Ruanda "Die Mörder lasst ihr laufen"

Heftige Proteste gegen Deutschland und Frankreich in Kigali: Die Verhaftung einer Freiheitskämpferin aus Ruanda in Frankfurt löst eine diplomatische Krise aus

Ruandas Präsident Paul Kagame

Ruandas Präsident Paul Kagame

Kigali
Ein Sturm der Entrüstung fegte heute Vormittag durch die Hauptstadt Ruandas. Deutschen und französischen Staatsbürgern, die in Kigali leben, wurde von ihren diplomatischen Vertretungen empfohlen, sich nicht auf die Straße zu begeben, denn der Zorn des Volkes richtete sich gegen diese beiden EU-Länder, vor allem aber gegen Deutschland.

Eine Viertel Millionen Demonstranten hatten sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes vor der Deutschen Botschaft versammelt, weitere 130.000 marschierten vor der Relaisstation der Deutschen Welle auf. Dabei wurden antideutsche Sprüche skandiert: "Holocaust! Himmler! Hitler!"

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Der Grund des Massenprotestes ist die Auslieferung von Rose Kabuye an Frankreich. Kabuye, die Protokollchefin des ruandischen Präsidenten Paul Kagame, war am 9. November bei ihrer Einreise nach Deutschland am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Gegen sie und weitere Spitzenpolitiker Ruandas liegt ein europäischer Haftbefehl aus Frankreich vor. Kabuye saß zehn Tage in einem Frankfurter Frauengefängnis und wurde heute nach Paris überstellt.

Der Vorwurf des französischen Untersuchungsrichters Jean-Louis Bruguière: Präsident Kagame und seine Mitstreiter sollen den Völkermord in Ruanda im Jahre 1994 durch den Abschuss des Flugzeugs des damaligen Präsidenten Juvénal Habyarimana ausgelöst haben.

Die Beweislage ist schwach, die These höchst gewagt. Sie wurde durch unabhängige Untersuchungen der Vereinten Nationen und des Internationalen Gerichtshofs für Ruanda eigentlich längst widerlegt. Diese Reporte kommen nämlich zu dem Ergebnis, der Genozid sei lange vor dem Flugzeugabschuss geplant gewesen.

Rose Kabuye war die ranghöchste Frau in der Rebellenarmee FPR, die 1994 das Regime der Hutu gestürzt und den Völkermord beendet hat. Bei dem Genozid sind 800.000 Menschen ermordet worden, überwiegend Tutsi, aber auch moderate Hutu. Die Ruander nennen Kabuye "Rosenkriegerin". Seit der Befreiung wird sie als Volksheldin verehrt.

"Welch eine Perversität, gegen eine Frau, die ihr Leben geopfert hätte, um das Morden zu beenden, solche Anschuldigungen vorzubringen", klagen Offizielle aus Kagames Umfeld. "Man unterstellt uns, unsere Vernichtung in Kauf genommen zu haben. Was geschähe, wenn Ruanda Anschuldigungen gegen deutsche Überlebende des Holocaust erheben würde, diesen Völkermord initiiert zu haben, und diese dann auch noch festnehmen ließe", fragt Kigalis Oberbürgermeisterin Aisa Kirabo Kakira. "Die internationale Empörung wäre groß."

Leser-Kommentare
  1. Immer so benachteiligt. Und nur weil... ja warum eigentlich? Es gibt einen Haftbefehl. Also wird der vollstreckt das wuste die Frau auch. Warum provoziert sie es wenn sie weis das sie nur unter dem Schutz der delegation reisen muss. Um zu zeigen fuer mich gelten keine Gesetze? Oder um den Fall ins rollen zu bringen? Bei zweiterem wozu die Hetze? Dann ist genau das passiert was sie beabsichtig haben. Sollten aber nun unschuldige zum Handkuss kommen was dann? Ich bezweifle ernsthaft das irgendein Botschafter den Bruch des Voelkerrechts gutheissen wuerde. (Verhaftung des Botschafters, ausweisen steht ihnen frei). Aber ein wenig Hetzen darf man ja. Weil Ruande hat im Augenblick so viele Freunde (nachdem ihre Truppen im Kongo sind). Was noch dazu kommt, solche Anklagen muessen vor den internationalen Gerichtshof. Und dort ist die Klage auch (also kein Landgericht in Frankreich). Und dort haette man die Klage immer einsehen koennen und auch entkraeften, wenn man wollen haette. (nein Reporte alleine reichen nicht und auch die muessen vorgelegt werden die Verteidigung obliegt Ruanda) Aber weil es Afrikaner sind sind sie automatisch Opfer. Egal was passiert.

    • Aenas
    • 19.11.2008 um 18:31 Uhr

    ich frage mich, wieso so etwas gegen Regierungsmitglieder eines afrikanischen Staates möglich ist, aber nicht mit jemanden von einer westlichen Industrienation!!!
    Warum darf ein Herr Powell zum Beispiel noch auf freien Fuß internationale und nationale Politik beurteilen, kommentieren und beeinflussen!? Dieser Mensch gehört eigentlich hinter Gitter, dafür sollte sich Deutschland engagieren!!! Das wäre dann auch endlich einmal etwas, was man stolz seinen Kindern erzählen könnte.
    "Wir Deutsche haben als erste einen wirklichen Kriegsverbrecher festgenommen, und alle haben uns mit Stolz und Neid angeschaut. Wir haben als Erste den Schritt Richtung einer gerechteren Weltordnung betreten..."
    Das wäre doch einmal etwas, wozu ein erster Schritt sich lohnen würde!!!
    Ganz geschweige von den Anderen politischen Verbrechern, die immer noch, zum Beispiel, für Bush arbeiten, inkludiert natürlich auch members of the WTO, IMF und WB...

  2. fuer die Drecksarbeit einspannen, wie zu alten Strauss-Suedafrika-Waffendeal-Zeiten. Frankreichs hysterische Reaktionen lassen leider befuerchten, dass man sehr viel enger mit den Hutu-Schlaechtern verbandelt ist, als uns lieb sein kann, da kommen vielleicht noch sehr haessliche Sachen hoch.

  3. Bis 1918 noch Teil von Deutsch-Ostafrika, ist Ruanda das unglücklichste Land der Welt. Bei der Massen-Abschlachtung von 800.000 Menschen sah Deutschland achselzuckend aus der Ferne zu, ohne auch nur einen Finger zu rühren. Viele andere Länder versuchten zu helfen, nur Schröders Deutschland und Clintons USA nicht. Selbst aus der kleinen Armee des fernen Kanada kam damals eine Schutztruppe, die natürlich nichts gegen die riesige Übermacht ausrichten konnte. Clinton erklärt es heute öffentlich als seinen allergrößten Fehler, damals nicht eingeschritten zu sein.

    Man muss es Frankreich lassen, es kümmert sich als einzige ehemalige Kolonialmacht auch heute noch um die alten Kolonialgebiete, und versucht, immer wieder Hilfe zu leisten, wenn irgendwo Stammesfehden ausbrechen.

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    @Dunnhaupt: Du bist nicht gut informiert.

    > Viele andere Länder versuchten zu helfen ...

    Niemand hat wirklich versucht, zu helfen, mit Ausnahme des kommandierenden Generals der kleinen UN-Schutztruppe, Romeo Dallaire. Und als der (vor dem Beginn des Völkermords) Verstärkung angeforderte, weil er die Vorbereitungen des Völkermords aufgedeckt hatte, wurde sie ihm von der UN verweigert und ihm verboten, einzugreifen.
    Google mal nach Romeo Dallaire.
    http://www.zeit.de/2004/0...
    http://www.taz.de/index.p...
    http://www.stern.de/polit...

    > Man muss es Frankreich lassen, es kümmert sich als einzige
    > ehemalige Kolonialmacht auch heute noch um die alten
    > Kolonialgebiete, und versucht, immer wieder Hilfe zu
    > leisten, wenn irgendwo Stammesfehden ausbrechen.

    Na ja, wenn man das "kümmern" nennen kann ... Frankreich hat durch die Ausrüstung und Ausbildung der Hutu-Milizen dazu beigetragen, dass der Völkermord überhaupt möglich war. Und dann haben die Franzosen den Tätern den freien Rückzug gesichert (Operation Turquoise).
    http://www.sueddeutsche.d...
    Mit Ruhm bekleckert haben sie sich da ganz sicher nicht. Das wird inzwischen seitens Frankreich auch vorsichtig eingeräumt.

    @Dunnhaupt: Du bist nicht gut informiert.

    > Viele andere Länder versuchten zu helfen ...

    Niemand hat wirklich versucht, zu helfen, mit Ausnahme des kommandierenden Generals der kleinen UN-Schutztruppe, Romeo Dallaire. Und als der (vor dem Beginn des Völkermords) Verstärkung angeforderte, weil er die Vorbereitungen des Völkermords aufgedeckt hatte, wurde sie ihm von der UN verweigert und ihm verboten, einzugreifen.
    Google mal nach Romeo Dallaire.
    http://www.zeit.de/2004/0...
    http://www.taz.de/index.p...
    http://www.stern.de/polit...

    > Man muss es Frankreich lassen, es kümmert sich als einzige
    > ehemalige Kolonialmacht auch heute noch um die alten
    > Kolonialgebiete, und versucht, immer wieder Hilfe zu
    > leisten, wenn irgendwo Stammesfehden ausbrechen.

    Na ja, wenn man das "kümmern" nennen kann ... Frankreich hat durch die Ausrüstung und Ausbildung der Hutu-Milizen dazu beigetragen, dass der Völkermord überhaupt möglich war. Und dann haben die Franzosen den Tätern den freien Rückzug gesichert (Operation Turquoise).
    http://www.sueddeutsche.d...
    Mit Ruhm bekleckert haben sie sich da ganz sicher nicht. Das wird inzwischen seitens Frankreich auch vorsichtig eingeräumt.

  4. Ruanda war 1994, Schröder wurde 1998 gewählt. Das nur so am Rande.

  5. @Dunnhaupt: Du bist nicht gut informiert.

    > Viele andere Länder versuchten zu helfen ...

    Niemand hat wirklich versucht, zu helfen, mit Ausnahme des kommandierenden Generals der kleinen UN-Schutztruppe, Romeo Dallaire. Und als der (vor dem Beginn des Völkermords) Verstärkung angeforderte, weil er die Vorbereitungen des Völkermords aufgedeckt hatte, wurde sie ihm von der UN verweigert und ihm verboten, einzugreifen.
    Google mal nach Romeo Dallaire.
    http://www.zeit.de/2004/0...
    http://www.taz.de/index.p...
    http://www.stern.de/polit...

    > Man muss es Frankreich lassen, es kümmert sich als einzige
    > ehemalige Kolonialmacht auch heute noch um die alten
    > Kolonialgebiete, und versucht, immer wieder Hilfe zu
    > leisten, wenn irgendwo Stammesfehden ausbrechen.

    Na ja, wenn man das "kümmern" nennen kann ... Frankreich hat durch die Ausrüstung und Ausbildung der Hutu-Milizen dazu beigetragen, dass der Völkermord überhaupt möglich war. Und dann haben die Franzosen den Tätern den freien Rückzug gesichert (Operation Turquoise).
    http://www.sueddeutsche.d...
    Mit Ruhm bekleckert haben sie sich da ganz sicher nicht. Das wird inzwischen seitens Frankreich auch vorsichtig eingeräumt.

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