Weltfinanzgipfel Europa verschläft die neue Weltordnung
Der G20-Gipfel in Washington markiert die neue Machtverteilung im 21. Jahrhundert. Die USA sind darauf besser vorbereitet als die Europäer

© Michael Gottschalk/AFP/Getty Images
Ex-Außenminister Joschka Fischer: "Europa wird die Weltordnung des 21. Jahrhunderts verschlafen"
Den 15. November 2008 wird man sich merken müssen, denn an diesem Tag wurde Geschichte gemacht. In Washington traf sich zum ersten Mal die Gruppe der zwanzig wichtigsten Staaten der Welt (G 20), um eine Antwort auf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise zu finden. Auch wenn dieses erste Treffen nur Absichtserklärungen zustande gebracht hat, markiert es dennoch eine historische Zäsur.
In der schwersten weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts sind die einst dominierenden westlichen Industriestaaten und Russland nicht mehr in der Lage, eine wirksame Antwort auf diese Krise zu geben. Stattdessen ruht nun vor allem auf den neuen Wirtschaftsmächten – China an erster Stelle – die Hoffnung, eine Begrenzung oder gar einen Ausweg aus der Krise zu ermöglichen.
Damit aber hat die Gruppe der Acht (G 8) endgültig ihre Bedeutung verloren. Was sich nun abzeichnet, ist die neue Weltordnung für das 21. Jahrhundert. Wenn die aktuelle globale Krise zu Ende sein wird, wird nichts mehr so sein, wie es dereinst war. Der Westen – Amerika und Europa – befinden sich in einem relativen Abstieg, während die aufsteigenden Mächte Asiens und Lateinamerikas zu den Gewinnern gehören werden.
Die USA haben auf den Niedergang ihrer globalen Macht mit der Wahl Barack Obamas – des ersten afroamerikanischen Präsidenten des Landes – auf beeindruckende Weise reagiert. Mitten in einer der schwersten Krisen des Landes haben die USA sich selbst und der ganzen Welt ihre Erneuerungsfähigkeit bewiesen. Diese Wahl wird – bereits heute absehbar – drei langfristige Konsequenzen haben:
Erstens wird die Wahl eines schwarzen Präsidenten die tragische Geschichte der Sklaverei und des amerikanischen Bürgerkrieges endgültig abschließen. Fortan wird die Hautfarbe, die Form der Augen oder die Frage des Geschlechts bei einer Kandidatur für hohe und höchste Ämter keine wirkliche Rolle mehr spielen. Damit werden die USA den Veränderungen in ihrem Innern gerecht, wo die nicht-weißen Bevölkerungsgruppen am stärksten wachsen.
Zweitens wird diese neue Orientierung der Amerikaner auf mittlere Sicht auch zu einer Neuorientierung der US-Außenpolitik führen und die bisher selbstverständliche transatlantisch-europäische Ausrichtung der USA in den Hintergrund rücken lasse.
Drittens wird dieser innere Kulturwandel Amerikas durch die globale Machtverlagerung von West nach Ost noch weiter verstärkt werden.
Die Mächte des nordöstlichen Pazifik - China, Japan und Südkorea – sind bereits heute die mit Abstand größten Gläubiger der USA, ihre Bedeutung wird durch die Folgen der Finanzkrise noch weiter wachsen. In diesem Raum liegen auf absehbare Zeit die größten Wachstumschancen der Weltwirtschaft, und Amerika wird sich aus wirtschaftlichen wie machtpolitischen Gründen nun noch stärker dem pazifischen Raum zuwenden und seine atlantische Orientierung herabstufen müssen.
Für Europa ist all dies keine gute Botschaft, denn die Europäer werden am Ende dieser globalen Krise einfach unwichtiger geworden sein. Leider sehen die Europäer ihrem machtpolitischen Niedergang nicht nur tatenlos zu, sie verstärken diesen Prozess sogar noch. Amerika hat mit der Wahl Obamas auf die Zukunft einer globalen, multipolaren Welt gesetzt, Europa hingegen renationalisiert sich in dieser Krise und setzt damit auf die Vergangenheit!
Die europäische Verfassung ist gescheitert, der Reformvertrag von Lissabon hängt im Nichts des irischen Neins und eine verstärkte europäische Wirtschaftsregierung wird durch den deutsch-französischen Gegensatz blockiert. Die Reaktion der EU-Mitgliedstaaten auf diese anhaltende Selbstblockade fällt eindeutig aus: Anstatt jetzt einen energischen neuen Anlauf zu einer weiteren politischen und wirtschaftlichen Integration zu unternehmen, handeln die europäischen Hauptstädte im Wesentlichen national und versuchen so, das Vakuum zu füllen.
Gewiss, man koordiniert sich zwischen den Mitgliedstaaten, bisweilen sogar erfolgreich, aber ohne starke europäische Institutionen werden solche singulären Erfolge nicht von Dauer sein.
Es besteht heute die große Gefahr, dass Europa eine historische Weichenstellung in Richtung einer multipolaren Welt verschläft. Spätestens mit der Konferenz von Washington müsste es doch allen Europäern bewusst geworden sein – auch den Euroskeptikern auf den Inseln -, dass diese Weichenstellung jetzt im Augenblick vorgenommen wird! Wenn die Europäer das 19. Jahrhundert in ihren Köpfen nicht überwinden können, wird die globale Karawane auf jeden Fall auch ohne die Europäer weiter ins 21. Jahrhundert ziehen.
- Datum 04.05.2009 - 10:58 Uhr
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Eine vermeintliche Gefahrensituation skizzieren, um im Volk das klassische Herden-Reaktionsmuster zu provozieren:
"Es besteht heute die große Gefahr, dass Europa eine historische Weichenstellung in Richtung einer multipolaren Welt verschläft."
... dabei kann ich in Fischers Ausführungen keinerlei stichhaltiges Argument finden, das seine Schlußfolgerung unterstützt.
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"Woher nehme ich nur die Zeit, das alles nicht zu lesen." (Karl Kraus)
leben laenger und Europa wird sicherlich noch seine Chancen haben in der ach so globalisierten Welt. Eines hat die Weltwirtschaft doch gezeigt, bricht ein System eines Landes zusammen dann geraten die Boersen weltweit in Panik. Vielleicht waere der Trend besser zurueck zur Wirtschaft des eigenen Landes anstatt alles global vermarkten zu wollen.
(entfernt. Bitte bleiben Sie mit Ihrer Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)
Amerika hat also Obama gewählt - ich freu mich ja auch (!) - so ist das nicht. Aber warum muss man immer gleich wieder auf Europa reinschlagen. Obama soll erstmal zeigen was er drauf hat. Und ich freue mich darauf zu erleben, dass er richtig was auch dem Kasten hat. Aber gleich die ganze Geschichte der Sklaverei für beendet zu erklären und die ganze rassendiskriminierung dazu is denn doch wohl ein bisschen übertrieben. Wir haben immerhin Kanzlerin Merkel! Und mit deren Wahl hat nicht automatisch die benachteiligung der Frau geendet.
Warum nicht ein bisschen realistischer? Ein bisschen weniger naiv und euphorisch dafür aber ein bisschen glaubhafter --- oder ist das jetzt wieder typisch für einen alten Europäer??
habe den entfernten satz gelesen :)
sowas wird schon als unsachlich entfernt?
bedenklich.
Dann moechte ich mich kurz halten.
Ich glaube Herr Fischer hat den Beitrag gestern zwischen Tatort und Spiegel TV geschrieben...das war genau eine halbe Stunde.
habe den entfernten satz gelesen :)
sowas wird schon als unsachlich entfernt?
bedenklich.
Dann moechte ich mich kurz halten.
Ich glaube Herr Fischer hat den Beitrag gestern zwischen Tatort und Spiegel TV geschrieben...das war genau eine halbe Stunde.
Wir kommen zurück zur Nationalökonomie und leben, im Falle Deutschlands, nur noch von Schweinezucht und Rübenanbau, heizen mit Braunkohle und bewegen uns mit Pferdewagen fort (incl. Feuerwehr und Rettungsdienst). Das würde uns in Zukunft vor Krisen zwar nicht bewahren, wäre aber halt alles viel übersichtlicher und gemütlicher.
Ruebenanbau und Schweinezucht...... besser haette niemand es sagen koennen.
Ruebenanbau und Schweinezucht...... besser haette niemand es sagen koennen.
Bitteschön, Dankeschön, Garnichtschön
.
Die Neue Weltordnung ist doch ein Projekt der USA, natürlich sind diese dafür besser aufgestellt, da sie bis dato die Spielregeln bestimmt haben. Jedes Chaos hat seine eigenwilligen Regeln, dies ist weder neu, noch ordentlich. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
habe den entfernten satz gelesen :)
sowas wird schon als unsachlich entfernt?
bedenklich.
Dann moechte ich mich kurz halten.
Ich glaube Herr Fischer hat den Beitrag gestern zwischen Tatort und Spiegel TV geschrieben...das war genau eine halbe Stunde.
danke für die unterstützung!
Das Wort "dusselig", mit dem ich den kommentar bezeichnet habe ist doch wirklich nicht so schlimm! Oder ist jemand anderer Meinung? Ich bin auch manchmal dusselig ;-) und meine Frau erst .... naja was solls: Zensur findet nicht statt!
danke für die unterstützung!
Das Wort "dusselig", mit dem ich den kommentar bezeichnet habe ist doch wirklich nicht so schlimm! Oder ist jemand anderer Meinung? Ich bin auch manchmal dusselig ;-) und meine Frau erst .... naja was solls: Zensur findet nicht statt!
Die US-Amerikaner haben mal gerade mit 52% den Herr Barack Obama gewählt. Der Wahlsieg sieht grandioser aus, als er ist. Im Moment passiert da nix, da der alte Präsident abwartet und der neue Präsident noch nicht im Amt ist.
Auch kann ich kaum sehen, dass die USA durch ihre riesigen Schulden gegenüber China 'besser' auf die 'neue Weltordnung' vorbereitet sind.
Bisher musste Barack Obama auch noch nichts tun. Er hatte noch nie irgendein Regierungsamt inne. Wenn dann die Demokraten tatsächlich an der Macht sind, glaube ich kaum, das es aussenpolitisch bedeutsame Unterschiede zur Vorgängerregierung gibt. Abgesehen vielleicht von der Rhetorik. Aktuell ist die USA überrüstet und kann sich das eigentlich nicht leisten. D.h., eigentlich müssten sich die USA von diversen Abenteuern verabschieden - oder eben weiter über die eigenen Verhältnisse leben (und das ist eben nicht nur der private Sektor). Das würde eher auf weniger Einfluss deuten.
Die USA sind in einem Punkt besonders schlecht aufgestellt: sie haben schon fast vergessen, wie 'Soft Power' funktioniert und wie man Kompromisse findet. Die USA haben demonstriert, wie es ist, gegen das alte Europa Politik zu machen. Da wird sich nicht viel ändern. Die USA haben ganz andere Probleme und Interessen als Europa und werden diese Themen eher aus eigener Kraft angehen wollen. Europa hat ausserdem noch genug mit Osteuropa und Russland zu tun. Da wird es eher zu einer Aufgabenteilung kommen müssen. Polen, Tschechien etc. möchten sich entwickeln. Dann gibt es da noch die Ukraine, Weissrussland, Russland, Georgien, ... Alles Betätigungsfelder, bei denen Europa genug zu tun hat, um die Demokratien zu unterstützen. Dazu muss Europa noch in den nächsten Jahrzehnten das Energieversorgungsproblem angehen.
Wir sollten uns weniger darum kümmern, was die USA machen. Wir sollten uns mehr darum kümmern, wie wir Osteuropa unterstützen können. Viele US-Themen betreffen uns einfach nicht. Die Medien berichten viel zu viel über die USA. Manchmal mehr als über unsere eigenen Probleme und dann verlieren wir Länder wie Polen und Tschechien (unsere Nachbarn) aus den Augen. Da wird viel Zeit mit Waldbränden in Kalifornien, Mormonen als Schwulengegner nund Politikern aus entlegenen Gegenden (Alaska) verschwendet.
Bitte belästigen sich mich wieder, wenn sich etwas 'Substantielles' tut. Bisher ist da viel heisse Luft....
Ich stimme Ihnen zu, wenn Sie meinen, Europa hat auch viele Aufgaben in puncto Integration, Entwicklung der frisch beigetretenen Länder. Ein ständiges Schielen nach USA oder Fernost kann kontraproduktiv sein, weil es zur Ablenkung von unseren eigenen Hauptaufgaben führt, aber auch weil nicht alle dortigen Lösungen auf Europa übertragbar sind.
Dennoch: Über den Tellerrand zu schauen ist unabdingbar, allein um zu sehen welche Richtung die Gesamtentwicklung annimmt. Auch kann das Entwicklungstempo der Anderen nur so wahrgenommen werden. Ich befürworte hiermit keine Hauruck-Entscheidungen, dennoch können wir uns kein Zusammenwachsen von Europa leisten, dass im Schneckentempo vor sich hin läuft.
Dass in Europa noch viel zu tun ist, zeigt allein die Tatsache, dass bei diesem G20-Treffen 4 europäischen Staaten vertreten sind. Nicht mehr und nicht weniger.
Das zeigt uns: Europa spricht weder mit einer Stimme, noch sind alle oder zumindest mehrere der 27 oder zumindest 15 Euro-Länder, gut genug entwickelt, um daran teilnehmen zu können. 4 ist alarmierend wenig.
Grüße
Messala
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"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)
Ich stimme Ihnen zu, wenn Sie meinen, Europa hat auch viele Aufgaben in puncto Integration, Entwicklung der frisch beigetretenen Länder. Ein ständiges Schielen nach USA oder Fernost kann kontraproduktiv sein, weil es zur Ablenkung von unseren eigenen Hauptaufgaben führt, aber auch weil nicht alle dortigen Lösungen auf Europa übertragbar sind.
Dennoch: Über den Tellerrand zu schauen ist unabdingbar, allein um zu sehen welche Richtung die Gesamtentwicklung annimmt. Auch kann das Entwicklungstempo der Anderen nur so wahrgenommen werden. Ich befürworte hiermit keine Hauruck-Entscheidungen, dennoch können wir uns kein Zusammenwachsen von Europa leisten, dass im Schneckentempo vor sich hin läuft.
Dass in Europa noch viel zu tun ist, zeigt allein die Tatsache, dass bei diesem G20-Treffen 4 europäischen Staaten vertreten sind. Nicht mehr und nicht weniger.
Das zeigt uns: Europa spricht weder mit einer Stimme, noch sind alle oder zumindest mehrere der 27 oder zumindest 15 Euro-Länder, gut genug entwickelt, um daran teilnehmen zu können. 4 ist alarmierend wenig.
Grüße
Messala
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"... auch den Euroskeptikern auf den Inseln ..."
Erstaunlich, wie leicht sich es manche machen. Zu sagen, dass nur "die Euroskeptiker auf den Inseln" schuld sind, dass Europa noch nicht besser zusammen gewachsen ist, ist geradezu arrogant (dumm kann ich mir bei J.Fischer nicht vorstellen).
Haette es mehr Demokratie (sprich Volksabstimmungen) in den anderen Laendern Europas gegeben, haette sich Joschka's Schwarz/Weiss-Vereinfachung schnell als Ignoranz herausgestellt.
Vielleicht ist auch sein Verstaendnis (bzw. das der meisten Politiker) von Demokratie, dass die herrschende Klasse (sprich sie selbst) bestimmt was gut ist?
Aber nur zur Klarstellung: Ich bin nicht gegen ein eng verbundenes Europa mit klaren Strukturen. Aber nicht auf Kosten der parlamentarischen Demokratie, wie es mit den bis jetzt vorgeschlagenen Vertraegen abzusehen war.
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