Die französischen Sozialisten (PS) haben immer noch keine allgemein anerkannte Parteispitze, aber immerhin einen neuen Spitznamen: PS heiße so viel wie Parti suicidaire , die Selbstmordpartei, höhnte die Zeitung Journal du Dimanche .

Das Wahldebakel der vergangenen Tage hat die Partei noch tiefer in die Krise geführt, in der sie ohnehin seit Monaten steckt. Als eigentlicher Wahlsieger erscheint Präsident Nicolas Sarkozy, der sich vermutlich köstlich über das Personalgerangel bei der Opposition amüsiert. Er dürfte froh sein, dass von den Sozialisten derzeit wenig Opposition für seine Politik zu erwarten ist.

Es ist ein Machtkampf zwischen zwei Frauen, die nach dem offiziellen Ergebnis nur 42 Stimmen trennen. Die frühere Arbeitsministerin Martine Aubry, offizielle Siegerin, und die Gegenkandidaten Sarkozys in der Präsidentschaftswahl, Ségolène Royal, die das Ergebnis nicht anerkennen will, stehen sich feindlich gegenüber – so feindlich, dass einige schon denken, der Konflikt könnte die Partei spalten.

Noch hat Royal nicht mit einer Neugründung gedroht, aber selbst wenn sie sich am Ende überwindet und Aubry den Sieg zugesteht, ist das Image der Partei tief geschädigt.

"Ihr macht uns echt lächerlich", beschweren sich Parteimitglieder in Internet-Foren. "Auf diese Weise wird die PS auch weiterhin politisch stumm bleiben", kritisiert ein Anhänger von Aubry. "Es ist peinlich, dass Royal einen Sieg behauptet, anstatt Wunden zu schließen und die demokratische Entscheidung der Sozialisten zu begrüßen", ergänzt ein anderer.

Royal scheint den Kontakt zur Realität ein wenig verloren zu haben. Zu einem Fernsehinterview am Samstagabend trat sie weiß gekleidet und dauerlächelnd auf und forderte eine neue Abstimmung, weil es Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Die bislang bekannt gewordenen Auszählungsprobleme - vor allem in den französischen Überseegebieten
- würden allerdings wohl eher einen Stimmenzuwachs für Aubry bedeuten.