Volkszählung Republik der UntotenSeite 2/2
"Wir haben im Moment keine guten Zahlen mehr", sagt Eckart Elsner, ehemaliger Chef des Statistischen Landesamtes Berlin. Schließlich seien die letzten Volkszählungen Jahre her. In Westdeutschland gab es den letzten Zensus 1987, im Osten 1981. Seitdem werden die Daten jedes Jahr schlechter. Denn sie werden nicht neu erhoben, sondern nur "fortgeschrieben": Auf den Bestand der letzten Volkszählung werden Geburten und Zuzüge addiert, Todesfälle und Wegzüge werden abgezogen. Das geschieht in den Einwohnermelderegistern der einzelnen Gemeinden, 14.000 gibt es davon in Deutschland.
"Das sind 14.000 mögliche Fehlerquellen", sagt Rembrandt Scholz aus Rostock. Das Problem: Wenn Bürger umziehen, kommt es vor, dass sie sich zwar am neuen Wohnort anmelden, beim alten Einwohnermeldeamt aber nicht ab. Fortan werden solche Menschen doppelt geführt. Der eine ist echt, der andere verbleibt nach dem Tod seines realen Pendants als Karteileiche. 2,3 Millionen solcher Fälle gab es im Jahr 2001, wie das Statistische Bundesamt aus einer Stichprobe berechnete. Allerdings kommt es auch vor, dass in den Amtsstuben einige Personen zu wenig gezählt werden. Insgesamt eine ziemlich unübersichtliche Sache. Wie weit die Zahlen stimmen, ist kaum noch zu sagen.
Viele Hoffnungen ruhen nun auf der Volkszählung, die die EU für 2011 vorgeschrieben hat. Doch auch die werde das Problem nicht grundlegend lösen, sagt Statistiker Eckart Elsner. Zwar würden dann die Zahlen der amtlichen Bundesstatistik durch Stichproben korrigiert. Doch die einzelnen Register in den Gemeinden, die auf Dauer die eigentliche Basis für die amtlichen Datensammler sind, dürfen nicht korrigiert werden. Das verbieten die deutschen Datenschutzgesetze.
"Man macht einen großen Aufwand, um gute Daten zu bekommen, aber die Register sind nicht bereinigt", moniert Elsner. Demograf Rembrandt Scholz fordert daher ein neues, zentrales Erfassungsregister für alle Bürger. Darin seien Doppeltzählungen und andere Fehler sofort erkennbar. Dass es ein solches Erfassungssystem hierzulande nicht gebe, sei kein Problem des gesetzlichen Datenschutzes, sondern ein politisches: "Jeder Vorschlag, der nach Zentralismus klingt, gilt momentan als schlecht." Und habe darum keine Chance. Auf absehbare Zeit werden die deutsche Demografiezahlen wohl vage bleiben - und brauchbarer Stoff für neue Volksmythen.
- Datum 14.11.2008 - 18:05 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 12
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Wie wollen eigentlich Politiker weitreichende Entscheidungen zur Rente, zum Renteneintrittsalter usw. treffen, wenn niemand weiß, wie alt wir eigentlich sind bzw. werden? Nicht nur die Extrapolation kann dann ja beliebig in die Hose gehen, wenn schon der Status quo so ungenau bekannt ist, dann lohnt es sich ja überhaupt nicht, erst extrapolieren zu wollen. Ich bin ja sehr für Datenschutz, aber solche grundlegenden Daten, die anonymisiert verwendet werden können, sollten als Politikgrundlage unbedingt genau erhoben und ständig kontrolliert bzw. verbessert werden.
sind die tatsächlichen Kosten, die auf uns wegen den älteren Herrschaften zukommen GERINGER (weil es laut Artikel weniger Alte gibt) statt höher? Oder haben da die Statistiker irgendwelche Varianz- oder sonstige Analysen gemacht?
Nein, tun Sie nicht.
Wenn es weniger Alte gibt als angenommen, fallen die Sozialkosten tatsächlich ebenfalls geringer aus. Die Frage ist, wieviel geringer: Wenn man dauerhaft ins Ausland geht, muss man sich in der Regel vor Ort krankenversichern. Sachleistungen und Infrastruktur wie Altentagesstätten und Fahrdienste fallen sowieso nicht so stark an, wenn viele Leute ihren Lebensabend im Ausland verbringen.
Aber die deutsche Rente kann ins Ausland mitgenommen werden, vorausgesetzt, dass lange genug eingezahlt wurde und die Wartefrist erfüllt ist. Deshalb wäre es für Rentenprognosen so wichtig, zu wissen, wann genau die Leute ins Ausland zurückkehren. Das lässt sich nicht mit einer Volkszählung alle 25 Jahre erheben; da müsste schon eine ganze Zeitreihe aufgebaut werden.
Nein, tun Sie nicht.
Wenn es weniger Alte gibt als angenommen, fallen die Sozialkosten tatsächlich ebenfalls geringer aus. Die Frage ist, wieviel geringer: Wenn man dauerhaft ins Ausland geht, muss man sich in der Regel vor Ort krankenversichern. Sachleistungen und Infrastruktur wie Altentagesstätten und Fahrdienste fallen sowieso nicht so stark an, wenn viele Leute ihren Lebensabend im Ausland verbringen.
Aber die deutsche Rente kann ins Ausland mitgenommen werden, vorausgesetzt, dass lange genug eingezahlt wurde und die Wartefrist erfüllt ist. Deshalb wäre es für Rentenprognosen so wichtig, zu wissen, wann genau die Leute ins Ausland zurückkehren. Das lässt sich nicht mit einer Volkszählung alle 25 Jahre erheben; da müsste schon eine ganze Zeitreihe aufgebaut werden.
Da sieht man mal wieder wie effizient die deutschen Ämter arbeiten.
Natürlich wird die Teilschuld dann wieder mal auf den Bürger abgewälzt:
"Das Problem: Wenn Bürger umziehen, kommt es vor, dass sie sich zwar am neuen Wohnort anmelden, beim alten Einwohnermeldeamt aber nicht ab. "
Wäre eigentlich kein Problem, wenn das mehr zentralisiert erfasst bzw verarbeitet würde oder wenn die einzelnen Ämter miteinader reden würden. Kommunikation ist alles!
Aber wie schon im Artikel erwähnt bei "14000 Fehlerquellen" ist das natürlich nicht ganz so einfach.
Das diese Zahlen von den Politikern als absolut und gültig behandelt werden macht mir ein bisschen Angst. Wie will man denn richtige Zukunftsentscheidungen treffen, wenn die Quelldaten schon nicht stimmen?
Ich habe immer mehr das Gefühl, das die Politiker eher mit der Auffassung handel: "Ist doch egal ob das stimmt nach vier Jahren ist das sowieso nicht mehr mein Problem."
Das lässt doch für die Zukunft hoffen, oder?
So auch bei der Volkszählung. Anderswo gar kein Thema, in der ältesten Demokratie der Welt - USA - nicht nur eine banale Routineaufgabe sondern ein nationales Unterfangen. Die Lochkarten und ersten Rechenmaschinen wurden einzig für den Zweck der Volkszählung erfunden, darin liegt der Ursprung der modernen Computer. In den USA werden die Wahlmännerstimmen für jeden Staat schließlich ständig an die aktuelle Einwohnerverteilung in den USA angeglichen, darum muss ein zuverlässiger und genauer Zensus sein.
Wir hätten ähnliche Gründe dafür. Unsere Stimmkreise werden ebenfalls über Einwohnerzahlen festgelegt. Gar nicht zu sprechen von Dingen wie Länderfinanzausgleich, Kreisumlage, etc. (all die kleinen Dinge die das politische Geschehen wirklich ausmachen im Alltag aber eben immer übertönt werdenvon den großen Phantomdiskussionen in den Medien).
Ich denke es ist auch aus einem anderen Grund kein politischer Wille da: man lebt gut mit dem alten Stereotyp vom reichen WESTEN und armen OSTEN, dabei ist die Lebensrealität in dieser Republik schon lange (wieder) das Nord-Süd-Gefälle. Die extremen Zahlen von Zuzügen nach Bayern und Schwaben aus dem Norden würden durch solche Zahlen offenbart, würden manche lieb gewonnene politische "Wahrheit" ad absurdum führen. Ebenso wie viele populäre Mythen, wie zB vom multikulturellen Berlin und dem drögen tumben Süden. Die Ausländerquote nach bisheriger Erfassung und Fortschreibung ist in München mit knapp 25% doppelt so hoch als mit knapp 13% in Berlin. Freilich gibt es aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung Münchens unzählige ausländische Expatriots die in München leben und für ihre ausländische Firma dort tätig sind aber weder in Deutschland gemeldet sind noch Steuern zahlen - also durch diese klassischen Instrumente nicht erfasst werden. Während im wirtschaftlichen Notstandsgebiet Berlin mit Sicherheit eine große Zahl von "Ausgewanderten" noch im Melderegister stehen dürfte die aber so die Schnauze von Deutschland voll hatten dass sie den Weg zur Abmeldung gar nicht mehr auf sich genommen haben und gleich gen Australien etc. abgedüst sind. Kurzum, die Einwohnerzahlen im Norden müssten massiv nach unten, jene im Süden massiv nach oben korrigiert werden. Mit allen finanziellen und politischen Konsequenzen.
Und man müsste sich auch die Sinnfrage stellen die da lautet warum der Strom der Staatsfinden von Süd nach Nord läuft, ob bei direkten Finanzen wie Aufbau Ost oder Finanzausgleich oder indirekt über die Sozialsysteme, obwohl die Bevölkerungswanderung ganz eindeutig von Nord nach Süd verläuft. Total am Bedarf vorbei. Es ist auch nicht solidarisch sondern schlicht ungerecht dass die Länder im Norden pro Einwohner die meisten Steuermittel - über Finanzausgleich und Co - zur Verfügung haben obwohl dort pro Einwohner die wenigsten Steuern gezahlt werden.
Auch in Oberbayern leben nicht bloß Millionäre sondern ganz normale Arbeitnehmer die dort Steuern bezahlen und eigentlich erwarten könnten dass ihre Kinder dafür auch in anständig ausgestattete Schulen gehen. Die aber im Bildungswunderland Bayern eher an bauliche Zustände aus der alten DDR erinnern während in der ehemaligen DDR eben erst sanierte Schulen aus Schülermangel für immer geschlossen werden.
Und weil viele was davon haben wird munter damit weiter gemacht. Absurdistan!
...die USA wollen Sie uns hier als Vorbild präsentieren. Die kriegen ja noch nicht mal eine normale Wahl hin. Jetzt sagen Sie nicht das Desaster bei den Wahlen in den USA wäre Absicht irgendwelcher Interessenkreise gewesen, denn nur der Schelm denkt Böses dabei.
Die Technikgläubigkeit heutzutage ist erschreckend. Richtigen Computer und dann geht das schon... tz tz tz... Ja wenn es doch so einfach wäre, ist es aber nicht.
Unsere Gesetze zur Datensicherheit weisen viele Lücken auf. Trotzdem bin ich froh das es den Datenschutz immerhin gibt. Wenn dadurch das ein oder andere eben nicht rechtlich machbar ist - z.B: ein Zentralregister - dann finde ich das völlig in Ordnung.
Bei Statistik gilt: lieber ungefähr richtig als genau falsch. Oft ist nur der Trend die entscheidene Größe für politische Entscheidungen. Wenn es um Trends geht spielt die tatsächliche Anzahl der z.B. der Rentner eigentlich keine Rolle wenn sie ständig "gleich falsch" ist.
Selbst wenn die eine oder andere etwas genauere Datenerhebung möglich wäre: verbessert es auch die politischen Entscheidungen und rechtfertig diese Verbesserung auch die erhöhte Überwachung?
Lieber eine ungenaue Volkszählung als die totale Überwachung!
...die USA wollen Sie uns hier als Vorbild präsentieren. Die kriegen ja noch nicht mal eine normale Wahl hin. Jetzt sagen Sie nicht das Desaster bei den Wahlen in den USA wäre Absicht irgendwelcher Interessenkreise gewesen, denn nur der Schelm denkt Böses dabei.
Die Technikgläubigkeit heutzutage ist erschreckend. Richtigen Computer und dann geht das schon... tz tz tz... Ja wenn es doch so einfach wäre, ist es aber nicht.
Unsere Gesetze zur Datensicherheit weisen viele Lücken auf. Trotzdem bin ich froh das es den Datenschutz immerhin gibt. Wenn dadurch das ein oder andere eben nicht rechtlich machbar ist - z.B: ein Zentralregister - dann finde ich das völlig in Ordnung.
Bei Statistik gilt: lieber ungefähr richtig als genau falsch. Oft ist nur der Trend die entscheidene Größe für politische Entscheidungen. Wenn es um Trends geht spielt die tatsächliche Anzahl der z.B. der Rentner eigentlich keine Rolle wenn sie ständig "gleich falsch" ist.
Selbst wenn die eine oder andere etwas genauere Datenerhebung möglich wäre: verbessert es auch die politischen Entscheidungen und rechtfertig diese Verbesserung auch die erhöhte Überwachung?
Lieber eine ungenaue Volkszählung als die totale Überwachung!
Wenn Bürger umziehen, kommt es vor, dass sie sich zwar am neuen Wohnort anmelden, beim alten Einwohnermeldeamt aber nicht ab. Fortan werden solche Menschen doppelt geführt. Der eine ist echt, der andere verbleibt nach dem Tod seines realen Pendants als Karteileiche.
Als ich vor fast zehn Jahren die Stadt gewechselt habe, achteten die Behörden in der neuen Stadt schon darauf, keine Karteileiche in der alten Stadt entstehen zu lassen. Ohne Abmeldebescheinigung aus Stadt A wurde die Anmeldung in Stadt B schlicht nicht angenommen.
Das ganze sieht natürlich anders aus, wenn man ins Ausland zieht; ich glaube daher gerne, dass wir auf dem Papier mehr Einwanderer haben als in der Realität, und nicht nur bei denen im Rentenalter. Aber bei Umzügen innerhalb Deutschlands sollte das eigentlich nicht möglich sein.
Nein, tun Sie nicht.
Wenn es weniger Alte gibt als angenommen, fallen die Sozialkosten tatsächlich ebenfalls geringer aus. Die Frage ist, wieviel geringer: Wenn man dauerhaft ins Ausland geht, muss man sich in der Regel vor Ort krankenversichern. Sachleistungen und Infrastruktur wie Altentagesstätten und Fahrdienste fallen sowieso nicht so stark an, wenn viele Leute ihren Lebensabend im Ausland verbringen.
Aber die deutsche Rente kann ins Ausland mitgenommen werden, vorausgesetzt, dass lange genug eingezahlt wurde und die Wartefrist erfüllt ist. Deshalb wäre es für Rentenprognosen so wichtig, zu wissen, wann genau die Leute ins Ausland zurückkehren. Das lässt sich nicht mit einer Volkszählung alle 25 Jahre erheben; da müsste schon eine ganze Zeitreihe aufgebaut werden.
im Altertum soll es einen König gegeben haben, der alle seine Untertanen mit Namen kannte. Derartige geistige Fähigkeiten sind Stoff für Legenden, wohingegen niemand die Fähigkeiten eines Computers infrage stellen dürfte. Der Verwaltungsaufwand für eine verlässliche Bevölkerungsstatistik ist heute so gering wie nie, man muss es bloß wollen. Da es offenbar nicht funktioniert, stellt sich die Frage nach den Interessen. Die "Keimzelle" der Bevölkerungsstatistik sind die Standesämter, und die Standesbeamten stehen unter der Kontrolle von Städten und Kommunen. Deren Finanzzuweisungen hängen aber von der Bevölkerungszahl ab. Da wird jeder verstehen, wenn Städte und Kommunen um jeden Einwohner "kämpfen".
Bei meinem Umzug im August war es so, dass ich durch die Neuanmeldung in der neuen Stadt automatisch aus dem Verzeichnis der vorherigen Stadt ausgetragen wurde. Ich dachte bisher, dass das immer so wäre.
Bei mir war es genau so. Ich hab in der Meldebehörde gefragt ob ich mich abmelden muss. Dort sagte man mir: Nein, das machen wir.
Hatte eigentlich gedacht, sowas sei Standard in Deutschland.
Bei mir war es genau so. Ich hab in der Meldebehörde gefragt ob ich mich abmelden muss. Dort sagte man mir: Nein, das machen wir.
Hatte eigentlich gedacht, sowas sei Standard in Deutschland.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren