Autokrise Der Staat kann Opel nicht retten

Sinkende Marktanteile, ein schlechtes Image, der Mutterkonzern vor dem Bankrott: Keine Staatsbürgschaft wird die Probleme der Rüsselsheimer lösen

Opel braucht Hilfe. Das Rüsselsheimer Unternehmen steckt in Schwierigkeiten – aber offenbar nicht in erster Linie durch eigenes Verschulden, sondern weil die Mutter General Motors (GM), einst der größte Autohersteller der Welt, vor der Pleite steht. Die Sache scheint klar: Da muss der Staat doch helfen!

Jetzt verhandeln die Opel-Spitzen mit der Bundesregierung über eine mögliche Staatsbürgschaft. Ihre Botschaft lässt sich in drei Punkten zusammenfassen:

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  • GM habe Opel durch langes Missmanagement finanziell und technologisch ausbluten lassen und darüber hinaus in der gegenwärtigen Krise eigene Verluste auf die Tochter abgeschoben – Opel kann also nichts für seine Probleme.
  • Derzeit sei man zwar noch liquide, aber ein Bankrott von GM wäre auch für die Rüsselsheimer bedrohlich – Opel selbst hat solide gewirtschaftet und deshalb Hilfe verdient.
  • GM zahlt nicht mehr für dringend nötige Investitionen – die Staatsbürgschaft würde Opel helfen, sich unabhängiger zu machen von der Mutter.

Die Angst um zigtausende Arbeitsplätze verstärkt die Forderung nach Staatsmilliarden. Rund 26.000 Menschen arbeiten in den deutschen Opel-Werken. Mit jeder Stelle, die hierzulande verschwände, gingen weltweit zwei weitere bei Zulieferern und Händlern verloren, so eine Faustformel der Branche. Es geht also um nahezu 80.000 Jobs.

Trotzdem sehen Kenner der Autobranche Opels Forderung nach Hilfe kritisch. Eine Staatsbürgschaft würde den Rüsselsheimern auf unfaire Weise Wettbewerbsvorteile verschaffen, sagen sie. Opel könnte sich mit der Staatsbürgschaft im Rücken günstiger refinanzieren als andere Hersteller und hätte so Vorteile auch gegenüber wirtschaftlich stabilen Konkurrenten. Normalerweise verbietet EU-Recht deshalb staatliche Unterstützung für ein einzelnes Unternehmen.

Folgt man dieser Argumentation, könnte die Bürgschaft eine Subventionsspirale auslösen. Die Steuermilliarden aber würden eine Branche päppeln, die in ihrer bisherigen Größe gar nicht mehr gebraucht wird. Europas Autobauer leiden unter hohen Überkapazitäten. Sie stellen fast 25 Prozent mehr Fahrzeuge her, als sie verkaufen können. Diese Ressourcenverschwendung mit staatlicher Hilfe zu zementieren, ist ökonomisch wie ökologisch unsinnig.

"Nötig wäre ein europäisches Konzept, das den Abbau der überschüssigen Kapazitäten regelt", sagt Willi Diez, Professor für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. In der Praxis sei so etwas aber kaum vorstellbar. "Das brächte uns ganz nah an die Zentralverwaltungswirtschaft."

Leser-Kommentare
    • freerk
    • 17.11.2008 um 15:31 Uhr

    besonders der letzte Satz ist falsch. Opel kann gerettet werden, wenn GM Opel beispielsweise an VW oder Toyota verkauft. Dass da zwangsläufig der Steuerzahler einspringen wird, ist juristisch fast ausgeschlossen.

    Ehrlich gesagt, ich bin gespannt, was die Politiker sich werden einfallen lassen?

    • keox
    • 17.11.2008 um 15:37 Uhr

    # GM habe Opel durch langes Missmanagement finanziell und technologisch ausbluten lassen und darüber hinaus in der gegenwärtigen Krise eigene Verluste auf die Tochter abgeschoben – Opel kann also nichts für seine Probleme.

    # Derzeit sei man zwar noch liquide, aber ein Bankrott von GM wäre auch für die Rüsselsheimer bedrohlich – Opel selbst hat solide gewirtschaftet und deshalb Hilfe verdient.

    Einer Firma, die derart an die Konzernmutter gekettet ist, wie behauptet keinen eigenen Spielraum hat, einer solchen Firma darf man keine Milliarden hinterherschmeißen.

    Zudem widerspräche es dem Sinn dieser Krise: weg mit dem Schrott und dann wieder Vollgas auf höher konzentriertem Niveau.

    Abgesehen davon, daß die Autoindustrie sich nun aber langsam überholt hat.

  1. Wir haben Wahlkampf, da wird der Staat einspringen. Aber an der Ursache wird sich nichts ändern. Die Autobauer müssten wieder Gogos bauen, die könnte man sich leisten.
    Jetzt rächt sich die Produktionsverlagerung ins Ausland, die Schaffung des Niedriglohnsektors u.s.w.

  2. 4. Danke

    Endlich einmal ein Artikel zu dem Thema, der es wagt, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Wenn die Autoindustrie Überkapazitäten produziert, wird trotz aller punktueller Retterei bald Arbeitsplatzverlust drohen. Wenn nicht bei Opel, dann anderswo (mit etwas egoistischem Glück allerdings nicht in Deutschland, Protektionismus lässt grüßen).

    Auch ein Verkauf an VW oder Toyota, wie in Kommentar #1 gefordert, wäre mittelfristig nur eine Teilrettung, da die Überkapazitäten erhalten blieben Opel durch die Synergieeffekte in diesen Konzernen sicherlich effizienter werden würde und müsste, was eine Reduzierung des Personalbedarfs bedeutet.

    Anstatt immer nur davon zu sprechen, Opel zu retten, sollten wir anfangen davon zu sprechen, die Arbeitsplätze zu retten bzw. alternative Arbeitsplätze (und die dafür notwendigen Weiterqualifizierungsmaßnahmen) zu schaffen.

    In der Erneuerbaren-Energien-Branche haben wir durch langfristige Subventionierung einen Jobboom in einer Zukunftsbranche kreieren können. Genau so etwas brauchen wir jetzt wieder: Staatliche Unterstützung. Aber nicht für eine Branche der Vergangenheit, sondern für eine der Zukunft. Möglichst eine, wo Autobauer-Skills mit vertretbarer Weiterbildung eingesetzt werden können.

    Hier muss jetzt etwas geschehen. Eine Unterstützung der Automobilbranche darf dabei höchstens als klar begrenzte Übergangslösung angegangen werden.

  3. Opel retten oder nicht - ein sehr komplexes Problem. Hier ein paar Thesen, die zu einer Lösung beitragen können:

    1. Es macht keinen Sinn etwa zu behaupten, der Staat dürfe nicht eingreifen, weil dies gegen den Geist der Marktwirtschaft sei. Es gibt/gab die reine Marktwirtschaft der Ordoliberalen noch nie. In der Praxis geht es nur um die Folgenabwägung zwischen verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Zielen.
    2. Primäre Randbedingung dabei ist: Opel muss mittelfristig überlebensfähig sein. Das heisst, es muss einen Plan B geben, der ohne GM eine valide Zukunft für Opel garantiert.
    2a. Da Opel bisher auch schon Autos verkauft hat, und dabei Gewinn gemacht hat, kann man sich mit der Suche nach einem geeigneten Partner etwas Zeit lassen. Die Hoffnung ist da, dass es ihn geben wird. Wahrscheinlich aus Indien oder China.
    3. Die Bürgschaft muss technisch so ausgestaltet sein, dass ein Missbrauch durch GM ausgeschlossen ist.
    4. Wird die Bürgschaft gezogen, muss aus Wettbewerbsgründen sicher gestellt werden, dass sie von den späteren Partnern zurückgezahlt wird.

    Alles andere - insbesondere solche Kassandrarufe wie in ihrem Artikel aus dem schiefen Elfenbeinturm - halte ich für nicht angemessen.

    • Amaro
    • 17.11.2008 um 16:01 Uhr

    Genau, wir alle müssen endlich umdenken und können uns keine sinnlosen Überproduktionen leisten.

    Soll doch endlich die Vernunft walten und unsere Politiker an dieser - auch im Wahlkampf - gemessen werden.

    Dass wir, das Volk - und laut Grundgesetz - der Souverän, nun aus Wahlkampfgründen wieder einmal besonders geblendet und zur Kasse gebeten werden sollen, ist inakzeptabel.

    Die Fehler der Automobilindustrie sind nicht die Fehler des Soveräns.
    In Haftung zu nehmen sind die, die die Fehler verursacht haben - und zwar mit allen Konsequenzen.

    Ja, viele werden den Gürtel enger schnallen müssen.

  4. Im Übrigen ist das, was die Redakteurin uns als "Analyse" verkaufen will einfach nur schlechter Journalismus, nach dem gängigen Rezept: Man nehme einen sog. Experten und einen Professor mixe deren Meinungen und fertige ist die sog Analyse.

    Dann behaupte man ein Problem, für dessen Existenz man die zwei Experten heranziehen kann und für das Opel verantwortlich ist.

    Dann schlussfolgert man, dass der Staat an den Problemen von Opel nichts ändern kann.

    Und zusätzlich behauptet man, dass der Staat auch den Missbrauch von Geldern nicht kontrollieren könne.

    Fertig ist das Stück. Soll das Journalismus sein? Der ZEIT angemessen?

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    • Lysann
    • 17.11.2008 um 18:52 Uhr

    Auch Kritik benötigt eine Begründung, die das Urteil untermauert. Insofern hat Ihr Kommentar nicht zu einer differnzierten Sicht beigetragen.

    • Lysann
    • 17.11.2008 um 18:52 Uhr

    Auch Kritik benötigt eine Begründung, die das Urteil untermauert. Insofern hat Ihr Kommentar nicht zu einer differnzierten Sicht beigetragen.

  5. Es glaubte auch nie einer das große Banken Insolvent gehen können ...Siehe Lehman. Und es ist weit und breit keiner in Sicht der so ein Unternehmen übernehmen könnte Siehe Lehman oder doch etwa ein Inder oder Chinese? so bitter es auch ist aber der Automarkt kommt nicht an einer Anpassung vorbei.......

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