Überwachung Innenausschuss nickt Onlinedurchsuchung ab

Die vorletzte parlamentarische Hürde war keine: Gegen den Willen der Opposition hat die Regierungskoalition den "Moloch" BKA-Gesetz durchgewunken.

"Der uralte Traum der Polizei, die Knechtsrolle abzulegen, wird hier wahr, der Generalbundesanwalt hat dann nichts mehr zu sagen. Es entsteht ein Moloch, der parlamentarisch nicht zu kontrollieren ist." Das ist das Fazit, das die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am Montag im Innenausschuss des Bundestags über das geplante BKA-Gesetz zog. Genützt hat es nichts. Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und gegen die Opposition sorgten Union und SPD dafür, dass das umstrittene " Gesetz zur Abwehr des internationalen Terrorismus durch das Bundeskriminalamt " am Mittwoch im Bundestag verabschiedet werden wird.

In der Ausschusssitzung gab es noch einmal viel Kritik an dem Werk, das neben Onlinedurchsuchung oder Handyortung auch viele andere bedenkliche Instrumente enthält. Die Grünen sahen darin "eine einzigartige Machtkonzentration". Entsetzt zeigten sie sich vor allem von der Umkehrung der Sicherheitsarchitektur. "Bisher war der ganze Komplex Terrorbekämpfung beim Generalbundesanwalt angesiedelt und nun wird dieser nur noch durch das BKA informiert." Eigentlich ist die Polizei in Deutschland nur Instrument der Staatsanwaltschaften. Mit dem BKA-Gesetz wird sich das für den Bereich der Terrorermittlungen ändern. Das Bundeskriminalamt darf künftig selbst entscheiden, wann und in welchem Umfang es aktiv wird.

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Die Regierungskoalition antwortete auf die Vorwürfe mit den erprobten Argumenten: Von den Vorgaben, die das BKA-Gesetz formuliere, seien 80 Prozent bereits in den Polizeigesetzen der Länder festgeschrieben, erklärte die CDU-Fraktion. Auch in jenen Bundesländern, in denen die Opposition mitregiere. Deshalb sei deren Empörung unglaubwürdig. Den erstgenannten Fakt hat bislang niemand bestritten. Im Gegenteil. Noch im Frühjahr hatte der SPD-Rechtsexperte Klaus Uwe Benneter den Gesetzentwurf ein "Sammelsurium der Grausamkeiten aus allen Länder-Polizeigesetzen" genannt . Von dieser Haltung war nun in der SPD nichts mehr zu spüren.

Auch in anderen Punkten sind die Sozialdemokraten inzwischen ganz auf Linie. So fanden FDP, Grüne und Linkspartei es völlig unzureichend, Journalisten, Rechtsanwälten und Ärzten nur ein eingeschränktes Zeugnisverweigerungsrecht zuzugestehen und nur Strafverteidigern, Geistlichen und Abgeordneten den vollen Informantenschutz. "Mit diesem Gesetz sind weitgehende Eingriffe in die Grundrechte vorprogrammiert. Das BKA ähnelt künftig mehr einem Geheimdienst als einer Polizeibehörde", sagte die Linksfraktion.

Die SPD, einst ähnlicher Meinung , hielt nun dagegen: "Wenn man sich anschaut, wer überall mit Journalistenausweis herumläuft: Dafür kann man nicht die Schranken öffnen." Außerdem schließe das Gesetz "eine bestehende Lücke im Sicherheitssystem". Die Behörden müssten sich dem technischen Fortschritt anpassen. Im Übrigen würden die neuen Befugnisse wie Rasterfahndung oder Onlinedurchsuchung nach fünf Jahren auf ihren Nutzen hin evaluiert.

Wie schrieb ein Mitglied des Chaos Computer Clubs in seinem Blog zu der nun als Fortschritt verkauften Evaluierungsfrist? "Hallo? Das ist Standard!"
 

 
Leser-Kommentare
  1. Was wir jetzt bekommen ist eine Geheimpolizei, die ermitteln kann wann und wo sie will und niemand erfährt davon. Die ersten Opfer dieser Ermittlungen werden vermutlich wieder nicht die schlimmsten Verbrecher sein, sondern die Journalisten, die versuchen herauszufinden was da abgeht. Bei solche Apparaten hat üblicherweise der Selbstschutz höchste Priorität.

    Wir als Bürger können nicht mehr kontrollieren was die machen und weil alles Geheim bleibt auch nicht dagegen protestieren oder klagen. Alles was uns bleibt ist zu hoffen und zu vertrauen, dass die schon das richtige machen.

    Zur Zeit kann man das BKA sicher nicht mit der Stasi oder der Gestapo vergleichen. Verdächtige dürfen z.B. nicht gefoltert oder mit Folter bedroht werden (auch wenn es Leute gibt, die das "in Aussnahmefällen" für nötig halten). Es ist auch nicht zulässig Unbeteiligte zu töten, wenn damit möglicherweise schlimmeres verhindert werden kann (auch wenn es Leute gibt, die das "in Aussnahmefällen" für nötig halten). Ob das BKA aber auf Dauer nicht immer mehr zu einer Organisation wird für die man sich in Zukunft irgendwann schämen muss, ist heute mehr denn je offen.

    Ich hoffen jedenfalls immer noch darauf, dass einige Abgeordnete bei der Abstimmung im Parlament ihr Gewissen entdecken und dagegen stimmen. Das ist ja gerade populär. Vermutlich bin ich aber nur überoptimistisch.

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    "Ob das BKA aber auf Dauer nicht immer mehr zu einer Organisation wird für die man sich in Zukunft irgendwann schämen muss, ist heute mehr denn je offen."
    Und ob das dann noch genügend aufrechte Menschen mitbekommen, oder ob das Amt dann schneller ist als die, die sich auf Art. 20 Abs. 4 GG berufen könn(t)en, ist ebenso fraglich.

    "Ob das BKA aber auf Dauer nicht immer mehr zu einer Organisation wird für die man sich in Zukunft irgendwann schämen muss, ist heute mehr denn je offen."
    Und ob das dann noch genügend aufrechte Menschen mitbekommen, oder ob das Amt dann schneller ist als die, die sich auf Art. 20 Abs. 4 GG berufen könn(t)en, ist ebenso fraglich.

    • NoG
    • 11.11.2008 um 10:00 Uhr
    2. wer

    hat das gesagt:

    "Wenn man sich anschaut, wer überall mit Journalistenausweis herumläuft: Dafür kann man nicht die Schranken öffnen." ???

    ist es nicht denklogischer das man dann die vergabe/ ausgabe von journalistenausweisen anders regelt?
    kenne diese branche nicht großartig, aber als unabhaengige informationsbeschaffer fernab von ideologien und machtinteressen sind diese doch unverzichtbar.
    ok - nicht alle, aber darum geht ja erstmal nicht.

    • Anonym
    • 11.11.2008 um 11:47 Uhr

    mit welcher Leichtigkeit derzeit die Funktionen der die Bürger schützenden Gesetze und Verordnungen ausgehebelt werden. Gleichermassen muss man sich fragen ob hier noch der Wille des Souverän eine Berücksichtigung erfährt, wenn neurotisch anmutende Konstellationen dafür herhalten jeden Unbeteiligten ohne sein Wissen und spätere Möglichkeit der Aufklärung in das Visier einer zunehmend repressiv zu bezeichnenden Behörde geraten zu lassen.

    Man wird den Eindruck nicht los als sei der internationale Terror, obgleich zu bekämpfen, der willkommene Anlass gewesen ist lang gehegte Wünsche einer Überwachung im rechtsfreien Raum Platz zu bieten - und Parallelen zur jüngeren Geschichte werden wach, wenn das bereits heute etablierte Denunziantentum, AO § 30a, durch ein solches Instrumentarium ergänzt wird.

    Noch nie wurden Gesetze, erlassen um einen Notstand zu bekämpfen später revidiert oder gar außer Kraft gesetzt; die Formulierung dies hier nach 5 Jahren zu vollziehen ist das Papier nicht wert, auf welchem sie geschrieben ist, aber auch Beweis der schwindenden parlamentarischen Kontrollfunktion, wo immer mehr der Kroll Oper gleich nur genickt wird und Gewissen eine Belastung darzustellen scheint.

    Wir werden Zeuge, wie das Grundgesetz und damit das Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern seiner Schutzfunktion beraubt wird und seine Drohfunktion eine nie geahnte Dimension erfährt. Die Hinwirkung des Staates, seine Abwehr auf einen vermuteten Feind im Inneren zu richten, also auch den Unbequemen, den Kritiker und mundtot zu machen tritt immer deutlicher in den Vordergrund, da die Gründe für die Schaffung eines solchen Instrumentariums politisch so lange "am Leben gehalten werden", wie dies für erforderlich geachtet wird.
    Die zurück gedrängte Freiheit wird durch solche Instrumente radikaler werden - und damit nachträgliche (vermeintliche) Rechtfertigung liefern, wie dies schon einmal der Fall gewesen ist. Wenn man bedenkt das der Vorgänger BMI mit einer Verordnung quasi schon einmal versucht hat die Grenzen auszuloten, die konsequenlose Aushebelung Gestalt annahm, muss man sich nicht wundern wenn die Abgeordneten, gleich welcher Fraktion angehörend wider besseres Wissen und gegen die eigenen Programme solche Gesetze erlauben.

    Man darf nur hoffen dass Herr Baum und Andere in der Begründung ihrer Verfassungsbeschwerde gründlich genug arbeiten um die Täter für diese Vergewaltigung des Grundgesetzes identifizierbar zu machen - um sie nachträglich zur Rechenschaft ziehen zu können.

    Non omne quod licet honestum est.

  2. Wenn jemals Gewissensentscheidungen für Abgeordnete erforderlich waren, dann hier:

    Hier könntet Ihr Geschichte schreiben und zu Helden werden, wenn Ihr NEIN zu diesem Ermächtigungsgesetz sagt!

    Leider waren es bisher nur die Verfassungsrichter, die Verfassungstreue bewiesen haben....

  3. Wer braucht denn dieses Gesetz eigentlich und wozu?

    Wegen der Terrorgefahr? Das kann eigentlich nur ein Witz sein.

    In Europa hätte es ohne Mitwirkung sogenannter "Stay-Behind-Armeen" die unter der Mitwirkung der CIA rekrutiert wurden, kaum Terror gegeben. Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass ein großer Teil der in den letzten Jahrzehnten verübten Terroranschläge auf das Konto dieser Geheimarmeen geht, die unter dem Decknamen" operation gladio
    Terroranschläge in ganz Europa verübten, um diese linksgerichteten Parteien oder Gruppen in die Schuhe zu schieben.

    Und was 9/11 betrifft:
    Es mehren sich immer mehr Hinweise darauf, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.
    So waren ein Teil der Attentäter den Geheimdiensten schon längst bekannt, trotzdem wurde gegen sie nichts unternommen.
    Am fraglichen Tag wurde trotz verschiedener Warnungen das Sicherheitspersonal am Flughafen reduziert. Außerdem ist es schier unmöglich, dass der Flugaufsichtsbehörde unbemerkt auch nur ein einziges Flugzeug einfach von der vorgegebenen Strecke abweichen konnte, an 9/11 sollen es (angeblich) vier gewesen sein.

    George Bush hat sich, nachdem immer mehr Ungereimtheiten auftauchten geweigert, allein und unter Eid und öffentlich auszusagen, Dick Cheney musste zum Anhörungstermin mitkommen.

    Weiterhin wird von vielen Profis gesagt, es sei unmöglich, die Flugzeuge mit einer derartigen Präzision in die Hochhäuser zu steuern, erst recht, da die mutmaßlichen Attentäter gerade mal eine Ausbildung abgeschlossen hatten, daher ist stark anzunehmen, dass die Flugzeuge ferngesteuert wurden.

    Zudem hätten beide Gebäude gar nicht einstürzen dürfen, und schon gar nicht auf eine Art und Weise, die eine Ingeniermäßige Meisterleistung einer kontrollierten Sprengung nahelegt.

    Das dritte Hochhaus ( Gebäude 7 ) hätte überhaupt nicht einstürzen dürfen, da es nicht von einem Flugzeug getroffen worden war.

    Und so weiter. Ich empfehle die Filme loose change oder Unter falscher Flagge oder 9/11 Truth Rising

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    Bürger, sei wachsam!

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    unter falscher Flagge:

    http://video.google.de/vi...

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    • keox
    • 11.11.2008 um 17:41 Uhr

    alles andere hilft nix.

    • Rudman
    • 12.11.2008 um 9:25 Uhr

    So fanden FDP, Grüne und Linkspartei es völlig unzureichend, Journalisten, Rechtsanwälten und Ärzten nur ein eingeschränktes Zeugnisverweigerungsrecht zuzugestehen und nur Strafverteidigern, Geistlichen und Abgeordneten den vollen Informantenschutz.

    Da halt sich doch einer fest. Das man als Staatsbürger nun nicht einmal mehr auf das ärztliche Schweigerecht vertrauen kann ist schon mal einer der groteskesten Neuerungen die dieses "Gesetz" beinhaltet. Das BKA interessiert sich natürlich mit aller Macht, wann ein allgemein praktizierender "Weißkittelsklave" wieder einmal die falschen Mittelchen verschreibt die dann natürlich gegen das BmG verstoßen. Das ein Rechtsanwalt natürlich seinen Mandaten nur noch mit Metaphern und Memozettelchen informieren kann wie und warum in welchem Umfang in dem Verfahren des Mandanten agiert werden könnte, damit bei einer "erleichterten Informationsbeschaffung" des BKA natürlich bei Terroristen, oder Terrorismusverdächtigten sofort zugeschlagen werden kann.. Da aber die wirklichen Terroristen, jene die das deutsche Volk massivst bedrohen und deren Existenzen mit frivolen Spielereien riskieren, geschützt werden durch das gleiche Gesetz, nämlich die netten Herren Politbonzen sich schützen lassen, um natürlich unantastbar zu sein ist doch die größte Frechheit.. Aber immerhin animiert es uns, das Volk wieder öfter in die Kirche zu gehen, denn solange die Geistlichen den vollen Informationsschutz erhalten, kann man dann ja da seine Intrigen planen, die neuesten Gerüchte verbreiten und "Anschläge planen" (weil ja der Terrorismus laut deutscher Definition ja auch nur aus religiösen Fanatikerkreisen kommt, sichert man die mit ab.. -.-)

    Oh und all jene Zeit-Online Kommentatoren, seit gewarnt, ab nächster Woche wird dann euch euer PC direkt durchsucht, da ihr euch mit politischen Äußerungen sowieso zu grundverdächtigen gemacht habt und auch in zukunft machen werdet. Lasst und alle fröhlich sein, wenn das BKA uns alle in die "politischer Fehlläufer"-Gefängnisse steckt..

    Oh armes Land, nun steckst du bis zum Hals in Fäkalien und gedenkst nun letztlich auch noch den Kopf hängen zu lassen..

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    "Wenn Dummheit rollen würde, müsste man so manchen den Berg hoch bremsen.. .."

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