Da staunt der Chef Heimliche ÜberstundenSeite 2/2
Über Ihre Mehrarbeit sollten Sie stets genau Buch führen. Denn kommt es zum Streit mit Ihrem Chef, sind allein Sie in der Beweispflicht. Auch sollten Sie sich die Überstunden regelmäßig von Ihrem Vorgesetzten bestätigen lassen. Damit lässt sich Streit darüber vermeiden, ob er die Überstunden überhaupt wollte oder ob er davon wusste. Formal juristisch genügt es zwar, wenn der Chef von den Überstunden Kenntnis hat und sie zulässt. Aber auch dies müssen Sie am Ende hieb- und stichfest beweisen können.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Mehrarbeit zu vergüten. Einige Arbeitgeber verhandeln mit ihren Mitarbeitern konkrete Überstundensätze. Andere vereinbaren – insbesondere für außertarifliche Mitarbeiter – bestimmte Überstundenrahmen, die durch das normale Gehalt gedeckt sind. Dies geschieht meist durch eine Zusatzklausel im Arbeitsvertrag. Aber auch ein Freizeitausgleich für Überstunden ist möglich.
Existiert gar keine Regelung, haben Arbeitnehmer für Mehrarbeit mindestens Anspruch auf die normalen Stundenlöhne. Nur leitende Angestellte müssen ohne spezielle Vereinbarungen Überstunden im Rahmen ihres regulären Gehalts akzeptieren.
Ihr Ulf Weigelt
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- Datum 13.05.2009 - 15:56 Uhr
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In Praxis scheitern die gesetzlichen Vorschriften zumindest in kleinere Betrieben daran, dass sie a) niemand kennt (einschließlich des Chefs), es b) eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit gibt, den Job zu erledigen, egal wann und wie lange, c) jeder Versuch, geregelte Verhältnisse einzufordern, Gesichtsausdrücke und Kommentare hervoruft, die deutlich machen, das man mit diesen Ideen seinen Job nicht mehr lange behalten wird (und dann was? Die anderen machen es genauso!) und d) die Chefs durch kleine Bonbons wie Betriebsausflüge, freitagnachmitags Prosecco etc. bei den meisten übrigen Angestellten jeden Willen korrumpieren, überhaupt mal darüber nachzudenken, obsie eventuell betrogen werden.
Ich kenne das aus der Medienbranche nur zu gut. "Arbeitsrecht" ist dort ein Wort, dass ebenso wie "Gewerkschaft" zum sofortigen Ausschluss aus der Gruppe akzeptierter, freundlich zu behandelnder Mitarbeiter führt - und der Druck kommt von allen Seiten, nicht nur von oben.
Ein Agentur aus Berlin hat in diesem Jahr mehrfach Mitarbeiter gesucht und von vornherein die Bereitschaft zur 45-Stunden-Woche in die Voraussetzungen geschrieben. Einerseits ehrlich. Andererseits, nach obigen Rechtsauführungen, gesetzeswidrig. Aber, wie gesagt: In dieser Branche ignoriert man das Arbeitsrecht aus Prinzip.
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