Radikal und rücksichtslos rechnete Rolf Dieter Brinkmann mit der Gesellschaft und Literatur der BRD  in den Sechzigern und Siebzigern ab. Er kollidierte nicht nur mit dem Literaturbetrieb und dem Generationsstil seiner Zeit: Brinkmann wurde zum Außenseiter, der ebenso faszinierte wie abschreckte. Vielen geriet er zum Vorbild.

Der Künstler und Universitätsprofessor Karl-Eckhard Carius möchte ihm nun mit einer Skulptur ein Denkmal setzen –  in Vechta, Brinkmanns hassgeliebten Heimatstadt. Zudem gab Carius jetzt das Buch Schnitte im Atemschutz heraus, in dem Weggefährten und Freunde ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Schriftsteller schildern.

In kurzer Zeit veröffentlichte der 1940 geborene Brinkmann einen Großteil seines Werks. "7 Gedichtbände, 2 Erzählungsbände, ein Roman, zwei Übersetzungen aus dem Amerikanischen, 2 Anthologien, 3 Hörspiele. Das macht 17 größere Arbeiten in 8 Jahren, und davon kann ich nicht leben.", sagte er. Sowohl mit seinen Gedichte als auch mit seinem einzigen Roman Keiner weiß mehr leistete er formal und inhaltlich Bahnbrechendes.

Die nach seinem Unfalltod veröffentlichten Text/Bild-Collagen-Bände  (Der Film in Worten, Schnitte, Rom, Blicke und das Tagebuch Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand) definierten die Begriffe "visuelle Poesie" und "Roman" neu. Noch vor der Veröffentlichung des Gedichtbandes Westwärts I & II wurde er im April 1975 in London überfahren und starb.

Carius' 190-seitiger Band aktualisiert die Diskussion über die Ausnahmeerscheinung im deutschen Literaturbetrieb. Namhafte Wegbegleiter und Kollegen berichten von ihren Erfahrungen. Peter Handke beschreibt Brinkmann in einem Brief an den Herausgeber wie folgt: "... der Mensch so wegweisend, sozusagen parallel zu gewissen Ästen vor einem großen Himmel, seine Sprach-Ansätze und Schwünge. Von tief innen bis ganz außen, das war  sein Wörterweg ...".

"Ich bin nicht an Methoden interessiert. Ich bin am Experiment meiner Wahrnehmung interessiert" war eines von Brinkmanns Leitmotiven, das "Fühlen des Schmerzes" und dessen Vermittlung ein weiteres. Bazon Brock schreibt in seinem Text über die Ära Brinkmanns: "Künstler war, wer seine Defekte zur Quelle der Kreativität werden ließ".