Abschwung in der Schiffsbranche Volle Kraft zurückSeite 2/2

Längst hat in der Branche eine wilde Rabattschlacht begonnen. Die Reeder haben Sorge, ihre Schiffe nicht voll zu kriegen, und senken nun ihre Preise, um überhaupt am Markt zu bleiben. Zwar denken nun einige Unternehmen darüber nach, alte Schiffe schneller als bislang stillzulegen. Aber auch das wird nicht reichen, um den Zuwachs an neuen Schiffen im kommenden Jahr – rund 15 Prozent mehr – auszugleichen. Gleichzeitig sinkt das Wachstum des weltweiten Containerverkehrs im kommenden Jahr einigen Schätzungen zufolge auf sieben Prozent ab – ursprünglich rechnete die Branche einmal mit 12 Prozent. "Eine Trendwende wird frühestens 2010 möglich sein, wenn das Wachstum wieder anzieht", sagt Experte Lemper.

Dann, so glaubt Lemper, dürfte sich auch die Lage an den Finanzmärkten beruhigt haben. Diese machen der Branche ebenfalls zu schaffen. Besondere Probleme bereiten dabei die sogenannten Akkreditive, Bürgschaften von Banken, die nötig sind, um das Risiko beim wochenlangen Transport von Erz, Stahl und Kohle abzufedern. In der jetzigen Krise übernehmen die klammen Kreditinstitute diese seltener; oftmals bleibt so die Ladung in den Häfen Brasiliens oder Australiens liegen.

Möglichweise aber könnte der Markt sich sogar ein Stück weit selbst reinigen. Denn der schwächelnde Kapitalmarkt bringt derzeit zunehmend Werften in die Bredouille, die an neuen Schiffen arbeiten. Die Zwischenfinanzierung der Großprojekte gestaltet sich angesichts der Kreditflaute schwierig. Die Lindenau-Werft in Kiel musste deshalb bereits Bankrott anmelden. Viele Anleger halten sich zudem bei den einst so beliebten Schiffsfonds zurück, weil sie Sorge haben, dass ihre Ausschüttungen im Zuge der Krise sinken könnten.

Beim Verband der Reeder warnt man jedoch vor Panik. In den achtziger Jahren seien die Preise schon einmal niedrig gewesen, heißt es dort, danach habe man goldene Jahre des Booms erlebt. “Wer schon lange im Geschäft ist, hat schon härtere Zeiten durchgemacht“, sagt Sprecher Johns.

 
Leser-Kommentare
  1. Der zeitweilig enorme Anstieg des Ölpreises gab den ersten Anstoß zur relativen Unrentabilität des Containertransports. Die Transportkosten pro Container verdoppelten sich mit dem Resultat, dass sich nur noch der Transport kleiner Gegenstände (Spielzeug und Pullover) finanziell verkraften ließ, wohingegen der Containertransport von Kühlschränken oder Flugzeugreifen plötzlich unverhältnismäßig kostspielig wurde.

    Da die US-Wirtschaft bisher 50% des Weltkonsums beanspruchte, verursacht ihr plötzlicher Einbruch einen empfindlichen Rückgang des Containergeschäfts. Mit einem Ende der Flaute des Schiffstransports ist also vorerst nicht zu rechnen.

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