Die Zahl der Stipendiaten an deutschen Hochschulen ist gering: Nur zwei Prozent der Studierenden erhalten gegenwärtig Unterstützung durch ein Stipendium. Zwar ist die Zahl gestiegen, sie sei jedoch noch immer deutlich zu niedrig, findet der Präsident des Deutschen Studentenwerks Rolf Dobischat: "Von einem Stipendiensystem, das diesen Namen auch verdient hätte, sind wir in Deutschland weit entfernt. Weder die Länder mit Studiengebühren noch die Wirtschaft haben bisher ihre vollmundigen Ankündigungen eingehalten."

Abhilfe schaffen soll der Vorschlag des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart. Bereits im vergangenen Jahr entwickelte er ein Stipendienmodell, das einen einheitlichen Förderbetrag für die besten zehn Prozent aller Studenten vorsieht. 300 Euro sollen die Spitzen-Studenten nach Pinkwarts Plan monatlich erhalten, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Die Kosten, pro Jahr über 700 Millionen Euro, sollen nach dem Willen des Ministers zur Hälfte von der Wirtschaft getragen werden. Jede Uni wäre selbst dafür verantwortlich, solvente Gönner zu finden.

Vor Kurzem gründeten die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern auf dem kleinen Bildungsgipfel eine Arbeitsgruppe zum Thema Stipendien. Die Reaktionen auf Pinkwarts Vorstoß sind gemischt. Während einige ein solches System für ungerecht halten, möchten andere Pinkwarts Modell sogar für die eigene Stiftung übernehmen.

"Uns gefällt der Vorschlag sehr gut", sagt Gehart Teufel, Generalsekretär der Studienstiftung des Deutschen Volkes. "Die 300 Euro, die das Modell vorsieht, sind ein großer Schritt in Richtung Selbständigkeit für alle geförderten Studenten. Würden wir unser jetziges Fördermodell auf einheitlich 300 Euro umstellen, bekämen 80 Prozent unserer Stipendiaten mehr Geld als vorher."

Bislang berechnet sich die Höhe der Stipendien der großen deutschen Stiftungen nach dem Einkommen der Eltern. Etwa die Hälfte der Stipendiaten bekommen daher lediglich ein monatliches Büchergeld in Höhe von 80 Euro. Die geplanten 300 Euro hält Teufel für angemessen. "Wenn man noch das Gehalt eines Hilfskraft-Jobs an der Uni und das Kindergeld hinzurechnet, wären die Stipendiaten in der Lage, ihr Studium auch unabhängig von ihren Eltern zu finanzieren", sagt Teufel.

Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, hält die Summe für zu gering. "Die 300 Euro erscheinen mir lediglich als eine Art Ergänzung." Allein reiche dies nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch dass sich der Betrag wie geplant zum BAföG hinzuaddieren lasse, bezweifelt er. "Das BAföG ist eine Sozialleistung, das Stipendium müsste deshalb angerechnet werden." BAföG-Empfänger würden so kaum Vorteile aus der geplanten Förderung ziehen.