Bayern und Podolski Poldi hier, Poldi da, Poldi trallallaSeite 2/2

Die Bayern zahlten im Sommer 2006 zwölf Millionen Euro für den damaligen Jungstar, dessen Vertrag bis zum 30. Juni 2010 läuft. Heute wird sein Wert auf 14 Millionen taxiert, Uli Hoeneß kokettiert gerne mit deren 20, was unrealistisch ist. Trainer Klinsmann würde ihn gerne behalten: „Wir werden im Winter die Situation diskutieren, aber Stand heute lassen wir keinen gehen.“

Hoeneß hatte den Kölnern im Sommer immerhin ein „Optionsrecht“ eingeräumt, bei Zahlung einer gleich hohen Summe wie ein Konkurrent, zuerst zuschlagen zu dürfen. Kölns Manager Michael Meier kolportierte, dass es eine Vereinbarung mit Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gebe, und sagte: „Er wird mir ein Zeichen geben, wenn Bayern bereit ist, Podolski abzugeben. Erst dann können wir unser Angebot abgeben.“ In den Kölner Boulevardmedien heißt es, ein kölscher Unternehmer sei bereit, hierfür einen Investmentfonds anzulegen. 

Die entscheidende Person könnte Mario Gomez werden, den der FCB händeringend verpflichten will. Erst wenn dies klappen sollte, der russische Internationale Pawel Progrebnjak wäre ebenfalls ein Kandidat, wäre der Weg für Podolski frei. Neben einigen englischen Premier-League-Teams wie Manchester City oder Tottenham Hotspur ist auch Werder Bremen im Gespräch für einen Transfer. Werder-Manager Klaus Allofs: „Man hat ja bei Miro Klose gesehen, wie gut sich Spieler bei uns entwickeln.“ Zudem würde Podolski in das betuliche Bremen passen. Der witzige Sprücheklopfer von einst steht, entgegen der landläufigen Meinung, nicht gerne im Rampenlicht der Metropolen.

Derzeit wohnt Podolski auf dem Land am Pilsensee, 30 Kilometer vom Zentrum Münchens entfernt. „Was soll ich im ,P1’, wenn ich einen Sohn zu Hause habe?“, fragte er im Familienmagazin der SZ. Während Bastian Schweinsteiger über die noble Münchner Leopoldstraße pest, wechselt Podolski täglich Windeln. Sein Sohn ist sieben Monate alt und heißt Louis. In der Rolle des Jungvaters blüht der Nationalstürmer und Reserveangreifer auf. Seine berufliche Karriere steht am Scheideweg. Ein Abschied und ein Wechsel täten gut.

 
Leser-Kommentare
  1. Lukas Podolski ist ein guter Fußballspieler, vielelicht sogar ein sehr guter Spieler. Er hat einen sehr guten Schuss, ist eiskalt vor dem Tor, hat ein gutes Auge und Passspiel. Er hat Probleme im Defensivverhalten, im Dribbling, und manchmal fehlt ihm das taktische Verständnis. Aber ein Podolski kann für fast jede Mannschaft eine Verstärkung sein. Er hat auch an der Hypothek zu tragen, die inzwischen fast jedes Talent in Deutschland betrifft, dass er, und nur er, der Retter des deutschen Fußballs zu sein hat. Es ist zwar nicht mehr ganz so extrem wie im Fall von Sebastian Deisler, aber auch der Druck auf die Podolskis und Schweinsteigers ist enorm. Der Spieler Podolski wurde tatsächlich zu einem Problemfall Podolski, als er von Köln nach München wechselte. Warum? Zum einen dürfte die Gründe dafür bei der Person Podolski liegen. Spaß allein reicht einfach auf dem nun höheren Niveau nicht mehr aus. Spaß haben Millionen von Hobby- und Amateurspielern. Um wirklich ganz nach oben zu kommen, bedarf es eines schon fast fanatischen Trainingsfleißes. Dieser Ehrgeiz dürfte Podolski wohl abgehen. Dies kann man ihm sicher nicht zum Vorwurf machen, er tickt charakterlich einfach anders. Er ist zwar talentiert, jedoch nicht begnadet wie ein Messi, C. Ronaldo, Torres, oder auch Rooney, weshalb er in keinem Spitzenclub in Europa absolut gesetzt sein würde. Auch nicht bei Bayern, die ja mit Klose und Toni (trotz gewisser Formschwankungen) zwei exzellente Stürmer haben. Welche Rolle bliebe von für Podolski? Meiner Meinung nach wäre es die Rolle des "Teamspielers". Und diese Rolle könnte er in München auch sehr gut ausfüllen, er müsste sie nur annehmen. Unter einem Teamspieler verstehe ich einen sehr guten Spieler, der von seiner Leistung her Stammspieler sein könnte, oder es auch über gewise Zeiträume ist, der jedoch das eigene Ego hinter dem Mannschaftsgedanken zurückstellt. Solche Teamspieler werden auch die Zukunft des Fußballs ausmachen. Für einen einzelnen Spieler eines Spitzenclubs in Europa ist es fast nur in Ausnahmesituationen, oder auch auf bestimmten Positionen möglich, sämtliche 50+ Wettbewerbsspiele pro Saison durchzustehen. "Rotation" ist von daher eine Selbstverständlichkeit, oder sollte es zumindest sein. In den Topclubs von Spanien, England oder Italien, in denen für jede Position mindestens 2 absolute Könner bereitstehen, ist dies auch eine Selbstverständlichkeit. Dort sind auch Superstars Teamplayer. Und gelingt dies auch dort nicht, so ist der Misserfolg vorprogrammiert.
    In Deutschland hat sich dies im Bewusstsein der Spieler und auch der Medien noch nicht durchgesetzt. Jeder Spieler, der mal auf die Bank muss, findet einen Journalisten, bei dem er sich ausweinen kann. Meist wird dann überliefert:"Wenn ich nicht bald von Anfang an spiele, bin ich weg!" Leider gelingt es dann den wenigsten Vereinen, diese Spieler wieder zu integrieren, und man lässt sie lieber ziehen. Unter diesem Aspekt hätte der FC Bayern das Experiment Podolski schon längst beenden sollen. Aber für den Erfolg, gerade in der Championsleague, wenn es auf der Zielgerade der Saison darum geht, nochmals alle Kräfte zu bündeln, Verletzungen und Sperren zu kompensieren, braucht es einen qualitativ gut besetzten Kaders bis zur Position 20, 21. Und erst recht eines starken dritten Stürmers. Klinsmann wird um diese Randbedingungen des Erfolges wissen, weshalb er auch versuchen wird, unbedingt an Podolski festzuhalten, aber ich fürchte dass Podolski, auch vor dem Hintergrund der Medien, die dazu notwendige Rolle des Teamspielers nicht annehmen wird.
    Die Fixierung auf "Stammplatz" und "Anfangself" wird wohl auch der Grund sein, weshalb auf mittlere Sicht kaum eine deutsche Mannschaft eine Chance haben dürfte in der CL siegreich zu sein.

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