Tränen laufen langsam über ihr Gesicht, ihre schöne Stirn ist mit einem traditionellen Band geschmückt. Dabei liegen ihre Hände ganz ruhig vor ihr auf dem Tisch. Miriam Makeba sitzt im Vortragssaal des Adlon Hotels am Brandenburger Tor und erzählt von Südafrika. Nicht von ihrer Kindheit, als jede Nacht mit Polizeikontrollen zu rechnen war, die Familien auseinanderrissen, wenn die Farbschattierungen der Haut zu unterschiedlich waren, und die brutal die Männer niederknüppelten, die Väter, Brüder und Großväter. Nicht von den täglichen Demütigungen und politischen Morden, von den Verboten, die eigene Sprache zu sprechen.

Auch nicht von dem Verbot, wieder in ihr Land und zu ihrer Familie zurückzukehren, nachdem sie die Brutalität und Menschenverachtung des Apartheid-Regimes öffentlich gemacht hatte. Oder von den langen Jahren im Exil, in dem sie erst in New York als Exotin herumgereicht wurde, gefördert von Harry Belafonte, um dann, durch ihre Heirat mit dem Bürgerrechtler Stokley Carmichael, als politische Unperson fallen gelassen zu werden. Ständig verfolgt durch das FBI, bis sie die USA schließlich verließ. Erst nach dem Ende der Apartheid kehrte sie wieder zurück, 1990, auf die Bitte Nelson Mandelas hin. Es war ein bewegender Moment.

Miriam Makeba spricht von ihrem Südafrika heute. Von jungen Mädchen, die vergewaltigt werden, weil sich immer noch der Glaube hält, Sex mit Jungfrauen könnte Aids heilen. Von dem so schwer zu überwindenden Erbe der Apartheid. Dem Analphabetismus, der Umweltverschmutzung, der innerfamiliären Gewalt, der Armut und den Aidswaisen. Davon, dass die Regierung immer noch den Zusammenhang leugnet zwischen HIV und Aids und so die notwendigen Medikamentenspenden ebenso behindert wie die Entstehung eines Bewusstseins in der Bevölkerung.

Von den Townships vor Kapstadt und den Straßenschildern mit Aidsschleifen und Werbung für Kondome. Nur dass sich kaum jemand Kondome leisten kann. Von den Wellblechhütten, in denen Reste von Plastiktüten in Stacheldrahtzäunen hängen, und von den Häusern, die mit Alarmanlagen der Marke "Alcatraz" gesichert sind. Sie spricht aber auch von der großen Liebe zu ihrem Land und von dessen Kraft, sich zu erneuern und es zu schaffen. So gründete sie die "Zenzile Miriam Makeba Stiftung", der auch das "Miriam Makeba Rehabilitationszentrum für missbrauchte junge Frauen" eingegliedert ist.

Mit ihrer Musik ist die 1932 in der Nähe von Johannesburg geborene Miriam Makeba immer für Freiheit und Bürgerrechte eingetreten. In den fünfziger Jahren bekannt geworden durch ihre Hauptrolle in dem Musical über den berühmten südafrikanischen Boxer "King Kong" und durch den 1959 auf den Filmfestspielen in Venedig gezeigten Film Come Back Africa, sang sie immer wieder auf Xhosa über Südafrika, über die Schönheit des Landes, aber auch über Malcolm X.

Nur das traditionelle Xhosa-Lied Pata Pata wollte sie eigentlich nicht mehr aufführen. Es erschien ihr zu belanglos angesichts der Tragödien, die sich auf der Welt abspielten. Wie auch Wimoweh, ein Lied über die Löwenjagd, das sie 1962 zum Geburtstag von John F. Kennedy sang und das später als The Lion Sleeps Tonight bekannt wurde.