Unter den Kritikern sind Bauern- und Entwicklungsorganisationen. Die Erhöhung der Milchquote um ein Prozent jährlich über die kommenden fünf Jahre hinweg drücke die Erzeugerpreise in Deutschland und gefährde so das Überleben vieler Milchbauern, sagte Marita Wiggerthale, Agrar-Expertin bei Oxfam Deutschland.

Bernd Voß, Milchbauer und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) nannte die neue Regelung "katastrophal für die Milchbauern". Die Erhöhung der Milchquote sei "das völlig falsche Signal", sagte auch Romuald Schaber, der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). "Die Milchpreise sind im freien Fall." Die Ankündigung einer weiteren Erhöhung werde die Lage sicher nicht verbessern.

Die Verbände befürchten darüber hinaus, dass die Reform die Existenz von Landwirten in vielen Entwicklungsländern gefährden könnte, die gegen die unfaire Konkurrenz der subventionierten Milch- und Butter-Exporte aus der EU keine Chance haben. "Statt sich auf den größten Binnenmarkt der Welt - die EU - zu konzentrieren, wird weiterhin auf Export-Dumping in Entwicklungsländer gesetzt", kritisierte Mute Schimpf vom Hilfswerk Misereor.

"Angesichts der wachsenden Zahl von Hungernden wäre es eigentlich notwendig, die internationalen Agrarpreise zu stabilisieren, damit gerade Kleinbauern ihre Produktion nachhaltig steigern können. Mit ihren Beschlüssen zum Milchmarkt tut die EU genau das Gegenteil", sagte Tobias Reichert von der Organisation Germanwatch. Letztlich werde das Recht auf Nahrung vieler Milchbauern in afrikanischen Ländern massiv gefährdet, so Armin Paasch von der Menschenrechtsorganisation FIAN.

Die Organisationen sind sich einig, dass auch in Zukunft rationalisierte Großbetriebe am stärksten von der EU-Agrarpolitik profitieren. Germanwatch, FIAN, Misereor und AbL kritisierten Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner: Vorrang habe für die Bundesregierung die Verteidigung der agrarindustriellen Interessen. Weder habe sie sich für ein definitives Ende von Exportsubventionen noch für eine flexible Milchmengenregulierung nach 2015 eingesetzt.