Immobilienfonds Opfer der Krise
Weil Anleger fluchtartig ihr Geld abziehen, müssen offene Immobilienfonds reihenweise eingefroren werden. Andere Regeln könnten helfen

© Ethan Miller/Getty Images
Aus Angst vor Verlusten haben Anleger ihr Geld aus offenen Immobilienfonds abgezogen. Dabei war deren Wertentwicklung zuletzt gut
Es ist der Albtraum einer jeden Bank: Kunden stürmen die Schalterhallen, um ihr Erspartes abzuheben, lange Schlangen bilden sich vor den Geldautomaten. Selbst ein gesundes Geldinstitut kann so binnen kürzester Zeit in die Schieflage geraten. Ähnliches passiert derzeit bei den rund 36 in Deutschland erhältlichen Immobilienfonds in Deutschland. Viele von ihnen sind in Not geraten, weil verängstigte Kunden zuletzt in Scharen ihr Geld abgezogen haben.
Dabei sind die offenen Immobilienfonds im Kern von der Krise gar nicht betroffen. Im Vergleich zu Aktien- und manch anderen Anleihenfonds sieht ihre Wertentwicklung eigentlich gut aus. Bis Ende September warfen sie durschnittlich aufs Jahr gerechnet jeden Monat 5,1 Prozent Rendite ab, kein einziger Fonds schrieb in dieser Zeit Verluste. Weil Mietverträge in der Regel über längere Zeiträume laufen, dürfte auch die anstehende globale Rezession die Renditen nicht in großem Stile drücken. Dennoch gerieten die Anleger in Panik - und haben die Fonds nun in Schieflage gebracht.
Allerdings trifft das die Immobilienfonds anders als ein Kundensturm eine Bank. Denn die Fondsgesellschaften können die Auszahlungen ihrer Fonds kurzzeitig sperren, um Notverkäufe zu verhindern. Rund ein Drittel der Fonds haben das zuletzt getan. Ihre Kunden kommen erst wieder an ihr Geld, wenn sich die Finanzlage ihres Fonds normalisiert hat.
Dass die Gelder nun eingefroren werden, mag für die Kunden ärgerlich sein. In Zeiten der Krise aber wirkt die Regel wie ein Schutz vor Notverkäufen. Hektische Verkäufe von Großimmobilien sind aber seit jeher ein Garant für ein herbes Minus. Zudem wäre es für die Verkäufer ein finanzielles Harakiri, würden sie zum jetzigen Zeitpunkt den Markt mit Bürokomplexen fluten, da die Käufer von Immobilien in einen Streik getreten sind.
Warum aber haben Anleger die offenen Immobilienfonds wie heiße Kartoffeln fallen gelassen? Zunächst einmal dürfte die ständige Präsenz des Begriffs „Immobilienkrise“ viele Investoren verschreckt haben. Aus Unsicherheit zogen sie ihr Geld ab. Darüber hinaus hängen manche Immobilienfonds am Tropf von Dachfonds und Vermögensverwaltern. Wenn deren Kunden ihre Gelder abrufen oder das Guthaben aus strategischen Gründen umgeschichtet wird, ziehen solche Großinvestoren von heute auf morgen Millionenbeträge ab. Das aber schmerzt die Verwalter von offenen Immobilienfonds mindestens so sehr wie die Mittelabzüge Tausender Kleinanleger.
Das zeigt, dass sowohl institutionelle wie auch private Anleger das Prinzip der offenen Immobilienfonds nicht verstanden haben. Denn kein anderes Fondsprodukt ist für den schnellen Kauf und Verkauf weniger geeignet. Das Fondsvermögen steckt in illiquiden Vermögenswerten, deren Verkauf oft über Jahre hinweg vorbereitet werden muss. Zwar dienen Anleihen und Geldmarktguthaben als Liquiditätspuffer. Doch das bringt die Fondsmanager in die Zwickmühle: Je üppiger die Reserve, umso bescheidener wird die Rendite, weil sie auf Mieteinnahmen verzichten müssen.
Diejenigen, die offene Immobilienfonds als Kurzfrist-Investment oder gar als Alternative zu Tages- und Festgeld eingesetzt haben, sind somit die Auslöser der Liquiditätskrise. Dabei hat bereits vor drei Jahren die vorübergehende Schließung eines Immobilienfonds der Deutschen Bank gezeigt, wie problematisch das ist.
Das Lernvermögen der Investoren ist offenbar begrenzt. Deshalb wäre es für die Fondsbranche an der Zeit darüber nachzudenken, wie man kurzfristige Mittelabflüsse begrenzen kann. Eine Möglichkeit hierfür waren Mindesthaltefristen oder monatliche Rückgabelimits, wie sie auch bei Bundesschatzbriefen gelten. Anleger hätten dann dennoch die Option, ihre Anteile ohne Auswirkung auf das Volumen des Fonds an der Börse zu verkaufen, wenn die Fonds dort notiert sind.
- Datum 04.05.2009 - 11:09 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Der Anreiz in offene Immobilienfonds zu investieren, ist die Stabilität und die Möglichkeit das Geld im Zweifelsfalle wieder rausnehmen zu können.
Wenn diese Möglichkeit nicht mehr bestehen würde, dann hätte man erstens einen geschlossenen Fonds und zweitens würde man eine Situation herstellen, die ja eben gerade zur laufenden Krise geführt hat: Fondsmanager und Banker hätten praktisch Narrenfreiheit und würden sich einen Deubel darum scheren, welche Konsequenzen ihr Handeln haben könnte.
Freier Markt? Na wenn schon, denn schon. Weshalb sollte der freie Markt nur zugunsten der Banken funktionieren? Und die Sparer dürften nicht mal "es reicht" sagen. Die Banken verdienen doch dick an den Fonds. Weshalb sollten sie nicht mindestens ein Teilrisiko tragen?
Aber man sieht schon deutlich, wie man sich die "neue Weltordnung" vorstellen kann, die uns gerade dämmert: Freie Märkte für alle, nur für uns noch ein bisschen freier. Mehr Narrenfreiheit für Banken, mehr Möglichkeiten der führenden Industrienationen Schwellenländer unter zu buttern, kurz: ein Ausbau der bestehenden Machtverhältnisse.
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