Bildungsstandards Für die Hauptschule zu schwer

Im kommenden Jahr ist ein bundesweit einheitlicher Leistungsvergleich der 9. Klassen aller Schulformen geplant. Ist der Test ein "mutiger Todesstoß für Hauptschule"?

Kurz vor der Veröffentlichung eines neuen PISA- Bundesländer-Vergleichs gibt es heftigen Streit um das Leistungsniveau an deutschen Hauptschulen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete den bereits für kommendes Jahr geplanten bundesweit einheitlichen Leistungsvergleich der 9. Klassen aller Schulformen als «mutigen Todesstoß für die Hauptschule». Die Schwächen der Hauptschulen seien seit langem allgemein bekannt. Richtige Konsequenz könne nur die Auflösung dieser Schulform sein, sagte die GEW-Vize-Vorsitzende Marianne Demmer am Freitag.

Die Kultus-Staatssekretäre der Bundesländer wollen bei dem Test an 1600 Schulen erstmals die neuen Bildungsstandards einsetzen, die die Kultusminister als Konsequenz aus dem schlechten deutschen PISA- Abschneiden verabredet haben. Für viele Hauptschulen vor allem in Problemregionen gelten jedoch die vor drei Jahren entwickelten Mindeststandards als zu schwer. Der Test, der von dem ländereigenen Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) durchgeführt wird, soll künftig die bisherigen PISA-E-Studien (E für Ergänzung) ersetzen.

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Die jüngste PISA-E-Studie aus dem Jahr 2006 mit den Schulleistungsdaten aus 16 Bundesländern wird am kommenden Dienstag in Berlin vorgestellt. Dafür wurden 57 000 Schüler an 1500 Schulen getestet.

In dem aktuellen Beschluss äußern die Staatssekretäre selbst Zweifel, ob die neuen Mindestanforderungen für die Hauptschule «hinreichend passgenau» sein. Ursprünglich war sogar geplant, die Test an den Hauptschulen drei Jahre zu unterbrechen und zunächst die Anforderungen für Mathematik, Deutsch und Englisch zu überarbeiten. Über das weitere Vorgehen wollen die Kultusminister am 4. Dezember bei einem Treffen in Bonn entscheiden.

Streit gibt es auch darüber, wie die Ergebnisse künftig bundesweit dargestellt werden sollen. Bisher galten länderübergreifende Leistungsvergleiche gleicher Schulformen - wie etwa der Hauptschule - als Tabu, weil dabei die jeweiligen wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen nicht berücksichtigt werden. Während in Bayern und Baden-Württemberg noch rund 30 Prozent eines Jahrganges die Hauptschule besuchen, haben zehn Bundesländer diese Schulform bereits abgeschafft - oder planen dies. Bundesweit besuchen noch 18,9 Prozent der Fünftklässler eine Hauptschule.

Nach dem Beschluss sollen die Ergebnisse für die einzelnen Schulformen jetzt «in einzelnen Länderkapiteln gesondert» dargestellt werden. Damit kann der Leser selbst einen Bundesvergleich machen.

Leser-Kommentare
  1. Wir müssen endlich von der einseitigen Betrachtungsweise wegkommen, beim "Leistungsvergleich" nur an die Schüler zu denken. Dazu gehören an erster Stelle die Macher der Schulen: die Lehrer, die Beamte der Verwaltung und die Schulpolitiker aber auch die Eltern und die indirekten Macher, z.B. die Medien.
    Die "schlecht definierten Standards" sind nur eines von vielen deutlichen Zeichen, dass unsere verantwortlichen Profis es sind, die "den Kopf nicht bei der Sache haben", und nicht die in diese Schule involvierten "Laien". Die Schulemacher haben eine formal immer noch perfekter erscheinende Unterrichtsvollzugsanstalt und Du-musst-Schule konstruiert und sich und alle dabei immer weiter von einem natürlichen, verstehbaren und motivierenden Lernprozess weggedrängt; dabei hätten sie längst eine Ich-kann-Schule entwickeln sollen, in der Kinder morgens mit der Grundeinstellung in die Schule gehen: "Ich kann und ich möchte noch mehr können." De facto aber haben wir ein Ungestüm konstruiert, mit dem die meisten Schüler und Eltern umgehen wie mit einer mittelalterlichen Fronveste. Die äuere Umkonstruktion des Fehlers wird das tatsächliche Problem nur verschieben und größer machen, es muss sich endlich etwas grundlegend an der GEISTIGEN QUALITÄT der Schule ändern. Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe, DCI

  2. Auch wenn die Hauptschüler einen vergleichsweise guten Hauptschulabschluss hinlegen, sind diese degradierten Jungendliche noch längst nicht marktfähig. Die Anforderungen an die Ausbildungsplätze sind schon längst gestiegen und werden vorzugsweise von Realschülern oder sogar Abiturienten besetzt.
    Welche Perspektiven haben heutzutage noch Hauptschüler ? Die einzige verläßliche Konstante ist die Gewissheit, daß man Sozialhilfe empfängt. Die Hauptschüler von heute werden in der Zukunft absolut keine Chance mehr haben irgendwie in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Auch wenn man die Hauptschule abschaffen sollte, wird sich die desaströse Situation kaum ändern. Es bleiben die gleichen Schüler, die auf dem Arbeitsmarkt weiterhin eine marginale Rolle spielen und spielen werden. Die Politik hat sich diesem Problem vor lauter Exzellenzinitiative, regionalen Wirtschaftsförderungen und nicht zuletzt die Rettung der Banken nicht oder kaum angenommen.
    Daß dieses Problem langsam hinter dem Fortschritt hinterherschleift, scheint bis jetzt noch keinen zu interessieren. Bürgerkriegsähnliche Zustände sind Sozialhilfe sei Dank noch nicht Gegenwart. Falls die Wirtschaft jetzt wirklich stark auf die Knie geht, werden wir die gleiche Situation nach 1929 haben. Ein deja-vu ?

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    • Isaidy
    • 17.11.2008 um 12:13 Uhr

    bin aber auch der Meinung, dass gerade die Degradierung bei vielen Jugendlichen auf der Hauptschule ein Hauptgrund ist sich aufzugeben, keinen Bock mehr zu haben und die Sache schleifen zu lassen. Eine herkömmliche Hauptschule interessiert sich nicht dafür, ob ein Kind z.B. in Biologie, Werken oder im kreativen Bereich besondere Begabungen hat, sie unterrichtet in allen Fächern auf gleichem geringen Niveau und schematisiert die Anforderungen an die Schüler. Diese merken, dass sie dem System Schule eigentlich egal sind, die einzige Anforderung, die an sie herangetragen wird, ist, sich dem Lehrplan anzupassen. Würde man mehr auf die individuellen Begabungen dieser Schüler eingehen, jene fördern, die Schüler somit ernster nehmen, dann würde man auf Potentiale stoßen, die zur Zeit ungenutzt bleiben. Natürlich steckt nicht in jedem Kind ein Akademiker, aber die heutige Hauptschule begnügt sich damit, Kinder in die Arbeitslosigkeit zu bilden, statt die Kinder endlich mal ernster zu nehmen in ihrer Individualität. Wenn ich mich mit meiner Begabung und meinem Interesse im z.B. naturwissenschaftlichen Bereich ernst genommen und herausgefordert fühle, dann entwickle ich eher Motivation, auch in den anderen Fächern mein Bestes zu geben, als wenn von mir gar nicht mehr als unterer Durchschnitt in jedem Fach verlangt wird. Unser Bildungswesen will die Schüler dem Lehrplan anpassen, gescheiter wäre es, in größerem Maße individueller auf die einzelnen Schüler und ihre sozialen Hintergründe und Begabungen einzugehen. Möglich ist das, wie moderne Schulen heutzutage schon zeigen und die Leiter dieser Schulen sagen übereinstimmend, dass sie immer wieder auf Leistungszuwächse einzelner Schüler stoßen, die sie nicht für möglich gehalten hätten, einfach dadurch, dass sie Schüler in ihren Begabungen und Interessen ernster nehmen.

    • Isaidy
    • 17.11.2008 um 12:13 Uhr

    bin aber auch der Meinung, dass gerade die Degradierung bei vielen Jugendlichen auf der Hauptschule ein Hauptgrund ist sich aufzugeben, keinen Bock mehr zu haben und die Sache schleifen zu lassen. Eine herkömmliche Hauptschule interessiert sich nicht dafür, ob ein Kind z.B. in Biologie, Werken oder im kreativen Bereich besondere Begabungen hat, sie unterrichtet in allen Fächern auf gleichem geringen Niveau und schematisiert die Anforderungen an die Schüler. Diese merken, dass sie dem System Schule eigentlich egal sind, die einzige Anforderung, die an sie herangetragen wird, ist, sich dem Lehrplan anzupassen. Würde man mehr auf die individuellen Begabungen dieser Schüler eingehen, jene fördern, die Schüler somit ernster nehmen, dann würde man auf Potentiale stoßen, die zur Zeit ungenutzt bleiben. Natürlich steckt nicht in jedem Kind ein Akademiker, aber die heutige Hauptschule begnügt sich damit, Kinder in die Arbeitslosigkeit zu bilden, statt die Kinder endlich mal ernster zu nehmen in ihrer Individualität. Wenn ich mich mit meiner Begabung und meinem Interesse im z.B. naturwissenschaftlichen Bereich ernst genommen und herausgefordert fühle, dann entwickle ich eher Motivation, auch in den anderen Fächern mein Bestes zu geben, als wenn von mir gar nicht mehr als unterer Durchschnitt in jedem Fach verlangt wird. Unser Bildungswesen will die Schüler dem Lehrplan anpassen, gescheiter wäre es, in größerem Maße individueller auf die einzelnen Schüler und ihre sozialen Hintergründe und Begabungen einzugehen. Möglich ist das, wie moderne Schulen heutzutage schon zeigen und die Leiter dieser Schulen sagen übereinstimmend, dass sie immer wieder auf Leistungszuwächse einzelner Schüler stoßen, die sie nicht für möglich gehalten hätten, einfach dadurch, dass sie Schüler in ihren Begabungen und Interessen ernster nehmen.

    • Isaidy
    • 17.11.2008 um 12:13 Uhr

    bin aber auch der Meinung, dass gerade die Degradierung bei vielen Jugendlichen auf der Hauptschule ein Hauptgrund ist sich aufzugeben, keinen Bock mehr zu haben und die Sache schleifen zu lassen. Eine herkömmliche Hauptschule interessiert sich nicht dafür, ob ein Kind z.B. in Biologie, Werken oder im kreativen Bereich besondere Begabungen hat, sie unterrichtet in allen Fächern auf gleichem geringen Niveau und schematisiert die Anforderungen an die Schüler. Diese merken, dass sie dem System Schule eigentlich egal sind, die einzige Anforderung, die an sie herangetragen wird, ist, sich dem Lehrplan anzupassen. Würde man mehr auf die individuellen Begabungen dieser Schüler eingehen, jene fördern, die Schüler somit ernster nehmen, dann würde man auf Potentiale stoßen, die zur Zeit ungenutzt bleiben. Natürlich steckt nicht in jedem Kind ein Akademiker, aber die heutige Hauptschule begnügt sich damit, Kinder in die Arbeitslosigkeit zu bilden, statt die Kinder endlich mal ernster zu nehmen in ihrer Individualität. Wenn ich mich mit meiner Begabung und meinem Interesse im z.B. naturwissenschaftlichen Bereich ernst genommen und herausgefordert fühle, dann entwickle ich eher Motivation, auch in den anderen Fächern mein Bestes zu geben, als wenn von mir gar nicht mehr als unterer Durchschnitt in jedem Fach verlangt wird. Unser Bildungswesen will die Schüler dem Lehrplan anpassen, gescheiter wäre es, in größerem Maße individueller auf die einzelnen Schüler und ihre sozialen Hintergründe und Begabungen einzugehen. Möglich ist das, wie moderne Schulen heutzutage schon zeigen und die Leiter dieser Schulen sagen übereinstimmend, dass sie immer wieder auf Leistungszuwächse einzelner Schüler stoßen, die sie nicht für möglich gehalten hätten, einfach dadurch, dass sie Schüler in ihren Begabungen und Interessen ernster nehmen.

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