die Nacktheit verweist auf die Unschuld der Landschaft, aber auch der Menschen, die sich darin bewegen. Und das ist hochpolitisch.
ZEIT ONLINE: Erscheint die amerikanische Landschaft in McGinleys Fotografien deshalb eher gesichtslos und austauschbar, weil sie unschuldig sein will?
Gundlach: Ich glaube, es drückt sich ein neues Heimatgefühl in den Bildern aus. McGinley fotografiert in der Tat keine Rocky Mountains, sondern Wiesen, wie es sie unzählige in Amerika gibt. Er geht in eine völlig harmlose Landschaft und nimmt das, was passiert, das, was sich aus der Konfrontation der Menschen mit ihr ergibt. Robert Frank hat es in den fünfziger Jahren genauso gemacht.
ZEIT ONLINE: Welche Inspiration hat McGinley außer Frank? Richard Avedon? Nan Goldin?
Gundlach: Avedon war viel zu rational. Die Menschen auf seinen Fotos hat er gecastet. McGinley nimmt die Menschen, die in sein Umfeld gehören. Nan Goldin war wie McGinley in einer Clique unterwegs. Allerdings zu einer Zeit, in der die sexuelle Revolution erst stattfand, mit einer nicht zu überbietenden Brutalität. McGinley kehrt zu einer Unschuld zurück, einem Hauch von Erotik, aber in einer sehr harmonischen Art und Weise, wie ich finde.
ZEIT ONLINE: Halten Sie seine Bilder für zeitlos?
Gundlach: Zeitlos werden sie, indem sie historisch werden. Fotografie hat eine ungeheure Zeitzeugenschaft. Und sie wird auch in diesen Bildern, in denen sie sich vielleicht noch nicht so konkret ausdrückt, deutlich werden. Wenn ich könnte, würde ich gleich ein paar davon erwerben für meine Sammlung Das Bild des Menschen in der Photographie .
ZEIT ONLINE: Ein Ryan McGinley als echte Investition in die Zukunft?
Gundlach: Ja. Fotografie hat ja sowieso eine große Aufwertung erfahren in den letzen Jahren. Ich habe das noch anders kennengelernt: Bei einer Ausstellung der Arbeiten Robert Mapplethorpes Anfang der achtziger Jahre haben wir mit Mühe zwei Bilder für 350 Dollar verkauft. Die anderen habe ich für mich behalten. Ich sah, dass das etwas Neues war.
ZEIT ONLINE: Auch die Arbeiten deutscher Fotografen werden vermehrt gekauft.
Gundlach: Ich finde, dass viele unserer jungen Fotografen zu intellektuell an die Dinge herangehen. Ich möchte keine Gebäudefetzen mehr sehen, das hat sich für mich erledigt. McGinley geht einfach her und begibt sich in ein visuelles Abenteuer, das sich vor seiner Kamera entwickelt. Er braucht es einfach nur wahrzunehmen. Er kann sich darauf verlassen, dass etwas passiert.
ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie seine doch eher vom Zufall geprägte Arbeitsweise?
Gundlach: Ryan McGinley kommt von einer Fotoreise mit 4000 belichteten Filmen zurück. Das ist eigentlich ein sehr filmisches Mittel, vom gesamten Material nur einen Bruchteil zu verwenden. Er sagt ja selbst, er wolle bald einen Film machen. Dafür wird er allerdings starren Regeln folgen müssen. Film erfordert unglaubliche Disziplin, damit hinterher alles zusammenpasst. Jetzt kann er noch mischen, seine Bilder laufend neu kombinieren und kontextualisieren.
Die Fragen stellte Marcus Schuster.
- Datum 11.11.2008 - 11:43 Uhr
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...herr gundlach für ihre deutung der bilder herrn mcginleys.
mir scheint noch eine ganze menge wolfgang tillmans in die belichtungsinspiration einzufließen. wie auch immer hätte ich mich nicht gewagt solche negative zu vergrößern und dann auch noch anzubieten oder auszustellen. das mag allerdings tatsächlich an der von ihnen angesprochenen zwanghaft intellektuellen herangehensweise bei der motivwahl liegen.
... die darstellung mcginleys in dem artikel ist ziemlich romantisch, wenig fundiert, denn liest man auch nur ein paar intervews, die er diversen zeitschriften gab, merkt man schnell, dass es nicht darum geht etwas einfach festzuhalten, was ohnehin passiert, sondern inszenierte welten zu schaffen
"All I want is for my pictures to look as if they're illustrations that could be in children's books."
in den höhlen zum beispiel - moonmilk. models sind gecastet, feuerwerkskörper besorgt und drei assistenten dabei. klar angefangen wird er nicht so haben, die bilder von freunden in new york sind nicht so. aufzeichnungen die mcginley bei einem seiner sommer-road trips gemacht hat, die im interview magazin veröffentlicht wurden, sind sehr aufschlussreich im bezug auf seine arbeitsweise.
http://www.interviewmagaz...
ob ich den link hier reinstellen darf?
... die darstellung mcginleys in dem artikel ist ziemlich romantisch, wenig fundiert, denn liest man auch nur ein paar intervews, die er diversen zeitschriften gab, merkt man schnell, dass es nicht darum geht etwas einfach festzuhalten, was ohnehin passiert, sondern inszenierte welten zu schaffen
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in den höhlen zum beispiel - moonmilk. models sind gecastet, feuerwerkskörper besorgt und drei assistenten dabei. klar angefangen wird er nicht so haben, die bilder von freunden in new york sind nicht so. aufzeichnungen die mcginley bei einem seiner sommer-road trips gemacht hat, die im interview magazin veröffentlicht wurden, sind sehr aufschlussreich im bezug auf seine arbeitsweise.
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... die darstellung mcginleys in dem artikel ist ziemlich romantisch, wenig fundiert, denn liest man auch nur ein paar intervews, die er diversen zeitschriften gab, merkt man schnell, dass es nicht darum geht etwas einfach festzuhalten, was ohnehin passiert, sondern inszenierte welten zu schaffen
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in den höhlen zum beispiel - moonmilk. models sind gecastet, feuerwerkskörper besorgt und drei assistenten dabei. klar angefangen wird er nicht so haben, die bilder von freunden in new york sind nicht so. aufzeichnungen die mcginley bei einem seiner sommer-road trips gemacht hat, die im interview magazin veröffentlicht wurden, sind sehr aufschlussreich im bezug auf seine arbeitsweise.
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