Autokrise Der Staat kann Opel nicht rettenSeite 2/2

Das schwerste Argument der Skeptiker ist aber ein ganz anderes. Sie befürchten, dass der Staat bei allem guten Willen gar nicht die Möglichkeit hat, Opel wirklich zu helfen. Denn der Autobauer schleppt Probleme mit sich herum, die sich nicht einfach per Dekret aus der Welt schaffen lassen. "Der Opel-Betriebsrat tut jetzt so, als sei im Unternehmen alles in Ordnung", sagt Wolfgang Meinig, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Bamberg. "Das stimmt aber nicht."

Seine Mängelliste führt weit über die akuten, aus der Schieflage von GM resultierenden Finanzierungsprobleme hinaus: Eine falsche Modellpolitik habe den Opel-Marktanteil in Deutschland in den vergangenen fünfzehn Jahren von 17 auf 7 Prozent fallen lassen. Opel habe ein Innovationsdefizit, unzufriedene Zulieferer, ein schlechtes Image und keine treuen Kunden.

Mag sein, dass all das die Folge einer jahrelang fehlerhaften, aus den USA gesteuerten Konzernstrategie ist und Opel selbst wenig dafür kann. Nur: Der Staat kann an dieser Misere kaum etwas ändern. Und sich jetzt mit Staatshilfe von der ungeliebten Mutter emanzipieren zu wollen, ist wohl kaum mehr als Wunschdenken. Zu eng sind die Konzernverflechtungen, zu klein wäre das eigenständige Unternehmen.

Überdies kann kein staatlicher Kontrolleur garantieren, dass die Staatsgelder nicht doch aus Opel heraus weiter in die USA fließen. Die interne Buchhaltung eines Riesenkonzerns wie GM böte viele Mittel, das zu verschleiern. Nutzt GM diese Möglichkeiten, "dann ist Opel wirklich verloren", sagt Meinig.

Das bittere Fazit: Wenn GM Opel mit in die Pleite ziehen will, kann die Regierung es nicht verhindern. Der öffentliche Hilferuf der Rüsselsheimer dürfte dennoch erfolgreich sein. Denn der Wahlkampf hat längst begonnen, in Hessen, wo das Hauptwerk seinen Standort hat, und auch bundesweit. Da will sich kein Politiker vorwerfen lassen, Zehntausende Arbeitsplätze zu gefährden. Die Steuerzahler müssen wohl einspringen.

 
Leser-Kommentare
    • freerk
    • 17.11.2008 um 15:31 Uhr

    besonders der letzte Satz ist falsch. Opel kann gerettet werden, wenn GM Opel beispielsweise an VW oder Toyota verkauft. Dass da zwangsläufig der Steuerzahler einspringen wird, ist juristisch fast ausgeschlossen.

    Ehrlich gesagt, ich bin gespannt, was die Politiker sich werden einfallen lassen?

    • keox
    • 17.11.2008 um 15:37 Uhr

    # GM habe Opel durch langes Missmanagement finanziell und technologisch ausbluten lassen und darüber hinaus in der gegenwärtigen Krise eigene Verluste auf die Tochter abgeschoben – Opel kann also nichts für seine Probleme.

    # Derzeit sei man zwar noch liquide, aber ein Bankrott von GM wäre auch für die Rüsselsheimer bedrohlich – Opel selbst hat solide gewirtschaftet und deshalb Hilfe verdient.

    Einer Firma, die derart an die Konzernmutter gekettet ist, wie behauptet keinen eigenen Spielraum hat, einer solchen Firma darf man keine Milliarden hinterherschmeißen.

    Zudem widerspräche es dem Sinn dieser Krise: weg mit dem Schrott und dann wieder Vollgas auf höher konzentriertem Niveau.

    Abgesehen davon, daß die Autoindustrie sich nun aber langsam überholt hat.

  1. Wir haben Wahlkampf, da wird der Staat einspringen. Aber an der Ursache wird sich nichts ändern. Die Autobauer müssten wieder Gogos bauen, die könnte man sich leisten.
    Jetzt rächt sich die Produktionsverlagerung ins Ausland, die Schaffung des Niedriglohnsektors u.s.w.

  2. 4. Danke

    Endlich einmal ein Artikel zu dem Thema, der es wagt, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Wenn die Autoindustrie Überkapazitäten produziert, wird trotz aller punktueller Retterei bald Arbeitsplatzverlust drohen. Wenn nicht bei Opel, dann anderswo (mit etwas egoistischem Glück allerdings nicht in Deutschland, Protektionismus lässt grüßen).

    Auch ein Verkauf an VW oder Toyota, wie in Kommentar #1 gefordert, wäre mittelfristig nur eine Teilrettung, da die Überkapazitäten erhalten blieben Opel durch die Synergieeffekte in diesen Konzernen sicherlich effizienter werden würde und müsste, was eine Reduzierung des Personalbedarfs bedeutet.

    Anstatt immer nur davon zu sprechen, Opel zu retten, sollten wir anfangen davon zu sprechen, die Arbeitsplätze zu retten bzw. alternative Arbeitsplätze (und die dafür notwendigen Weiterqualifizierungsmaßnahmen) zu schaffen.

    In der Erneuerbaren-Energien-Branche haben wir durch langfristige Subventionierung einen Jobboom in einer Zukunftsbranche kreieren können. Genau so etwas brauchen wir jetzt wieder: Staatliche Unterstützung. Aber nicht für eine Branche der Vergangenheit, sondern für eine der Zukunft. Möglichst eine, wo Autobauer-Skills mit vertretbarer Weiterbildung eingesetzt werden können.

    Hier muss jetzt etwas geschehen. Eine Unterstützung der Automobilbranche darf dabei höchstens als klar begrenzte Übergangslösung angegangen werden.

  3. Opel retten oder nicht - ein sehr komplexes Problem. Hier ein paar Thesen, die zu einer Lösung beitragen können:

    1. Es macht keinen Sinn etwa zu behaupten, der Staat dürfe nicht eingreifen, weil dies gegen den Geist der Marktwirtschaft sei. Es gibt/gab die reine Marktwirtschaft der Ordoliberalen noch nie. In der Praxis geht es nur um die Folgenabwägung zwischen verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Zielen.
    2. Primäre Randbedingung dabei ist: Opel muss mittelfristig überlebensfähig sein. Das heisst, es muss einen Plan B geben, der ohne GM eine valide Zukunft für Opel garantiert.
    2a. Da Opel bisher auch schon Autos verkauft hat, und dabei Gewinn gemacht hat, kann man sich mit der Suche nach einem geeigneten Partner etwas Zeit lassen. Die Hoffnung ist da, dass es ihn geben wird. Wahrscheinlich aus Indien oder China.
    3. Die Bürgschaft muss technisch so ausgestaltet sein, dass ein Missbrauch durch GM ausgeschlossen ist.
    4. Wird die Bürgschaft gezogen, muss aus Wettbewerbsgründen sicher gestellt werden, dass sie von den späteren Partnern zurückgezahlt wird.

    Alles andere - insbesondere solche Kassandrarufe wie in ihrem Artikel aus dem schiefen Elfenbeinturm - halte ich für nicht angemessen.

    • Amaro
    • 17.11.2008 um 16:01 Uhr

    Genau, wir alle müssen endlich umdenken und können uns keine sinnlosen Überproduktionen leisten.

    Soll doch endlich die Vernunft walten und unsere Politiker an dieser - auch im Wahlkampf - gemessen werden.

    Dass wir, das Volk - und laut Grundgesetz - der Souverän, nun aus Wahlkampfgründen wieder einmal besonders geblendet und zur Kasse gebeten werden sollen, ist inakzeptabel.

    Die Fehler der Automobilindustrie sind nicht die Fehler des Soveräns.
    In Haftung zu nehmen sind die, die die Fehler verursacht haben - und zwar mit allen Konsequenzen.

    Ja, viele werden den Gürtel enger schnallen müssen.

  4. Im Übrigen ist das, was die Redakteurin uns als "Analyse" verkaufen will einfach nur schlechter Journalismus, nach dem gängigen Rezept: Man nehme einen sog. Experten und einen Professor mixe deren Meinungen und fertige ist die sog Analyse.

    Dann behaupte man ein Problem, für dessen Existenz man die zwei Experten heranziehen kann und für das Opel verantwortlich ist.

    Dann schlussfolgert man, dass der Staat an den Problemen von Opel nichts ändern kann.

    Und zusätzlich behauptet man, dass der Staat auch den Missbrauch von Geldern nicht kontrollieren könne.

    Fertig ist das Stück. Soll das Journalismus sein? Der ZEIT angemessen?

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    • Lysann
    • 17.11.2008 um 18:52 Uhr

    Auch Kritik benötigt eine Begründung, die das Urteil untermauert. Insofern hat Ihr Kommentar nicht zu einer differnzierten Sicht beigetragen.

    • Lysann
    • 17.11.2008 um 18:52 Uhr

    Auch Kritik benötigt eine Begründung, die das Urteil untermauert. Insofern hat Ihr Kommentar nicht zu einer differnzierten Sicht beigetragen.

  5. Es glaubte auch nie einer das große Banken Insolvent gehen können ...Siehe Lehman. Und es ist weit und breit keiner in Sicht der so ein Unternehmen übernehmen könnte Siehe Lehman oder doch etwa ein Inder oder Chinese? so bitter es auch ist aber der Automarkt kommt nicht an einer Anpassung vorbei.......

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