US-Wahl Am Tag danach

Nach der Wahl Barack Obamas probt Amerika die große Versöhnung. Unterdessen stellt der designierte US-Präsident sein Übergangsteam vor

Nach dem furiosen Sieg Obamas: Wie geht es weiter in Amerika?

Am Tag nach der Revolution war das Leben in Amerikas Hauptstadt eigentlich wie fast immer: Menschen eilten hektisch zur Arbeit, in einer Hand die U-Bahnkarte, in der anderen einen Pappbecher mit dampfendem Kaffee; Müllmänner sammelten den Unrat ein, auch jenen, den siegestrunkene Obama-Fans in der Nacht vorm Weißen Haus zurückgelassen hatten; Schulbusse bahnten sich blinkend einen Weg durch den Verkehrsstau; Amerikaner aller Hautfarben begegneten sich ebenso freundlich oder unfreundlich wie an jedem anderen Tag; wie gewohnt lagen pünktlich am Morgen die Zeitungen vor der Haustür.

Wie anders die Bilder vom Abend zuvor. Die Welt schien aus den Fugen zu geraten, ein gewaltiges Beben erfasste Amerika. Alte und junge Menschen, Weiße und Schwarze lagen sich tränenüberströmt in den Armen, Autokolonnen fuhren hupend durch die Metropolen. Das Unglaubliche war wahr geworden: Selbst Virginia, dieser einstige Sklavenstaat und Sitz der abtrünnigen Südstaaten-Konföderation, hatte Obama gewählt. Doch schon über Nacht kehrte das Land zu seiner Routine zurück. War da was?

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Man musste am Mittwochmorgen schon sehr genau hinschauen, um Veränderungen wahrzunehmen. Republikaner hatten in der Dunkelheit flugs ihre McCain/Palin-Schilder aus ihren Vorgärten entfernt, es sah plötzlich alles so aus, als hätte allein Obama kandidiert. Vorm Weißen Haus nahmen Schwarze Reißaus vor Fernsehteams, die jedem Menschen dunkler Hautfarbe nachstellten und mit den immergleichen Fragen bedrängten: "Wie fühlen Sie sich, sind Sie stolz, ist für Sie mit Obamas Wahl ein Traum in Erfüllung gegangen?“ Und Obama-Fan Oprah Winfrey, die sich in den vergangenen Monaten einen Maulkorb auferlegt hatte, wedelte in ihrer Talkshow munter mit Obama-Devotionalien herum.

Ebenso neu und ungewohnt: Die New York Times und etliche andere Zeitungen nennen Obama plötzlich bei seinem vollen Vornamen. Im hitzigen Wahlkampfgefecht hatten sie den Mittelnamen "Hussein“ weggelassen, weil rechte Hetzer diesen Mittelnamen bei jeder Gelegenheit laut herausbrüllten - in der Absicht, Obama als einen verkappten Muslim zu verunglimpfen, frei nach der Devise: Wer Hussein heißt, ist kein Christ, sondern ein Muslim. Und wer Muslim ist, ist eine fragwürdige Person, ein Terrorist, ein Feind Amerikas.

Leser-Kommentare
  1. Entgegen der landläufigen Meinung vor Ort ist gestern in den USA nicht der Messias geboren. Es wurde lediglich ein neuer Präsident gewählt, der sehr viel versprochen hat und inzwischen langsam beginnt zu relativieren ("ähm, nicht dieses Jahr, nicht in dieser Wahlperiode, hehe". Die Börse zeigt die Kater-Stimmung. Aber ich habe die große Hoffnung gehabt, dass wenigstens diese selten dumme Vokabel "Alter Kontinent" zusammen mit W. Bush verschwinden wird.

    Der Artikel gefällt mir nicht. Wenig Informationen, viel "Friede, Freude, Eierkuchen" und zum Schluss eine unreflektierte Giftspitze gegen Europa. Vollkommen überflüssig.

  2. Schneller und verführerischer ist die dunkle Seite. Man muss sich schon wundern, dass von einer Wende die Rede ist, einer Revolution, wenn nun jemand Präsident der Vereinigten Staaten wird, der eine gute Ausbildung hat, Ausstrahlung besitzt und möglicherweise nicht der Öl- und Rüstungslobbie hörig ist. Was war da los die letzten Jahre? Muss sich Amerika jetzt selbst verklagen, wegen ...?

  3. Die kenianische Großmutter heißt Sarah Hussein Obama. Daher würde ich davon ausgehen, daß Hussein eher Bestandteil des Nachnamens ist als ein zweiter Vorname.

  4. Er trägt den Namen Hussein ! Ja, und ? Ob als Vor- oder Nachname - ist doch völlig wurscht ! Man denke doch nur an die vielen Adolfs, Hermanns, Josefs und wie die Naziprominenz sonst noch hieß - sollen sich deswegen alle diese Namensträger etwa entleiben ? Namensgeber sind die Eltern, Kinder müssen "nur" damit leben.

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    • hawat
    • 06.11.2008 um 22:12 Uhr

    Nicht doch, so denkt nur noch der "alte Kontinent" . . . .

    • hawat
    • 06.11.2008 um 22:12 Uhr

    Nicht doch, so denkt nur noch der "alte Kontinent" . . . .

    • hawat
    • 06.11.2008 um 22:12 Uhr
    5. Pssst!

    Nicht doch, so denkt nur noch der "alte Kontinent" . . . .

    Antwort auf "Nomen est omen ?"

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