Bayern und Podolski Poldi hier, Poldi da, Poldi trallalla

Aus der Frohnatur Lukas Podolski ist in München ein nachdenklicher Zauderer geworden. Ein Wechsel täte gut.

Er entsendete einen Blick in den Florenzer Nachthimmel, als wollte er Abschied nehmen. Abschied vom FC Bayern. Im vergangenen Champions-League-Spiel gegen den AC Florenz hatte er abermals seine Nominierung nicht gerechtfertigt. Ausgewechselt saß Lukas Podolski zehn Meter von seinen Kollegen und den Trainern entfernt, neben sich eine ausrangierte Kabeltrommel.

Innerhalb eines Jahres ist aus der Humorbombe ein nachdenklicher Zauderer geworden. Eine unfreiwillige Transformation oder vielleicht der wahre Podolski? „Poldi hier, Poldi da, Poldi trallalla. Das ist jetzt vorbei. Ich bin ja ganz anders“, hatte er schon vor knapp einem Jahr einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung eingefordert. Er müsse zunehmend einen „Tunnelblick“ entwickeln. Gemeint war der Fokus auf Stammplatz und Leistung, herausgekommen ist im Herbst 2008 ein Tunnel Richtung Ersatzbank, ohne Licht am Ende.

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Podolski hat abgeschlossen mit München, das steht in seinen immer öfter verspannten Mundwinkeln geschrieben. „Ich spiele sehr gerne Fußball und habe viel Spaß an meinem Sport. Wenn das hier nicht möglich ist, muss ich mich eben weiter umschauen“, deutete er einen gewünschten Wechsel zum Winter hin an. In diesen gezählten Tagen in München beißt er häufig auf seine Unterlippe. Dann sagt er: „Ohne gute Laune kann ich nicht Fußball spielen.“ Vertrauen ist wichtig im Leben des Lukas Podolski.

„Es liegt nur an ihm, sich da durchzuboxen“, sagt sein Trainer Jürgen Klinsmann. Podolski sagt: „Wenn ich nicht spiele, dann bin ich nicht froh. Dann bin ich sauer“, so einfach ist seine Welt.

Nur sein schweifender Blick kündet dann von einer hoffnungsfrohen Zukunft. Er scheint 575 Kilometer nordwestwärts in Richtung Köln zu blicken. Köln ist Podolskis Heimat des Herzens, der 1. FC ist der Verein, wo sie ihn immer noch lieben. Hier spielte er von 1995 bis 2006. Als D-Jugendlicher schnürte der Junge aus dem Kölner Vorort Bergheim zum ersten Mal für die Domstädter die Fußballschuhe, zum „Prinz Poldi“ geadelt verließ er vor gut zwei Jahren die Stadt des Karnevals und zog an die Isar zum großen FC Bayern. Als er in München auf dem Marienplatz im Sommer die Meisterschaft feierte und Tausende: „Bayern, wir lieben dich!“, sangen, schrie Podolski: „Hennes, wir lieben dich!“ Der Ziegenbock Hennes ist das Maskottchen des 1. FC.

Der gebürtige Pole ist der einfache Junge geblieben. Schon Vollprofi, fuhr er täglich mit der Straßenbahn zum Training ans Geißbockheim. „Er war immer gut drauf, eine echte Frohnatur, aber nie abgehoben“, erzählt ein Mitspieler aus dieser unbekümmerten Zeit. Podolski sei einfach gestrickt, sagen die einen, herzlich natürlich, die ihm wohlgesinnten. Er hat nie einen Hehl aus seiner Heimat- und Erdverbundenheit gemacht. Die Zitatsammlung meist unreflektierter karnevalesker Poldi-Sätze ist lang.

Die Bayern zahlten im Sommer 2006 zwölf Millionen Euro für den damaligen Jungstar, dessen Vertrag bis zum 30. Juni 2010 läuft. Heute wird sein Wert auf 14 Millionen taxiert, Uli Hoeneß kokettiert gerne mit deren 20, was unrealistisch ist. Trainer Klinsmann würde ihn gerne behalten: „Wir werden im Winter die Situation diskutieren, aber Stand heute lassen wir keinen gehen.“

Hoeneß hatte den Kölnern im Sommer immerhin ein „Optionsrecht“ eingeräumt, bei Zahlung einer gleich hohen Summe wie ein Konkurrent, zuerst zuschlagen zu dürfen. Kölns Manager Michael Meier kolportierte, dass es eine Vereinbarung mit Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gebe, und sagte: „Er wird mir ein Zeichen geben, wenn Bayern bereit ist, Podolski abzugeben. Erst dann können wir unser Angebot abgeben.“ In den Kölner Boulevardmedien heißt es, ein kölscher Unternehmer sei bereit, hierfür einen Investmentfonds anzulegen. 

Die entscheidende Person könnte Mario Gomez werden, den der FCB händeringend verpflichten will. Erst wenn dies klappen sollte, der russische Internationale Pawel Progrebnjak wäre ebenfalls ein Kandidat, wäre der Weg für Podolski frei. Neben einigen englischen Premier-League-Teams wie Manchester City oder Tottenham Hotspur ist auch Werder Bremen im Gespräch für einen Transfer. Werder-Manager Klaus Allofs: „Man hat ja bei Miro Klose gesehen, wie gut sich Spieler bei uns entwickeln.“ Zudem würde Podolski in das betuliche Bremen passen. Der witzige Sprücheklopfer von einst steht, entgegen der landläufigen Meinung, nicht gerne im Rampenlicht der Metropolen.

Derzeit wohnt Podolski auf dem Land am Pilsensee, 30 Kilometer vom Zentrum Münchens entfernt. „Was soll ich im ,P1’, wenn ich einen Sohn zu Hause habe?“, fragte er im Familienmagazin der SZ. Während Bastian Schweinsteiger über die noble Münchner Leopoldstraße pest, wechselt Podolski täglich Windeln. Sein Sohn ist sieben Monate alt und heißt Louis. In der Rolle des Jungvaters blüht der Nationalstürmer und Reserveangreifer auf. Seine berufliche Karriere steht am Scheideweg. Ein Abschied und ein Wechsel täten gut.

 
Leser-Kommentare
  1. Lukas Podolski ist ein guter Fußballspieler, vielelicht sogar ein sehr guter Spieler. Er hat einen sehr guten Schuss, ist eiskalt vor dem Tor, hat ein gutes Auge und Passspiel. Er hat Probleme im Defensivverhalten, im Dribbling, und manchmal fehlt ihm das taktische Verständnis. Aber ein Podolski kann für fast jede Mannschaft eine Verstärkung sein. Er hat auch an der Hypothek zu tragen, die inzwischen fast jedes Talent in Deutschland betrifft, dass er, und nur er, der Retter des deutschen Fußballs zu sein hat. Es ist zwar nicht mehr ganz so extrem wie im Fall von Sebastian Deisler, aber auch der Druck auf die Podolskis und Schweinsteigers ist enorm. Der Spieler Podolski wurde tatsächlich zu einem Problemfall Podolski, als er von Köln nach München wechselte. Warum? Zum einen dürfte die Gründe dafür bei der Person Podolski liegen. Spaß allein reicht einfach auf dem nun höheren Niveau nicht mehr aus. Spaß haben Millionen von Hobby- und Amateurspielern. Um wirklich ganz nach oben zu kommen, bedarf es eines schon fast fanatischen Trainingsfleißes. Dieser Ehrgeiz dürfte Podolski wohl abgehen. Dies kann man ihm sicher nicht zum Vorwurf machen, er tickt charakterlich einfach anders. Er ist zwar talentiert, jedoch nicht begnadet wie ein Messi, C. Ronaldo, Torres, oder auch Rooney, weshalb er in keinem Spitzenclub in Europa absolut gesetzt sein würde. Auch nicht bei Bayern, die ja mit Klose und Toni (trotz gewisser Formschwankungen) zwei exzellente Stürmer haben. Welche Rolle bliebe von für Podolski? Meiner Meinung nach wäre es die Rolle des "Teamspielers". Und diese Rolle könnte er in München auch sehr gut ausfüllen, er müsste sie nur annehmen. Unter einem Teamspieler verstehe ich einen sehr guten Spieler, der von seiner Leistung her Stammspieler sein könnte, oder es auch über gewise Zeiträume ist, der jedoch das eigene Ego hinter dem Mannschaftsgedanken zurückstellt. Solche Teamspieler werden auch die Zukunft des Fußballs ausmachen. Für einen einzelnen Spieler eines Spitzenclubs in Europa ist es fast nur in Ausnahmesituationen, oder auch auf bestimmten Positionen möglich, sämtliche 50+ Wettbewerbsspiele pro Saison durchzustehen. "Rotation" ist von daher eine Selbstverständlichkeit, oder sollte es zumindest sein. In den Topclubs von Spanien, England oder Italien, in denen für jede Position mindestens 2 absolute Könner bereitstehen, ist dies auch eine Selbstverständlichkeit. Dort sind auch Superstars Teamplayer. Und gelingt dies auch dort nicht, so ist der Misserfolg vorprogrammiert.
    In Deutschland hat sich dies im Bewusstsein der Spieler und auch der Medien noch nicht durchgesetzt. Jeder Spieler, der mal auf die Bank muss, findet einen Journalisten, bei dem er sich ausweinen kann. Meist wird dann überliefert:"Wenn ich nicht bald von Anfang an spiele, bin ich weg!" Leider gelingt es dann den wenigsten Vereinen, diese Spieler wieder zu integrieren, und man lässt sie lieber ziehen. Unter diesem Aspekt hätte der FC Bayern das Experiment Podolski schon längst beenden sollen. Aber für den Erfolg, gerade in der Championsleague, wenn es auf der Zielgerade der Saison darum geht, nochmals alle Kräfte zu bündeln, Verletzungen und Sperren zu kompensieren, braucht es einen qualitativ gut besetzten Kaders bis zur Position 20, 21. Und erst recht eines starken dritten Stürmers. Klinsmann wird um diese Randbedingungen des Erfolges wissen, weshalb er auch versuchen wird, unbedingt an Podolski festzuhalten, aber ich fürchte dass Podolski, auch vor dem Hintergrund der Medien, die dazu notwendige Rolle des Teamspielers nicht annehmen wird.
    Die Fixierung auf "Stammplatz" und "Anfangself" wird wohl auch der Grund sein, weshalb auf mittlere Sicht kaum eine deutsche Mannschaft eine Chance haben dürfte in der CL siegreich zu sein.

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