Data-MiningGoogle sucht Grippen

Suchmaschinen können inzwischen auch Epidemien vorhersagen. Dafür werden sehr persönliche Begriffe ausgewertet. Und wir offenbaren der Maschine oft mehr als unserem Hausarzt von 

Wer früher krank wurde, der ging zum Arzt. Heute jedoch führt der erste Gang offensichtlich auf die Seite der Suchmaschine Google. Das lässt viele Schlüsse darüber zu, wem wir vertrauen. Und es lässt offensichtlich Schlüsse darüber zu, wie gesund wir sind: Flu Trends heißt die neueste Erfindung der Suchmaschine Google. Aus den Milliarden Suchanfragen filtert das Unternehmen dabei jene heraus, die sich mit Krankheiten wie der Influenza befassen. Und nutzt sie zur Vorhersage von Epidemien.

Spielerei ist das nicht. Das Projekt der unternehmenseigenen Stiftung Google.org wird gemeinsam mit dem amerikanischen Zentrum für Seuchenkontrolle (CDC) entwickelt; seine Ergebnisse sollen im wissenschaftlichen Fachblatt Nature veröffentlicht werden. Verständlich ist es auch, dass eine Verbindung besteht zwischen einer Krankheit und dem Interesse dafür.

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Beim Robert-Koch-Institut, in Deutschland zuständig für die Überwachung und Warnung vor der Grippe, zeigt man "freundliches Interesse" an der Idee. Es könne aber höchstens um zusätzliche Informationen gehen, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. "Google kann nichts Etabliertes ersetzen."

Unbekannt ist die Idee ebenfalls nicht, sie gehört in den Bereich der Informationsepidemiologie: der Auswertung von öffentlich verfügbaren Informationen wie Medienberichten, um etwas über die Wirkung von Epidemien zu erfahren. Dieser Ansatz sei "sicher sehr spannend", sagt der Infektionsepidemiologe Walter Haas, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Influenza, die in Deutschland für solche Vorhersagen zuständig ist. Er habe aber eine große Schwachstelle: "Es ist ein Indikator für das Interesse an dem Thema. Das aber kann durch viele Faktoren beeinflusst sein." Man wisse bei Google Flu Trends und ähnlichen Systemen nicht, warum sich die Menschen für Grippe interessieren. Krank müssten sie nicht unbedingt sein.

Google verweist darauf, dass man die eigenen Daten mit denen des CDC abgeglichen habe und dass man sich des Problems bewusst sei: "Natürlich, nicht jeder, der nach 'Grippe' sucht, ist auch tatsächlich krank", heißt es auf der zugehörigen Internetseite. Doch es gebe eine enge Beziehung zwischen der Zahl der Menschen, die sich für entsprechende Themen interessierten und denen, die zur gleichen Zeit Symptome der Krankheit zeigen.

Haas ist das trotzdem zu unsicher. "Man weiß letztlich nicht, warum die Zugriffe kommen", sagt er. Zu viele Faktoren gebe es, die das Interesse an einem solchen Thema beeinflussten. Die Medien beispielsweise. "Wenn in Indonesien Fälle der Vogelgrippe gemeldet werden, steigt auch auf unseren Seiten zur Influenza die Zahl der Zugriffe."

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