Als der Elektrotechnik-Student Dimitri Stein 1943 an der damaligen Technischen Hochschule Berlin seine Dissertation einreichte, wurde er abgewiesen, weil er "Mischling 1. Grades" sei. Stein überlebte die Nazizeit, weil er von seinem Doktorvater versteckt wurde, und wanderte nach dem Krieg in die USA aus, wo er eine Karriere als Hochschullehrer, Ingenieur und Unternehmer machte. Am 12. November 2008 konnte Stein in Berlin seine Dissertation abschließen.

In den 50er Jahren wurde Steins Anfrage, ob er die Doktorprüfung nachholen könne, von der Technischen Universität Berlin schroff abgewiesen. 2006 las die Ehefrau von Steins Freund Gerhard Ziemek in der ZEIT einen Artikel über Wissenschaftler, denen in der Nazizeit der Doktortitel aberkannt wurde oder die erst gar nicht zur Promotion zugelassen wurden und die bis heute auf ihre Rehabilitation warten. Ziemek wandte sich darafhin an die TU Berlin. Schließlich erhielt Stein einen Brief der Universität.

Der damalige Vorgang erfülle "die Mitglieder unserer Fakultät mit Betroffenheit und Scham", schrieb ihm Olaf Hellwich, Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik. "Die Fakultätsleitung war sich sehr schnell darin einig, dass die angemessene Reaktion auf das Ihnen zugefügte Unrecht wäre, Ihnen das heute einzuräumen, was 1943 verwehrt wurde: die Zulassung zur Promotion, eine Prüfung Ihrer Arbeit und bei positivem Verlauf die Promotion zum Dr.-Ing."

Und so musste der 88-jährige Dimitri Stein am 12. November noch einmal seine Doktorarbeit verteidigen - entsprechend dem damaligen Stand der Wissenschaft. Bei der anschließenden Übergabe der Promotionsurkunde sagte Kurt Kutzler, Präsident der TU Berlin: "Wir wissen, dass es dieses Unrecht gab. Wenn es in Gestalt eines konkreten Menschen auf uns zutritt, der dieses Unrecht erfahren hat, bewegt uns das noch einmal besonders ... Ich möchte mich bei Herrn Stein bedanken, dass er uns die Hand ausgestreckt hat."

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