DFB-Präsident Zwanziger "Ich bin kein Volksverhetzer"Seite 4/4
ZEIT ONLINE: Sportjournalisten tun sich ohnehin nicht als besonders harte Kritiker hervor.
Zwanziger: Sport ist ja auch keine Politik. Im Sport geht es mehr um Emotionen, auch bei den Journalisten. Meist geht es um Erfolg oder Misserfolg. Natürlich auch um sportpolitische Entscheidungen oder für uns als Verband um die gesellschaftliche Positionierung. Und was die Finanzen betrifft: Wir vom DFB können keine Steuermittel sachwidrig verwenden oder verteilen, weil wir keine bekommen. Die Politik muss dagegen immer den Einsatz von Steuergeldern rechtfertigen.
ZEIT ONLINE: Jetzt spielen Sie aber die Macht des DFB herunter. Was ist mit WM-Stadien zum Beispiel? Jüngst hat es Aufregung darüber gegeben, weil die Stadt Sinsheim den Zuschlag für die Frauen-WM 2011 erhalten hat. Dabei wird das Stadion derzeit noch gebaut, Bauherr ist Dietmar Hopp. Nun kursiert der Vorwurf, der DFB erweise Sinsheim deshalb die Gunst, weil der Sohn des Präsidenten, Ralf Zwanziger, im Arbeitsverhältnis mit Hopp steht.
Zwanziger: Das Entscheidende war sicher nicht, dass mein Sohn dort arbeitet. Schauen Sie einfach mal auf die Landkarte Deutschlands! Und wenn wir Sinsheim vom WM-Plan wegnehmen würden, hätten wir im Südwesten einen großen weißen Fleck. Doch wir wollen die WM ins ganze Land tragen. Das hat also nichts mit meinem Sohn zu tun. In unserer Gesellschaft wird manches ungerecht beurteilt. Warum eigentlich diese Unterstellung?
ZEIT ONLINE: Die Leute wissen eben, dass Blut dicker als Wasser und Vetternwirtschat ein verbreitetes Phänomen ist.
Zwanziger: Aber in diesem Fall liegt das wirklich anders. Die Frage ist doch: Sollten wir sachwidrige Entscheidungen treffen, nur um einem möglichen Vorwurf aus dem Weg zu gehen? Das würde ja bedeuten, dass wir in Sinsheim gar nichts machen dürften. Wir haben im DFB-Präsidium nach klaren regionalen Kriterien eine ausgewogene Entscheidung getroffen. Der Süden ist der größte Regionalverband des DFB und erhielt deshalb den Zuschlag für drei WM-Städte: einmal Bayern, einmal Hessen und einmal Baden-Württemberg mit Sinsheim – jeder der drei Landesverbände wurde damit berücksichtigt. Deshalb wäre Sinsheim im Süden mit oder ohne meinen Sohn Ralf dabei gewesen. Und Magdeburg, dessen „Aussortierung“ einige beklagen, liegt zu nahe an Wolfsburg. An Wolfsburg, das übrigens eine Frauen-Bundesligamannschaft hat, kamen wir aber nicht vorbei, weil es der einzige Bewerber aus dem Norden war. So fiel die Entscheidung für die einzige WM-Stadt im Nordosten zugunsten von Dresden. Allerdings ist auch noch zu bedenken, dass das Eröffnungsspiel in Berlin stattfindet. Außerdem glaube ich, dass Herr Hopp meinen Sohn nicht kennt, wenn er ihm begegnet.
Das Gespräch führte Oliver Fritsch.
Lesen und kommentieren Sie auch Teil 1 des Interviews: Theo Zwanziger gesteht, dass es ein Fehler war, Konflikte der Nationalelf in der Öffentlichkeit auszutragen.
- Datum 04.09.2009 - 15:49 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 06.11.2008
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Nach den besonderen Erfahrungen, die in Deutschland mit Volksverhetzung, als Instrument der Massen-Mobilisierung, gemacht wurden, ist eine Sensibilisierung zu begrüßen.
Es sollten sich viel mehr Menschen zur Wehr setzen gegen derart undifferenzierte Anwürfe und Beleidigungen, unsere Gesetze bilden dafür die Grundlage (auch wenn der Angegriffene nicht immer erfolgreich sein wird, u.a. auch weil Richtern diese "Bagatellen" offenbar lästig sind ...).
Nach einer TV-Sendung über Homophobie im Deutschen Profi-Fussball und den sehr qualifizierten und sympathischen Aussagen von Theo Zwanziger: "Werde jedem Profi-Fussballer, der sich outet jede erdenkliche Unterstützung gewähren", "ich werde den Abbau von Homophobie innerhalb des Profi-Fussballs energisch vorantreiben" usw. ist mir Herr Zwanziger sehr sympathisch geworden und ich wünsche ihm für seinen Kampf gegen Diffamierung viel Glück. Herr Zwanziger, Sie haben recht! Wehret den Anfängen!
Gruss
Knüppel
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Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
"Ich bin 1945 geboren und habe meinen Vater im Krieg verloren. Wenn man eine solche Vita hat und außerdem, wie ich, in Yad Vashem war"
was ist das denn für eine argumentation? daraus folgt ja nun genau gar nichts.
vertreter _aller_ anschauungen, wie akzeptabel oder inakzeptabel auch immer, werden wohl 1945 geboren sein (was ist daran überhaupt erwähnenswert?) und den vater im krieg verloren haben.
und yad va shem ist ja nun pflichtprogramm für praktisch jeden (prominenteren) israel-besucher.
"Daraufhin habe ich im Duden nachgeschlagen"
und dieses permanente rumreiten auf dem duden ist ja offenbar nur darin begründet, dass der das einzige nachschlagewerk ist, der zwanzigers eindimensionale deutung belegt -- es drängt sich der eindruck auf, dass lange gesucht wurde, um einen zeugen zur untermauerung der "kommunikationsherrschaft" zu finden. dieses wort alleine schon ist so verräterisch ...
Ich halte die Beziehung zwischen dem Wort "Demagoge" und Goebbels für sehr weit hergeholt. Das Wort Demagoge gab es lange vorher und wird es auch noch lange geben. In Wikipedia steht z.B. eine Definition, die wesentlich differenzierter ist als die Totschlagargumentation von Herrn Zwanzigers Anwalt. Der betreibt eine ganz miese Methode, missliebige Leute in die braune Ecke zu stellen, wie es leider gegenwärtig Mode geworden ist. Das liegt wohl daran, dass die meisten der leute, die das betreiben, vom III. Reich keinen blassen Schimmer mehr haben, denn sonst sollte es der pure Anstand verbieten, aus dieser schrecklichen Zeit immer wieder Zutaten für ihre trüben Süppchen zu holen, von denen, so gewürzt, Verwesungsgeruch aufsteigt.
Und von einem Präsidenten eines so großen und einflussreichen Clubs hätte ich so viel Bildung erwartet, dass er nicht in einem Lexikon nachschlagen muss, um anschließend beleidigt zu sein.
Demagoge kann man auch in einem Kleingartenverein sein oder in einem Modellbahnclub, das hat mit Politik, dazu noch mit brauner, nicht mehr als mit allem anderen zu tun.
Andererseits finde ich es auch peinlich, wenn Journalisten sich solcher Begriffe überhaupt bedienen. Das soll auch nicht unerwähnt bleiben.
Friedrich Alte
Erst einmal ein grosses Lob an die Zeit, so offen zu kommunizieren und sogar auf Jens Weinreichs Blog zu verweisen.
Zum Interview:
Hat Herr Zwanziger wirklich "Ich bin kein Prozesshansel, ich kann Kritik einstecken." gesagt, um dann als einzige Argumentation zu bringen, der Duden uebersetze Demagoge mit Volksverhetzer (was er nicht tut)?
Freut mich fuer die European Gay & Lesbian Sports Federation, die kønnen das Geld sicher gebrauchen...
Ja, klar hat er das gesagt, Blixten. Es ist ein autorisiertes Interview. Er sei kein Prozesshansel - um dann hinzuzufügen, dass er sich auf den Prozess freue.
Die European Gay & Lespian Sports Federation kann sich schon mal auf eine Spende freuen. Spätestens wenn der zuständige Richter bei seiner Recherche "Demagoge" bei Google eingibt, hat Zwanziger schon verloren.
Vermutlich hat Jens Weinreich einen wunden Punkt getroffen. Eventuell verachtet Theo Zwanziger die Politikerkaste und möchte mit denen nicht verglichen werden? Nachvollziehbar, aber dann müßte er sein Amt ablegen. Denn Politik findet in Firmen, Verbänden und Vereinen statt. Der DFB ist nicht nur ein Sportpolitisches Gebilde, sondern nimmt auch über den Sport hinaus Einfluß auf Wirtschaft und Soziales.
Ein guter Politiker muß demagogisches Talent haben um erfolgreich zu sein. Lehrbeispiele von Demagogie lassen sich jeden Aschermittwoch in diversen Bierzelten finden.
Die Reaktion auf dieses Blog läßt eher vermuten, daß Jens Weinreich einen Volltreffer gelandet hat, den er in dieser Form gar nicht beabsichtigt war.
Zetti
Zwanziger ist ein nobler Mensch und irgendwie viel erträglicher als MVV. Und manches, was er im DFB tut, findet meinen Respekt.
Aber weshalb denkt er an Goebbels? Warum nicht z.B. an Lafontaine oder Dutschke? Warum Goebbels? Weshalb diese Assoziation im eigentlich harmlosen Zusammenhang?
Der Versuch einer Deutung:
Herr Zwanziger steht einer Organisation vor, die permanent die Habsüchteleien einer DFL als im Interesse des "Fussballs", der Amatuerklubs, der Fussballfans, ja als nationales Interesse verkaufen muss. Er muss den Zusammenhang zwischen DFL-eigener Produktionsfirma für Fernsehbilder und Hofjournalimus vernebeln. Er muss so tun, als seien Anstosszeiten im Profifussbal zur sonntaglichen Mittagessenzeit im eigentlichen Interesse der Stadienbesucher und der Fussballamateure und jede Kritik daran abwehren. Er muss Milliardeneinahmen (möglichst steuerfrei und durch Steuermittel aufgebessert) in gemeinnütziges Handeln und/oder Hochkultur umbenennen. Er muss , (frei nach "Wiki") "Sichtweisen formen, Erkenntnisse manipulieren und Verhalten steuern...". Er muss viel Propaganda betreiben. Bei dieser Aufgabenstellung liegt der Gedankensprung zum Propagandaminister nahe. Nur erselbst, kein Mensch sonst würde Herrn Zwanziger mit Herrn Goebbels in Verbindung bringen.
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