Wir bräuchten einen Boris Becker
Drei Jahre hat sich das deutsche Team intensiv auf die Schach-Olympiade vorbereitet. In Turnieren, Seminaren und Trainingslagern wurden sämtliche Spieler von jeweils zwei Trainern geschult. Das Team glaubte sogar, in den Tiefen der Nimzo-Indischen Verteidigung eine Neuerung gefunden zu haben. Bei der WM überraschte Anand seinen Kontrahenten mit einer ähnlichen Variante und gewann zwei Mal mit Schwarz gegen Kramnik. Die Nimzo-Indische Verteidigung der Deutschen hatte dann der Deutsch-Russe Igor Khenkin schon vor ein paar Wochen auf dem Brett. Er gewann dank der Neuerung gegen Judit Polgar, die weltbeste Frau im Schach. „Ich freu mich für Igor“, sagt Bönsch. „Aber die Variante ist nun leider bekannt“.
Zumindest sind die Deutschen „Weltmeister im Organisieren“, gibt Horst Metzing zu und verweist auf die optimalen Bedingungen dieser Schach-Olympiade. Immerhin werde an 150 Tischen gleichzeitig gespielt, mit mehr als 2000 Teilnehmern aus 152 Ländern. Ein reibungsloser Ablauf eines Großturniers ist auch in der Geschichte der Schacholympiaden nicht selbstverständlich. In Buenos Aires spielte man 1978 im Fußball-Stadion von River-Plate in den Gängen unterhalb der Tribüne. Es waren schlauchartige, bogenförmige Gänge, 15 Meter breit, 2,50 Meter hoch und etwa einen halben Kilometer lang. Tausende, meist rauchende Zuschauer, eine Klimaanlage mit Dieselmotoren und ein Schießplatz der Armee in unmittelbarer Nähe sorgten für extreme Bedingungen. Die 13. Runde startete unmittelbar vor einem Fußballspiel. Die Organisatoren hatten nicht bedacht, dass Tausende von Fans schon Stunden vor Spielbeginn das Stadion bevölkern würden.
- Datum 13.11.2008 - 08:57 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wir bräuchten einen "Boris Becker des Wissens" (sofern das nicht ein Widerspruch in sich ist).
Vor allem müssen wir endlich lernen, Sport nicht wichtiger zu nehmen als er ist.
... der einmal bemerkte:
"Neben den Anstrengungen der Werbewirtschaft ist Schach die größte Verschwendung menschlicher Intelligenz."
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