Kunst als Sozialarbeit Eine Villa für Wohnungslose

In Berlin eröffnet heute das "schönste Obdachlosenheim der Welt". Die Künstlerin Miriam Kilali will den Ärmsten Reichtum schenken

Edles Parkett und Terrakotta-Fliesen statt abgetretenem Linoleum, Kronleuchter, Goldbordüren und Designermöbel statt abgelegter Einrichtungen aus dem Sammellager, helle Strukturtapeten anstelle kalter blauer Wandfliesen: Die 42-jährige Konzeptkünstlerin Miriam Kilali hat im Berliner Bezirk Treptow aus einem Asyl für Alkoholiker ein „Sozialhotel“ gezaubert, das selbst einer Villa gehobeneren Stils alle Ehre machen würde. Schon die knallgelbe Fassade des Hauses Schöneweide fällt aus der sonst tristen Häuserzeile heraus. Auch das Innere wurde komplett umgestaltet. Nichts erinnert mehr an eine Notunterkunft.  In den oberen Etagen wurden einfache Unterkünfte zu wohnlichen kleinen Reichen für jeden der 21 Bewohner umgestaltet.

Darf ein Obdachlosenheim ein Kunstobjekt sein? Miriam Kilali weiß, dass sie mit ihrem Projekt namens "Reichtum 2" polarisiert. Das nehme sie aber in Kauf,  sagt sie, weil es sich "aus der Sache selbst ergibt".

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Viele unterstellen ihr Zynismus. Armen Reichtum vorzugaukeln sei unmoralisch. Kilali hingegen findet es „zynisch, Menschen auf der Straße leben zu lassen“.

Man kann Kilali nicht vorwerfen, sie wolle in der Kunstwelt bloß Aufmerksamkeit heischen und instrumentalisiere hierfür Obdachlose. Im Gegenteil: Während ihres Kunststudiums hat sie ehrenamtlich in einer Beratungsstelle für Obdachlose gearbeitet. Gegen die "totale Hoffnungslosigkeit", der sie dort begegnet ist, wollte sie mit ihren Mitteln, also auf künstlerische Weise, etwas unternehmen.

In Moskau hat Kilali bereits ein Obdachlosenasyl veredelt und es „Reichtum 1 – Hotel Marfino“ getauft. Hier habe sie gemerkt, wie bei den Heimbewohnern "eine Lebensenergie und Freude aufkam". "Ich wusste aus eigener Erfahrung, dass vor allem die schönen Orte nach einer strapaziösen Zeit Kraft geben. Wer auf der Straße gelebt hat, braucht das Doppelte." Gerade diesen Menschen, die von der Gesellschaft oft "liederlich behandelt und ausgegrenzt werden", wolle sie Würde und Respekt vermitteln.

Das war nicht einfach. Denn für ihr Projekt musste Kilali 130.000 Euro über Spenden auftreiben. Zwar wird die Künstlerin vom Diakonischen Werk und der Wohnungsgesellschaft GeBeWo-Soziale Dienste unterstützt. Diese betreiben auch das Haus. Kilalis Werben um Spenden sei jedoch oft an Vorurteilen über die Trebegänger gescheitert, sagte die Leiterin des Heims, Edeltraut Hörnschemeyer. Viele hielten die Renovierung für "reine Verschwendung, da die Hausbewohner, die oft chronisch alkoholkrank sind und obdachlos waren, bereits am Rand der Gesellschaft leben".

Leser-Kommentare
  1. Endlich mal jemand, der sich für die sozial ganz aus dem Netz Geworfenen kümmert. Dank an Miriam Kilali.
    Natürlich sollten sich die dort Wohnenden auch aktiv dafür einsetzen, dass sie auf Alkohol- und Zigarettenkonsum ganz verzichten, die Villa aus eigenen Antrieben sauber und in Schuss halten und sich verpflichten, ihren eigenen Interessen auf Bildungsebene in künstlerischer oder handwerklicher Art nachzugehen, eine Gartenanlage zu schaffen (so eine solche zum Grundstück gehört).
    Daraus könnte dann eine ständig kulturelle Begegnungsstätte hervorgehen, die auch für Schöneweide Anziehungsmagnet werden.
    Natürlich benötigen sie Betreuer, die sie zunächst eine Zeit lang begleiten.

  2. Wie immer bei redaktioneller Werbung ist es auch hier so, dass man einen solchen zur Diskussion gestellten Artikel, der mich zugegebenermaßen in der Zeit etwas überrascht, von vielen Seiten betrachten sollte und muss.
    Ich gehe darauf ein, frage:
    Um wen oder was geht es hier?!
    Gut kann ich mir einige Menschen vorstellen, die aufgrund dieses Artikels Frau Kilali als Interior Designerin entdecken und gut finden. Geht es hier aber um Kunst? Geht es um soziales Engagement, oder was ist hier Triebfeder?
    Ich bekenne, dass mir persönlich Projekte wie Stattknast in Berlin(http://www.stattknast.de/), aber auch BISS in München (http://www.biss-magazin.de/), um nur zwei Beispiele von unzähligen anderen - nicht minder nennenswerten wie förderungswürdigen Projekten - zu nennen, klarer erscheinen.

    Ein Kompliment an alle, die sich nicht nur heute sozail engagieren. die Kunst hat eine große Aufgabe, denn sie ist ein besonders geeignetes Medium um Menschen denken zu lassen.

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    Dirk Gensch stellt die Uraltfrage: Was ist Kunst und was ist keine Kunst...
    Ich dachte, dass spätestens seit den sozialen, politischen oder ökologischen Arbeiten von Joseph Beuys alles klar ist. Zeitgenössische Kunst darf, ja sie muss sich sogar einmischen, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Im Jahr 2008 können wir doch nicht mehr ernsthaft behaupten, dass sozial engagierte Kunstwerke, wie etwa "das schönste Obdachlosenheim der Welt" von der Konzeptkünstlerin Miriam Kilali keine Kunst sind.

    Welchem tradierten Kunstverständnis trauert Dirk Gensch nach? Bloß weil sich diese "Obdachlosenvilla" nicht in einem white cube an die Wand hängen lässt oder im Park aufgestellt werden kann oder vom Kunstmarkt aufgesogen werden kann, verliert es doch nicht den Rang eines Kunstwerks. Ganz im Gegenteil - Reichtum2 ist ein durch und durch autonomes Kunstwerk, das nicht nur - wie viele andere Arbeiten uns ästhetisch erfreut, unseren Horizont erweitert, wachrüttelt, irritiert, aufmerksam macht. Dieses Kunstwerk will noch mehr: Es will die Strukturen dieser Welt verändern. Es ist eine künstlerische Vision, die in der Konsequenz zu neuen sozialen Realitäten führt.

    Das mag dem einen oder anderen nicht gefallen. Trotzdem, die zeitgenössische Kunst darf und muss den Anspruch erheben dürfen, die Welt zu verändern, ohne das Prädikat Kunst zu verlieren. Der Künstler ist allein dadurch, dass er engagierte Kunst produziert keinesfalls ein Sozialarbeiter oder naiver Weltverbesserer.

    Die Künstlerin Miriam Kilali hat sehr genau hingeschaut und erkannt: Mehr Deckchen und Süppchen für die Obdachlosen, das lindert zwar, aber es verändert nichts auf Dauer. Ihre Arbeit, die nicht ohne Grund Reichtum2 heißt, stellt das althergebrachte Regelwerk der öffentlichen Fürsorge radikal in Frage. Diese Arbeit bezieht Stellung: Sie zwingt zur Reflexion über die heutige Praxis des Umgangs mit dem Phänomen Obdachlosigkeit und holt zugleich die Heimbewohner aus dem Schattendasein.

    Deshalb ist Reichtum 2, aus meiner Sicht selbstverständlich ein Kunstwerk, mehr noch: Es ist ein herausragendes Kunstwerk von hoher gesellschaftlicher Relevanz.

    Dirk Gensch stellt die Uraltfrage: Was ist Kunst und was ist keine Kunst...
    Ich dachte, dass spätestens seit den sozialen, politischen oder ökologischen Arbeiten von Joseph Beuys alles klar ist. Zeitgenössische Kunst darf, ja sie muss sich sogar einmischen, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Im Jahr 2008 können wir doch nicht mehr ernsthaft behaupten, dass sozial engagierte Kunstwerke, wie etwa "das schönste Obdachlosenheim der Welt" von der Konzeptkünstlerin Miriam Kilali keine Kunst sind.

    Welchem tradierten Kunstverständnis trauert Dirk Gensch nach? Bloß weil sich diese "Obdachlosenvilla" nicht in einem white cube an die Wand hängen lässt oder im Park aufgestellt werden kann oder vom Kunstmarkt aufgesogen werden kann, verliert es doch nicht den Rang eines Kunstwerks. Ganz im Gegenteil - Reichtum2 ist ein durch und durch autonomes Kunstwerk, das nicht nur - wie viele andere Arbeiten uns ästhetisch erfreut, unseren Horizont erweitert, wachrüttelt, irritiert, aufmerksam macht. Dieses Kunstwerk will noch mehr: Es will die Strukturen dieser Welt verändern. Es ist eine künstlerische Vision, die in der Konsequenz zu neuen sozialen Realitäten führt.

    Das mag dem einen oder anderen nicht gefallen. Trotzdem, die zeitgenössische Kunst darf und muss den Anspruch erheben dürfen, die Welt zu verändern, ohne das Prädikat Kunst zu verlieren. Der Künstler ist allein dadurch, dass er engagierte Kunst produziert keinesfalls ein Sozialarbeiter oder naiver Weltverbesserer.

    Die Künstlerin Miriam Kilali hat sehr genau hingeschaut und erkannt: Mehr Deckchen und Süppchen für die Obdachlosen, das lindert zwar, aber es verändert nichts auf Dauer. Ihre Arbeit, die nicht ohne Grund Reichtum2 heißt, stellt das althergebrachte Regelwerk der öffentlichen Fürsorge radikal in Frage. Diese Arbeit bezieht Stellung: Sie zwingt zur Reflexion über die heutige Praxis des Umgangs mit dem Phänomen Obdachlosigkeit und holt zugleich die Heimbewohner aus dem Schattendasein.

    Deshalb ist Reichtum 2, aus meiner Sicht selbstverständlich ein Kunstwerk, mehr noch: Es ist ein herausragendes Kunstwerk von hoher gesellschaftlicher Relevanz.

  3. Dirk Gensch stellt die Uraltfrage: Was ist Kunst und was ist keine Kunst...
    Ich dachte, dass spätestens seit den sozialen, politischen oder ökologischen Arbeiten von Joseph Beuys alles klar ist. Zeitgenössische Kunst darf, ja sie muss sich sogar einmischen, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Im Jahr 2008 können wir doch nicht mehr ernsthaft behaupten, dass sozial engagierte Kunstwerke, wie etwa "das schönste Obdachlosenheim der Welt" von der Konzeptkünstlerin Miriam Kilali keine Kunst sind.

    Welchem tradierten Kunstverständnis trauert Dirk Gensch nach? Bloß weil sich diese "Obdachlosenvilla" nicht in einem white cube an die Wand hängen lässt oder im Park aufgestellt werden kann oder vom Kunstmarkt aufgesogen werden kann, verliert es doch nicht den Rang eines Kunstwerks. Ganz im Gegenteil - Reichtum2 ist ein durch und durch autonomes Kunstwerk, das nicht nur - wie viele andere Arbeiten uns ästhetisch erfreut, unseren Horizont erweitert, wachrüttelt, irritiert, aufmerksam macht. Dieses Kunstwerk will noch mehr: Es will die Strukturen dieser Welt verändern. Es ist eine künstlerische Vision, die in der Konsequenz zu neuen sozialen Realitäten führt.

    Das mag dem einen oder anderen nicht gefallen. Trotzdem, die zeitgenössische Kunst darf und muss den Anspruch erheben dürfen, die Welt zu verändern, ohne das Prädikat Kunst zu verlieren. Der Künstler ist allein dadurch, dass er engagierte Kunst produziert keinesfalls ein Sozialarbeiter oder naiver Weltverbesserer.

    Die Künstlerin Miriam Kilali hat sehr genau hingeschaut und erkannt: Mehr Deckchen und Süppchen für die Obdachlosen, das lindert zwar, aber es verändert nichts auf Dauer. Ihre Arbeit, die nicht ohne Grund Reichtum2 heißt, stellt das althergebrachte Regelwerk der öffentlichen Fürsorge radikal in Frage. Diese Arbeit bezieht Stellung: Sie zwingt zur Reflexion über die heutige Praxis des Umgangs mit dem Phänomen Obdachlosigkeit und holt zugleich die Heimbewohner aus dem Schattendasein.

    Deshalb ist Reichtum 2, aus meiner Sicht selbstverständlich ein Kunstwerk, mehr noch: Es ist ein herausragendes Kunstwerk von hoher gesellschaftlicher Relevanz.

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    ...insofern reichtum 2 ein zu bejubelndes werk ist, so sollte dieses sich nun auch in allen knapp 10.000 gemeinden deutschen gemeinden umsetzen lassen. ein budget von etwa 130.000 euro je gemeinde für den zeitgenössischen aufrüttelnden und spannenden charakter einer umbaumassnahme für häuser sozialbenachteiligter wird sich sicher finden lassen....ich würde gern bei der organisation mithelfen...1,3 mrd. euro...für die armen,....so essen sie keinen kuchen, aber können eventuell brot backen unter kronleuchtern!....also...voran....packen wir es an und organisieren den rettungsschirm für das volk unter dem mantel der kunst, welche ja auch eine beständige arbeit an der gestaltung der dinge bedingt.

    • KaSchn
    • 21.11.2008 um 10:36 Uhr

    Die sogenannte 'Uralt-Frage" ist schon gerechtfertig. Und die Aufgabe der Kunst ist es, zum Nachdenken anzuregen, aufzurütteln oder auch Systeme in Frage zu stellen. Aber wo passiert das hier? Wo ist die Kunst bei der Umdekorierung eines Obdachlosenheims? Wo soziales Engagement? Und wo bzw. wie werden Strukturen verändert? Denkt irgendwer nach dieser Aktion nach, wie sozial Schwächeren zu mehr Luxus verholfen werden kann? Soweit ich es verstanden habe, hat Frau Kilali dieses Projekt nur durchgeführt, weil Sponsoren Geld zur Verfügung gestellt haben und dadurch die Umdekorierung möglich war. Sehr nett für die Menschen, die jetzt vielleicht Kronleuchter in ihren Zimmern haben - aber vielleicht auch mit weniger opulenter Ausstattung glücklicher wären. In meinen Augen wird hier Kunst als reiner Selbstzweck und zur Selbstvermarktung verwendet, denn das Geld der Sponsoren hätte man viel besser für andere Sozialprojekte verwenden können - schon in Hinblick auf die kalte Jahreszeit. Was ist mit den Menschen, die nicht den Luxus haben, in ein Obdachlosenheim gehen zu können sondern auf der Straße schlafen.

    ...insofern reichtum 2 ein zu bejubelndes werk ist, so sollte dieses sich nun auch in allen knapp 10.000 gemeinden deutschen gemeinden umsetzen lassen. ein budget von etwa 130.000 euro je gemeinde für den zeitgenössischen aufrüttelnden und spannenden charakter einer umbaumassnahme für häuser sozialbenachteiligter wird sich sicher finden lassen....ich würde gern bei der organisation mithelfen...1,3 mrd. euro...für die armen,....so essen sie keinen kuchen, aber können eventuell brot backen unter kronleuchtern!....also...voran....packen wir es an und organisieren den rettungsschirm für das volk unter dem mantel der kunst, welche ja auch eine beständige arbeit an der gestaltung der dinge bedingt.

    • KaSchn
    • 21.11.2008 um 10:36 Uhr

    Die sogenannte 'Uralt-Frage" ist schon gerechtfertig. Und die Aufgabe der Kunst ist es, zum Nachdenken anzuregen, aufzurütteln oder auch Systeme in Frage zu stellen. Aber wo passiert das hier? Wo ist die Kunst bei der Umdekorierung eines Obdachlosenheims? Wo soziales Engagement? Und wo bzw. wie werden Strukturen verändert? Denkt irgendwer nach dieser Aktion nach, wie sozial Schwächeren zu mehr Luxus verholfen werden kann? Soweit ich es verstanden habe, hat Frau Kilali dieses Projekt nur durchgeführt, weil Sponsoren Geld zur Verfügung gestellt haben und dadurch die Umdekorierung möglich war. Sehr nett für die Menschen, die jetzt vielleicht Kronleuchter in ihren Zimmern haben - aber vielleicht auch mit weniger opulenter Ausstattung glücklicher wären. In meinen Augen wird hier Kunst als reiner Selbstzweck und zur Selbstvermarktung verwendet, denn das Geld der Sponsoren hätte man viel besser für andere Sozialprojekte verwenden können - schon in Hinblick auf die kalte Jahreszeit. Was ist mit den Menschen, die nicht den Luxus haben, in ein Obdachlosenheim gehen zu können sondern auf der Straße schlafen.

  4. ...insofern reichtum 2 ein zu bejubelndes werk ist, so sollte dieses sich nun auch in allen knapp 10.000 gemeinden deutschen gemeinden umsetzen lassen. ein budget von etwa 130.000 euro je gemeinde für den zeitgenössischen aufrüttelnden und spannenden charakter einer umbaumassnahme für häuser sozialbenachteiligter wird sich sicher finden lassen....ich würde gern bei der organisation mithelfen...1,3 mrd. euro...für die armen,....so essen sie keinen kuchen, aber können eventuell brot backen unter kronleuchtern!....also...voran....packen wir es an und organisieren den rettungsschirm für das volk unter dem mantel der kunst, welche ja auch eine beständige arbeit an der gestaltung der dinge bedingt.

    • KaSchn
    • 21.11.2008 um 10:36 Uhr

    Die sogenannte 'Uralt-Frage" ist schon gerechtfertig. Und die Aufgabe der Kunst ist es, zum Nachdenken anzuregen, aufzurütteln oder auch Systeme in Frage zu stellen. Aber wo passiert das hier? Wo ist die Kunst bei der Umdekorierung eines Obdachlosenheims? Wo soziales Engagement? Und wo bzw. wie werden Strukturen verändert? Denkt irgendwer nach dieser Aktion nach, wie sozial Schwächeren zu mehr Luxus verholfen werden kann? Soweit ich es verstanden habe, hat Frau Kilali dieses Projekt nur durchgeführt, weil Sponsoren Geld zur Verfügung gestellt haben und dadurch die Umdekorierung möglich war. Sehr nett für die Menschen, die jetzt vielleicht Kronleuchter in ihren Zimmern haben - aber vielleicht auch mit weniger opulenter Ausstattung glücklicher wären. In meinen Augen wird hier Kunst als reiner Selbstzweck und zur Selbstvermarktung verwendet, denn das Geld der Sponsoren hätte man viel besser für andere Sozialprojekte verwenden können - schon in Hinblick auf die kalte Jahreszeit. Was ist mit den Menschen, die nicht den Luxus haben, in ein Obdachlosenheim gehen zu können sondern auf der Straße schlafen.

  5. nur kurz, ich habe gar nicht mal den eindruck gehabt, dass es hier um das hinterfragen von kunst und ihren sinn wie zweck ging, was die welle so hoch schlagen läßt. mich verägert vielmehr, dass man in diesem bezug von reichtum spricht, der gespendet oder verschenkt wird. sind wir denn wirklich so weit, dass wir nur noch gierig sind, in materiellen werten denken, die werte eines jeden menschen gering anzusetzen. ich vertrete die meinung, dass auch obdachlose sehr wohl über werte verfügen und diese vertreten, egal ob sie krank oder gesund sind. in der misslichen lage einer obdachlosigkeit ist man nur nicht in der lage, diese durchaus auch hohen werte mitzuteilen, weil man kein gehör findet.

    ich bitte dies zu bedenken und eventuell auch zu verstehen, warum ich aus einem ganz anderen blickwinkel ein geschenk von reichtum, sei dieser arbeitstitel auch medienwirksam von der eigentlichen initiatorin dieses austausches hier gewählt, für anmaßend erachte.

    kunst ist sehr wohl ein gutes medium, um öffenltichkeitswirksam auch auf mißstände aufmerksam zu machen, eine gute chance, um eine diskussion anzuregen. ich hätte es begrüßt, wenn man hier nicht von einer gestaltung eines obdachlosenheimes berichtete, sondern vielmehr von der idee eines menschen, der die obdachlosenheime wie für eine mustermappe behandelt, um mit den dort vorübergehend wohnenden menschen einen betrieb für die renovierung von wohnungen schafft und so einen weg geht, mit einem team z.b. unbewohnbare wohnungen nach dem auszug von "mietnomaden" wieder in einen guten und vermietbaren zustand zu bringen. das jedenfals wäre eine aktion, die ich gut finden würde und stelle diese anregung zur diskussion.

    der mensch ist das maß aller dinge, und hier kann man mehr tun als einen rahmen zu schaffen. So kann man sich auch mit obdachlosen mitbürgern identifizieren, sich ihnen gleich stellen und mit ihnen gemeinsam einen weg aus ihrer situation in eine gesicherte existenz beschreiten und diese auch abzusichern helfen. vor diesem hintergrund freue ich mich über den hinweis von herrn gensch auf "biss" in münchen, wo ja neben der begleitung von obdachlosen menschen ebenfalls ein richtiges hotel geplant wird, für das ich dem gesamten team viel erfolg wünsche. bestimmt gibt es noch viele andere projekte, und ich wünsche mir einfach von jedem menschen, künstler wie auch alle anderen, sich zu zu engagieren, aber dabei die würde eines menschen nie außer acht zu lassen.

  6. Liebe (ausgewählte) zeit-online-Leser, liebe Deutsche – statt die ewigen Bedenkenträger zu spielen, erfreut euch doch einfach an der einzigartigen künstlerischen Arbeit einer engagierten Künstlerin, die vielen Menschen Freude schenkt, sie auffordert das Leben in die eigene Hand zu nehmen und ihnen vielleicht eine neue Lebensperspektive eröffnet.

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