Das Festhalten von Andrea Ypsilanti am Partei- und Fraktionsvorsitz der Hessen-SPD trotz ihrer gescheiterten Machtübernahme stößt auch in der Bundespartei auf Widerspruch. SPD-Bundestagsfraktionschef Peter Struck legte ihr nahe, das Fraktionsamt an den neuen Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel abzugeben, falls die SPD bei der Neuwahl am 18. Januar in der Opposition bleibt.

"Dass Thorsten Schäfer-Gümbel für den Fall, dass er nicht Ministerpräsident werden sollte, den Fraktionsvorsitz übernimmt, halte ich für ausgemacht", sagt Struck der Zeitschrift Super Illu . Ypsilantis Aufgabe bis zur Neuwahl sieht Struck darin, den Rückhalt, den sie in der hessischen SPD genießt zu nutzen, um das Vertrauen von Partei und Öffentlichkeit in Schäfer-Gümbel zu stärken.

Der SPD-Abweichler Jürgen Walter forderte Ypsilanti sogar auf, noch diese Woche zugunsten von Schäfer-Gümbel auf den Fraktionsvorsitz zu verzichten. "Es wäre einfacher für Schäfer-Gümbel, wenn Ypsilanti nicht so an ihren Ämtern kleben würde. Das würde seine Chancen erhöhen", sagte er der Frankfurter Rundschau .

Schäfer-Gümbel wies solche Forderungen zurück. Er selbst habe Ypsilanti gebeten, als Partei- und Fraktionschefin im Amt zu bleiben, damit er sich ganz auf die Spitzenkandidatur konzentrieren könne. Gleichzeitig bemühte er sich im innerparteilichen Streit nach dem gescheiterten Machtwechsel um Mäßigung. Bei dem harten Vorgehen gegen die Abweichler gehe es "nicht um einen Rachefeldzug", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung . In der Partei gebe es aber "große Enttäuschung, große Depression, gar Wut" über deren Verhalten.

Der ehemalige SPD-Vize Walter und die SPD-Abgeordneten Dagmar Metzger, Silke Tesch und Carmen Everts hatten Ypsilanti vor zwei Wochen die Unterstützung bei der Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung unter Duldung der Linken verweigert. Die Partei hat Walter, Tesch und Everts inzwischen die Mitwirkungsrechte entzogen und drängt sie zum Parteiaustritt oder prüft einen Parteiausschluss. Metzger und Everts wollen bei der Landtagsneuwahl nicht wieder kandidieren.

Everts erklärte am Samstag, sie werde durch das Parteiausschluss-Verfahren gegen sie und die damit verbundene sofortige Aberkennung der Mitgliedsrechte an einer erneuten Kandidatur gehindert. "Ich frage mich, was das freie Mandat in meiner Landespartei noch zählt", erklärte Everts.