Schulstreik
"Sonst zahlen wir eure Rente nicht"
Tausende Schüler gehen bundesweit für eine bessere Bildung auf die Straße. Die Forderungen sind zum Teil etwas diffus, aber das Engagement ist groß. Mancherorts zu groß
Die Schüler, die an diesem Mittwoch in vielen Städten dem Unterricht fernbleiben, haben ihre Hausaufgaben gemacht. Sie wissen, weshalb sie durch die Innenstädte ziehen, Transparente in die Höhe halten, "Bildung" skandieren. Sie fordern "Bildung für alle", "bessere Ausstattung an Schulen" und "kleinere Klassenzimmer". Von "null Bock auf Schule" ist keine Rede.
Allein in Hamburg trafen sich 6000 Schüler, um ihrem Unmut Luft zu machen. In Berlin sprachen die Veranstalter von 10.000 Teilnehmern. In München, Stuttgart und Kiel gingen trotz der Androhung von Strafen jeweils bis zu 5000 Schüler auf die Straße. Die Schüler-Initiative "Bildungsblockaden einreißen" nannte die Gesamtzahl von 80.000 Teilnehmern in 30 Städten.
"Dass es so viele sein werden, hätte ich nicht gedacht", sagt Linda vom Streikkomitee in Hamburg. Sie steht vor dem Hauptbahnhof und blickt ein wenig ungläubig in die Menge. Von allen Seiten strömen immer mehr Schüler auf den Bahnhofsvorplatz. Sie halten Transparente in die Höhe, stimmen Sprechchöre an: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.“ Linda glaubt, es wären wohl noch viel mehr gekommen, hätten manche Schulleitungen nicht gegen die Demonstration mobilgemacht.
So hat etwa Bremens Schulsenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) im Vorfeld darauf hingewiesen, dass Schüler zwar ein Demonstrations-, aber kein Streikrecht hätten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die bundesweiten Schülerproteste dahingegen begrüßt. Schüler wie Lehrer benötigten "gute Schulen und gute Lernbedingungen", sagte die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer. Sie appellierte an Bildungsministerien und Schulleitungen, keine Strafen gegen die streikenden Schüler zu verhängen.
In Hessen unterstützte der Elternbund den Boykott: Das mehrgliedrige Schulsystem sei ein Grund für die Benachteiligung sozial schwacher und bildungsferner Teile der Gesellschaft, hieß es zur Begründung.
Doch nicht alle Eltern standen hinter ihren demonstrierenden Kindern. Johanna, Ebru und Mona von der Gesamtschule Lohbrügge in Hamburg etwa berichten von einem Schreiben des Elternrats, in dem vor einer Teilnahme am Streik abgeraten wurde. Sie sind dennoch gekommen. "Wir haben viel über den Streik diskutiert", sagt die 13-jährige Mona. Sie wollen eine leistbare Bildung und wieder neun statt wie jetzt nur noch acht Jahre auf dem Gymnasium. Viele berichten von starkem Stress, keiner Freizeit und viel zu großen Klassen.
- Datum 13.11.2008 - 13:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Randale von Linksextremisten an der Humboldt-Uni zeigt leider auch, wer den "Schülerstreik" für sich benutzt ...
"(...) Der Sozialismus-Verdacht stützt sich vor allem auf Internet-Seiten, auf denen der Protest koordiniert wird. Zwar sind es in allen Bundesländern Schul- und Klassensprecher aus den Landesschülervertretungen, die zum Streik aufrufen, aber als Verantwortliche sind auf den Websites diverse Namen und Organisationen angegeben. Die bundesweite Info-Seite www.schulaction.org ist registriert auf einen Studenten aus Berlin, der sich in der "Sozialistischen Alternative" engagiert, einer Organisation, die "die Diktatur der Konzerne überwinden" will, wie es auf der Homepage heißt.
http://www.spiegel.de/sch...
...dass es einige "organisatorische Hilfestellungen" und vielleicht auch Versuche propagandistischer Beeinflussung von erwachsener und politisch interessierter Seite gegeben haben könnte.
Aber, hätten wirklich soviele Kinder an den Protesten teilgenommen, teils selbst gegen Empfehlungen der Eltern und in der Regel wohl auch um des Preises Willen, Unterricht zu versäumen? Klar, Demonstrationen werden von einigen auch gerne mal zum Vorwand genommen, um sich von verhassten Unterrichtseinheiten absetzen zu können. Allerdings werden die unbedachten Schwänzer dann wohl eher nach Hause gehen und sich dort unpolitischem Zeitvertreib widmen, statt weiter zu den Demonstrationen zu ziehen. Gerade, wenn es ein reiner Schülerprotest ohne Aufsicht von Lehrerverbänden ist, wie es hier ja wohl der Fall gewesen war.
Also sollte man, nimmt man die Schüler ernst, und das sollte man in diesem Fall tun, ihre Bemühungen um bessere Bildung schon unterstützen und vor allem auch ihre Kritikpunkte im Detail ernstnehmen - egal wo man selbst politisch steht.
Mag ja sein, das mit der Instrumentalisierung, und es ist ja auch einiges kaputt gegangen.
Was ist aber sonst kaputt gegangen?
500 Milliarden für eine Finanzkrise, bei der vielmillionenmalmehr etwas kaputt gemacht wurde und was sonst noch alles im Kapitalismus kaputt gemacht wurde, das spottet jeder Beschreibung:
1 Milliarde zur Rettung von OPEL, 2,5 Milliarden wegen Korruption bei Siemens und wie viel hat Schrempp bei Daimler kaputt gemacht usw. usw.
Bildung ist die Zukunft, das sagen alle, es passiert aber kaum Positives und G8 wurde so dillettantisch eingeführt, dass eine entsprechende Firma schon längst pleite wäre.
Wo ist also das Problem?
Vorbei sind die Jahre, wo man sich auf dieser so beliebten Hypothese einer angepassten und wertekonservativen Jugend mit jahrelang verschleppten Reformen gemütlich machen konnte. Jetzt fordern die Schüler eine Selbstverständlichkeit und schon war die Suche nach Rädelsführern wieder mal "erfolgreich". Damit wird weder das Problem gelöst noch werden sich die jungen Leute damit beruhigen lassen. Die Sorgen mögen jetzt noch so plakativ und allgemein formuliert geäußert sein. Das Problem bleibt und ist eine Herausforderung für alle, für Bildung nicht nur ein wichtiges Gut ist. Wir bewegen uns schon länger nicht mehr in dieser weltwirtschaftlichen Komfortzone, wo verschlafene Innovationen ohne Folgen bleiben.
Natürlich habt ihr das Recht zu streiken.
Ihr sollt später Renten zahlen, werdet aber nur unterdurchschnittlich ausgebildet, ihr müsst euren Kopf hinhalten für Staatsschulden, für ungeheure Pensionsverpflichtungen an Beamte, auch Lehrer, Geld, das durch euch erwitschaftet werden muss, und noch nicht einmal ist man in der Lage, euch Cosinus und Sinus beizubringen, den Zinseszins.
Welcher Englischlehrer kennt den Cosinus von 90 Grad, welcher Politiker, ihr aber sollt es wissen, so jung.
Streikt, ich wiederhole: streikt für bessere Ausbildung, für solche Aufrufe lasse ich mich sogar ins Gefängnis stecken.
Gerhard Stenkamp
...irgendwann musste es kommen, das stammtischinfizierte Beamtenbashing. Wie sinnfrei in diesem Zusammenhang. Aber irgendwie muss es ja reingepresst werden. Was ist eigentlich mit den angestellten Lehrern? Sind das die Guten? Oder sind Lehrer per se das personifizierte Böse? Und wenn ja, warum hört man von Schülerseite eigentlich so auffällig wenig über den Satan in Gestalt des Lernprozessbegleitpersonals, zu dem Lehrer heute hinabgestuft werden? Offensichtlich haben Schüler viel mehr als der Stammtisch ein feines Gespür dafür, dass Lehrer und Schüler letztlich im gleichen Boot sitzen und den miserablen Arbeitsbedingungen vor Ort gleichermaßen ausgesetzt sind.
Als Student der Humboldt-Universität durfte/musste ich heute die "Demonstration" der Bildungsfordernden beobachten und begleiten.
Wie kann man bei so einer Demonstration von einem Erfolg reden. Anfangs hatte sie noch etwas Vereinendes. Schüler verschiedenster Milieus forderten gemeinsam ihr Recht auf Bildung ein, doch leider waren es viel zu wenige, zumindest in Berlin. 5000 ist mehr oder weniger eine nahezu erbärmliche Zahl, die für mich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen kann. Je weiter der Marsch voranschritt, desto übersichtlicher wurde die Kundgebung.
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt stellte für mich die Überrepräsentation linksradikaler bzw. linksradikaler Organistationen nahestehender Gruppen dar. Ich glaube nicht das der Bildungsumbruch, den dieses Land zweifellos braucht, durch Engagement linker und schon gar nicht rechter Akteure erreicht werden kann, sondern nur durch einen soziale Schichten überwindenden Konsens. Dieser konnte am heutigen Tage nicht erkannt werden.
Als beim Sturm auf das Hauptgebäude der Humboldt Universität eine Ausstellung zu jüdischen Unternehmen in Berlin während der NS-Zeit erheblich beschädigt wurde, begann das Szenario auf mich absurd zu wirken. Viele derjenigen, die das Gebäude stürmten, trugen Aufkleber oder Fahnen der Antifa. Da fragt man sich, ist das jetzt Kapitalismuskritik oder haben einige der Damen und Herren vergessen, wofür das Akronym steht.
Anscheinend fehlte ihnen dazu die nötige Bildung. Das kommt ja öfters vor bei politischen Aktivisten...
Streik für Bildung?!? was ist das denn eigentlich?
Kann man für etwas streiken? Meines Wissens kann man nur gegen etwas streiken und für etwas allenfalls demonstrieren. Streik hat somit im eigentlichen Sinne wirklich nichts im Schulbereich zu Suchen, nicht weil man Schüler diesbezüglich bevormunden müsste, nein. Sondern weil eine deratige protesthafte "Lern-Niederlegung" schlicht Schwachsinn ist. Sozusagen im höchsten Maße Kontraproduktiv, es entbehrt per se jeder Logik, das Böse mit bösem an sich selbst zu vergelten.
Somit bleibt die Frage, warum reicht eine ordentliche Demonstration nicht aus? Klar, mit einem Streik lässt sich viel einfacher diffuses Anarcho-Potential mobilisieren, was wesentlich zum kurzlebigen Knalleffekt auch dieses Streiks beiträgt.
Oder, was viel schlimmer wäre: ist es mit der Bildungsnot schon so weit, dass Schüler tatsächlich nicht mehr in der Lage sind, selbständig politische Begriffe zu unterscheiden?
Ich hoffe inständig Ersteres
"Meines Wissens kann man nur gegen etwas streiken und für etwas allenfalls demonstrieren. "
Die Arbeiter im ausgehenden 19. Jh. hatten keine Schwierigkeiten für Krankengeld, Altersversorgung und bessere Arbeitsbedingungen zu streiken.
Schön wäre es gewesen wenn Lehrer, Eltern und Ausbilder aus Industrie und Handwerk auch mitgestreikt hätten. Die sind nämlich auf lange Sicht nämlich genauso von diesem Relikt aus der Kaiserzeit betroffen, welches sich "Bildungssystem" nennt.
Die armen Schüler, sie wollen kleinere Klassen und schon kommt ein Lord und schimpft auf den Kaiser. Durch Instrumentalisierung erweist man der Sache einen Bärendienst.
Herzlichen Glückwunsch, die Schüler, beziehungsweise Demonstrationsauffüller, haben mich überzeugt! Sie brauchen tatsächlich mehr Bildung.Vielleicht verstehen sie dann auch, dass man Texte lesen kann und sie nicht verbrennen braucht. Allerdings bezweifel ich bei denjenigen, die am lautesten Brüllen, dass sie tatsächlich an Bildung interessiert wären. Mitleid habe ich mit denen, die solche Ausstellungen in der Berliner Uni gerne lesen würden, nicht mit denen, die sie nur verbrennen wollen und dazu brüllen "Antikapitalista". Wieder einmal ein Fall, wo Idioten eine eigentlich angebrachte Demonstration versauen, weil sie Lust haben "gegen das System" zu leben, von dem sie leben...
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