Bildungsstudie Eine Pisa-Bilanz
Im Dezember 2001 wurden in Deutschland die Ergebnisse veröffentlicht – und lösten schon bald den berühmten „Pisa-Schock“ aus. Eine kritische Würdigung sieben Jahre später
Als Mitglied des nationalen PISA-Konsortiums 2000 hat der Bildungsforscher Klaus-Jürgen Tillmann von der Universität Bielefeld an der Erstellung der Ergebnisse mitgewirkt und anschließend intensiv an der erziehungswissenschaftlichen und bildungspolitischen Debatte, die auf PISA folgte, teilgenommen. Die Debatte reißt bis heute nicht ab. Dazu gehört auch, dass sich Bildungspolitiker immer wieder auf PISA berufen, wenn sie Maßnahmen und Programme verkünden. Nach sieben Jahren scheint es angemessen, eine knappe Bilanz zu ziehen: Wie ist diese Studie heute zu bewerten, und was hat sie bewirkt?
1. Die PISA-Studie und ihre Haupterkenntnisse
Zunächst einmal muss man sich klar machen, worum es sich bei PISA eigentlich handelt:
PISA ist eine international-vergleichende Leistungsstudie, die in ihren drei „Domänen“ Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften ermittelt, welche Kompetenzen die Heranwachsenden am Ende ihrer Pflichtschulzeit (also mit 15 Jahren) erworben haben. Diese Studie wurde erstmals im Jahr 2000 durchgeführt, sie wird alle drei Jahre (2003, 2006, 2009 etc.) wiederholt. PISA erhebt zwar die Daten bei den einzelnen Schülerinnen und Schülern, aber sie macht weder Aussagen über Einzelne noch über Gruppen und auch nicht über einzelne Schulen – sondern über Schulsysteme. Dies gilt für das deutsche Schulsystem im Vergleich zu etwa 30 anderen Staaten, es gilt aber auch für alle 16 Bundesländer im Vergleich.
An PISA haben sich jeweils etwa 30 Staaten beteiligt – in keinem anderen Land der Welt wurden (und werden) die PISA-Ergebnisse so heftig diskutiert wie in Deutschland. Dies liegt vor allem daran, dass PISA 2000 und die Folgestudien in aller Deutlichkeit klar gemacht haben, wie dürftig die Ergebnisse des schulischen Lernens in deutschen Schulen sind:
- Die deutschen Schüler/innen liegen in allen drei Leistungsbereichen unterhalb des OECD-Durchschnitts – und ganz weit entfernt von Spitzenländern wie Finnland und Kanada.
- In allen drei Leistungsbereichen – also in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften - verfügt ein knappes Viertel aller Schüler/innen über so dürftige Kompetenzen, dass ihre berufliche und gesellschaftliche Integration massiv gefährdet erscheint.
- Ganz besonders schlecht sind die Lernergebnisse bei Jugendlichen aus Migrantenfamilien – und hier insbesondere bei Schüler/innen türkischer Herkunft.
- Datum 18.11.2008 - 07:31 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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In diesem Artikel wird wieder mehr über Schulstrukturen philosophiert als über den Baustein jedes Lernens, die Lehrmethodik. Meiner Erfahrung nach ist dies die Wurzel allen Übels. Ich habe vier Kinder mit sehr weitem Altersabstand und noch mit jedem Kind wurde im Anfangsunterricht eine neue pädagogische Sau durchs Klassenzimmer gejagt. Was habe ich nicht alles gehört: binnendifferenzierten Unterricht, selbstgesteuertes Lernen, Spracherfahrungsansatz, Freies Schreiben, Lesen durch Schreiben, dialogisches Lernen, entdeckendes Lernen und was der Konzepte mehr sind.
Eines jedoch hatten sie alle gemeinsam: die unerlässliche Übungskomponente wurde mit jedem pädagogischen Neueinfall geringer. Die leisten mein Mann und ich, von Jahr zu Jahr stärker belastet, allein zu Hause mit den Kindern. Mittlerweile habe ich das Gefühl, den Unterricht ganz allein zu meistern. Bei meinem jüngsten Kind bin ich, um mein Kind,mich und die Familie zu entlasten, dazu übergegangen, selbst nach dem besten Lehrkonzept - in meinem Augen das Leseprogramm Intraact plus sowie die Mathereihe aus dem Mildenberger-Verlag - zu suchen und mein Kind von Anfang an damit parallel- und vorausarbeitend selbst zu beschulen. Das hat wirklich Abhilfe geschaffen! Es ist wesentlich einfacher, ein Kind, das das meiste schon kann, zur Beschäftigung in die Schule zu schicken, als zu versuchen, den Kindern bei miserablen schulischen Konzepten zu Hause zu helfen. Übrigens bringt es auch deutliche zeitliche Entlastung fürs Kind! Es wundert mich jedenfalls überhaupt nicht, dass die soziale Schere in Deutschland immer weiter aufgeht.
Ein Kind, dass dieses Zusatzprogramm zu Hause - oder kommerziellen Nachhilfeunterricht ab der ersten Klasse - nicht erfährt, ist hierzulande verraten und verkauft. Auch die Kinderbuchverlage haben sich angepasst: Man vergleiche nur die Erstleselektüre von vor zwanzig Jahren mit der heutigen - da liegen Welten dazwischen. Kein Wunder, Lesen lernen wird heute in Schulen nicht mehr systematisch geübt.
Und so war es für einen türkischen Schüler vor zwanzig Jahren auch einfacher, ein Gymnasium zu besuchen als heute. Im Gegensatz zu früher finden sich heute auf Gymnasien nur noch Kinder von Mittelstandseltern, die das obige Zusatzprogramm absolvieren.
Von der Ideologie des selbstentdeckenden Lernens sind heute nahezu alle Schulbuchverlage angesteckt und es gibt kaum noch anders aufgebaute Lehrwerke. Gleichzeitig wundert es niemanden, dass heute nahezu jeder Schulbuchverlag daneben ein straff organisiertes Kompendium fürs Lernen zu Hause herausgibt, mit dem dann das ABC, das 1x1 und der Dreisatz geübt werden können.
Vielleicht liegt ein wesentlicher Teil der Pisa-Misere ja genau an diesem Kommerz-Trick der Schulbuchverlage. Eine genaue Untersuchung täte hier dringend not.
Danke, Frau Redlich ! Genauso ist es.
Für die zentrale Schaltstelle in dieser Misere halte ich die Lehrerausbildung: dort gilt Methodenzauber alles, Inhalt nichts.
Fachliche Inkompetenz ist kein Hindernis auf dem Weg zum Einserexamen, getürkte Vorführstunden werden nicht als solche erkannt, Hauptsache: die bewertenden Funktionäre haben "Schüleraktivität" gesehen. Ich schwöre Ihnen: an deutschen Gymnasien gibt es die Note Eins auf Unterrichtsstunden, in denen zu 80% Gruppenarbeit läuft und die Bewerter überhaupt nicht sehen können, was in den Gruppen für inhaltlicher Unsinn stattfindet und wie der von Tisch zu Tisch herumgehende Junglehrer den Schülern heimlich die inhaltlichen Ergebnisse einflößt, die dann in den letzten 10% der Stunde "gesammelt" werden. Hingegen ist es faktisch unmöglich, eine Eins auf eine Stunde Frontalunterricht zu bekommen: da wird jedes falsche Wort notiert und hinterher auseinandergenommen.
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