Eine Familie hat das Telefonunternehmen Bouygues Telecom am 17. September wegen "Verabreichung schadenverursachender Substanzen" verklagt und einen der Sendemasten des Betreibers verantwortlich gemacht. Können Handy-Unternehmen sich vor Krankheitsrisiken im Zusammenhang mit ihren Aktivitäten schützen?

Das Gesundheitsrisiko im Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern (EMF) ist zurzeit nicht versicherbar, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen. Wenn die Risiken zu vernachlässigen sind – Standorte, die weit von örtlich ansässigen Bevölkerungsgruppen entfernt sind, mit Strahlung, die messbar ist – können Unternehmen eine Versicherung bekommen.

Grundsätzlich gibt es in einer solchen Situation zwei Stufen. Erstens gibt es den "Verdacht", wenn Wissenschaftler die Möglichkeit eines Gesundheitsrisikos aufzeigen. Die Rückversicherer sind, dank ihres globalen Netzwerks, meistens die ersten, die sich für solche aufkommenden Risiken interessieren. Um jedoch den Preis eines solchen Risikos für ein Unternehmen zu berechnen, benötigt der Versicherer spezifische Daten.

Zum Beispiel muss er die Beziehung zwischen der Zahl der Menschen, die dem Risiko ausgesetzt sind, und der Zahl der Menschen, die eine Krankheit entwickeln, kennen. Wichtig sind auch die Anzahl derer, die eine Krankheit entwickeln und denen es gelingt, vor Gericht eine Verbindung zwischen den EMF und ihrer Krankheit zu beweisen; die durchschnittliche Zahl der Schadensfälle, in denen gezahlt wird usw. Der Versicherer muss abwarten, bis Recht und Rechtsprechung die Art des notwendigen Beweises spezifizieren und die Bedingungen für eine Kompensation regeln.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Hersteller und Versicherer mit einer solchen Situation konfrontiert sind, wie zum Beispiel im Fall von Asbest. Wie kommen Sie vom Ausschluss zur Nicht-Versicherbarkeit?

Für die Versicherer war Asbest eine Art Crashkurs in Sachen Managementqualitäten angesichts aufkommender Risiken. Traditionell basieren Verträge zur assurance de responsabilité civile, einer Art Haftpflichtversicherung, auf schadenauslösenden Ereignissen. Doch es ist nicht leicht, Krebs mit Asbest in Verbindung zu bringen, da die Erkrankung von der Zeitspanne abhängt, während der die Person dem Asbest ausgesetzt war, der Existenz anderer Faktoren, den individuellen Eigenschaften der Person usw. (wie es sich vermutlich auch im Fall von EMF verhalten wird). Zusätzlich beschränkt die Tatsache, dass der Schaden möglicherweise erst Jahre nach der Exposition auftreten kann, aktuelle Berechnungen.

Die Rückversicherer haben daher einen neuen Vertragstyp für Unternehmen entwickelt, der auf dem "Datum der Beschwerde" beruht: Der Versicherer übernimmt alle Schäden, die in einem festgelegten Jahr gemeldet werden, ohne eine ganze Horde von Experten zu verlangen, um das exakte Datum zu ermitteln, auf das sich die Forderung bezieht. Das erlaubt ihnen auch, ihre Geschäftsbücher auf der Grundlage eines festgelegten Zeitraums abzuschließen. Das Risiko im Zusammenhang mit Asbest ist heute besser definiert und war in mehreren Ländern Gegenstand einer präzisen Gesetzgebung, aber es steht für Hunderttausende von Dollar, die in Schadensfällen ausbezahlt wurden, finanziert von den Versicherern.