Medien
Kleines Einmaleins der Filmkritik
Der Filmemacher Christoph Hochhäusler über die Möglichkeiten und Grenzen, im Internet über Filme zu schreiben. Ein Essay
Ein Rauschen umgibt uns. Ein geduldiger Teppich des Lärms, unter den wir die Welt kehren. Nur was spitz ist, oder nah genug, uns zu treffen, darf hoffen, den Filz des Alltags zu durchstechen. Gemeint sind die Medien, das "Lagerfeuer unserer Zeit". Bilder, Töne, Geschichten, Text. Nachrichten, die auf uns zukommen – brandheiß oder abgekühlt und zugeschnitten für die "Zielgruppe".
Die Frage ist: Helfen sie uns, die Welt zu verstehen? Erreichen sie uns noch, außer als Geräusch?
Hinter jeder medialen Inszenierung muss die Frage stehen: Was ist wirklich? Hinter jedem Lesen: Wahrnehmen. Dieses höchste der Gefühle aber ist per se Ausnahme, Unterbrechung, Erwachen.
Die Regel heißt Routine. Profis machen, was sie am besten können: Abschreiben. Zum Beispiel von der Agenturmeldung. Von Google. Von Walter Benjamin. Aus dem Kulturkalender. Neuer Lack drüber und fertig. Das geht ruck, zuck. Muss es auch.
Es entsteht der Eindruck oberflächlicher Information. Verknüpfungen, die nicht unbedingt falsch sind, aber geschickt von der Tatsache ablenken, dass der Autor nicht weiß, was er sagen möchte. Der Autor füllt nur noch einen vorher festgelegten Platz mit Worten aus. Zeilengeld. Ein Beitrag zum Grundrauschen. Geschäftsmäßig.
Die Routine der Leser, Nutzer, Zuschauer ist nicht weniger ledern. Meistens filtern wir mit halbem Ohr das, was sich sozial verwerten lässt. Mitreden. Soziales Schmiermittel. Ballaststoffe. Austauschbar.
Seit ein paar Jahren gibt es Netzöffentlichkeit, in der sich – so das Vorurteil – schlampig schreiben und schlampig lesen ideal ergänzen. Zahlenmäßig haben die Blogger, Fans, Exhibitionisten, die Selbstberufenen und Ehrenamtlichen die alten Profis längst abgehängt. Das Netzvolk produziert tausendmal mehr content als die bezahlten Schreiber – womöglich mehr, als alles, was je geschrieben wurde zusammen genommen.
Was daraus folgt, ist unklar. Es fehlt nicht an Voraussagen. Vom "Untergang des Abendlandes" bis "Frieden auf Erden" ist alles dabei. Aber als gestern noch heute war, haben wir uns auch schon über das Morgen getäuscht. Lassen wir also das Spekulieren und verengen den Ausschnitt.
Ohne Auftrag schreiben
Ich bin Filmemacher, der durstig auf dem langen Weg zwischen Film und Film 2006 angefangen hat, einen Blog zu betreiben. Parallelfilm heißt es. Ich notiere mir Gedanken, Ideen, berichte von meiner Arbeit und von Aktivitäten anderer. Das alles ohne Zwang, ohne Regelmäßigkeit und ohne ein klares Bewusstsein von einem Gegenüber. Manchmal kommt es zu Berührungen, ein Eintrag zieht Kreise, jedes Mal unerwartet eigentlich. Wenn sich nach besonders schönen Einträgen niemand rührt, schmolle ich und mache lange nichts.
- Datum 5.2.2009 - 14:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Interessanter Essay. Ich denke die meisten, vor allem die allgemeinen Aussagen, kann man auf die Situation der Medien allgemein beziehen. Mir ist in diesem Zusammenhang etwas eingefallen, das ich schon mit mehreren Bekannten diskutiert habe: Gerade das Abschreiben und Umformulieren von Agenturmeldungen ist aus Kostengründen immer mehr in Mode. Schmerzlich vermisst werden dagegen investigative Geschichten und reflektierte eigene Meinungen. Gerade die Zeitungen hätten hier mit ihren Verlagshäusern im Hintergrund die Mittel, sich in diesem Bereich stärker zu engagieren.
Agenturmeldungen sind teilweise im Internet frei verfügbar und stellen keine alleinige Informationsressource nur für Journalisten dar. Besonders wichtig finde ich auch Ihre Feststellung, dass die "Freiwilligen" eine wichtige Arbeit erledigen, dabei aber einen anderen Fokus und auch Hintergrund haben, als professionelle (es haben sollten). Meiner Meinung nach ist diese Arbeitsteilung der Weg, der den Zeitungen einen Weg aus der Krise ebnen könnte. Gerade die nicht leistbare Hintergrundrecherche, der längere Atem, den Freiwillige nicht aufbringen können, in Kombination mit einem wachen Auge kann den Unterschied ausmachen.
Um das noch einmal zusammenzufassen: Ich werde mir keine Zeitung kaufen, die das selbe wiedergibt, das ich gestern schon im Netz gelesen habe. Ich werde mir dagegen mit Sicherheit eine Zeitung kaufen, die Inhalte bietet, die originär sind.
die Filmkritiken von Wolfram Schütte (Frankfurter Rundschau)! Sie waren für mich immer "Pflichtlektüre", gelegentlich habe ich sie kaum verstanden, ließ mich aber nicht entmutigen und habe sie dann einfach noch einmal gelesen.
Diese, intellektuell auf höchstem Niveau verfassten, Film-Besprechungen haben mir zu manchem unvergesslichen Kinobesuch verholfen. Einen Ersatz für Schütte (der leider verstorben ist) habe ich nie wieder gefunden.
Was ich von einer Filmkritik erwarte (erwarten darf):
1.) Dass der Kritiker den Film tatsächlich gesehen (und verstanden!) hat,
2.) dass Kritik und Lob nachvollziehbar begründet sind,
3.) dass die Handlung zwar beschrieben, die Spannung aber nicht genommen wird,
4.) dass erwähnt wird, wenn es sich um eine Romanverfilmung handelt,
5.) dass Regisseur und DarstellerInnen kurz vorgestellt und bewertet werden,
6.) dass die Wertung (Lob oder Ablehnung) des Films für mich nachvollziehbar ist.
Zu viel verlangt? Kann man/frau nicht von jedem erwarten, dass er in seinem jeweiligen Job Qualität abliefert? Oder bin ích evtl. zu anspruchsvoll? Mag sein!
Gruss und schönes Wochenende!
Knüppel
Im Titel-Magazin veröffentlicht er regelmäßig feuilletonistische Texte.
Hier sein Autorenprofil.
Im Titel-Magazin veröffentlicht er regelmäßig feuilletonistische Texte.
Hier sein Autorenprofil.
Das ist mir jetzt aber wirklich peinlich. Ich habe noch ausführlich zusammen mit meinem Freund überlegt, wie das damals war ... und wir waren beide absolut sicher: "Der Mann ist verstorben."
Wolfram Schütte, ich wünsche Ihnen selbstverständlich ein langes, glückliches Leben!
Danke slothrop, für den Link!!!
Gruss
Knüppel
Das ist mir jetzt aber wirklich peinlich. Ich habe noch ausführlich zusammen mit meinem Freund überlegt, wie das damals war ... und wir waren beide absolut sicher: "Der Mann ist verstorben."
Wolfram Schütte, ich wünsche Ihnen selbstverständlich ein langes, glückliches Leben!
Danke slothrop, für den Link!!!
Gruss
Knüppel
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