Bologna-Kritik Schluss mit dem Trommelfeuer
Die Zufriedenheit mit dem Bachelor steigt, zeigt eine Studie der FU Berlin. Erkennten Kritiker die Ergebnisse an, wäre das hilfreich - und etwas Neues. Ein Kommentar
Es sind erfreulich gute Zahlen. 74 Prozent der Bachelor-Studenten an der Freien Universität (FU) Berlin geben in einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung an, mit ihrem Studium zufrieden zu sein. Das ist eine Steigerung von 10 Prozentpunkten gegenüber 2006. Die spannende Frage ist: Wie werden die ewigen Kritiker des neuen, zuletzt viel gescholtenen Studienabschlusses mit diesem Ergebnis umgehen?
In der Vergangenheit liefen die Reaktionen auf derartige Umfragen nach dem immer gleichen Schema ab. Gute Zahlen wurden ignoriert, schlechte Zahlen als Beweis dafür herangezogen, dass die Studienreform gescheitert sei. Etwa eine FU-Studie vom vergangenen Jahr, die von einer höheren Abbrecherquote unter Bachelor-Studenten berichtete: Sie wird noch heute von allen Bologna-Gegnern in Asten und Professorenverbänden zitiert, ebenso wie eine Absolventenbefragung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) von diesem Jahr, die für einige Studiengänge bundesweit zu ähnlichen Ergebnissen kam.
Für andere wiederum gerade nicht, doch die laut HIS sinkenden Abbrecherquoten etwa in den Geisteswissenschaften lässt man unter den Tisch fallen – ebenso übrigens wie eine Studie der Ruhr-Universität Bochum (RUB), die fast zeitgleich mit der Abbrecherstudie der FU herauskam und zu komplett entgegengesetzten, da durch und durch positiven Ergebnissen kam.
Ein letztes Beispiel für diesen seltsamen Umgang mit der Wirklichkeit war das Studierendensurvey der AG Hochschulforschung der Universität Konstanz. Die Hauptnachricht bestand darin, dass die deutschen Studenten zufrieden wie nie mit ihrem Hochschulalltag und der Betreuungssituation sind, ein sensationell gutes Ergebnis. Doch berichtet wurde vielerorts hauptsächlich, dass die Skepsis gegenüber den neuen Abschlüssen Bachelor und Master zugenommen hat. Wen wundert das noch, wenn so eindeutig und einseitig gegen den Bologna-Prozess getrommelt wird?
Allerdings: Die neuen Zahlen der FU lassen hoffen. So wie viele Studenten seit einer Weile erfreut beobachten, dass sich ihre Studienbedingungen allmählich, wenn auch zu zögerlich, verbessern, stellen sie langsam, aber sicher auch den kausalen Zusammenhang zum Bachelor-Abschluss her. Daran kann auch das angesprochene Trommelfeuer nichts ändern. Dass es zum Teil wirklich höhere Abbrecherquoten gibt und auch der Gang ins Ausland durch die zu engen Studienstrukturen erschwert wird, ist unbestreitbar. Doch das sind Fehler in der Umsetzung, an deren Beseitigung vielerorts längst gearbeitet wird.
Wie also verhalten sich jetzt die üblichen Skeptiker, wenn die Zufriedenheit der Studenten mit dem Bachelor steigt? Ignorieren sie weiter die guten Zahlen, oder gehen sie zu einer neuen, möglicherweise der letzten Argumentationslinie über: Behaupten sie einfach, die zunehmende Zufriedenheit der Studenten spreche für ihr durch die neuen Abschlüsse gefördertes Angepasstsein? Werden sie den Studenten mitleidig vorhalten: Ihr Armen, ihr wisst es ja nicht besser.
Das allerdings wäre eine in sich stimmige, da unangreifbare Strategie: Sind die Studenten Bachelor-kritisch, spricht das gegen die Reform. Sind sie zufrieden mit dem Bachelor, spricht das auch gegen die Reform. Denn sie hat den kritischen Geist zerstört.
Vielleicht aber nützt auch hier der Blick ins Kleingedruckte aktueller Umfragen. Beispiel FU: Die Studenten sind zwar insgesamt zufrieden, aber sie üben auch deutliche Kritik am Bachelor. Ein Teil von ihnen sehe sich einem zu hohen Leistungsdruck ausgesetzt und bemängle zudem Probleme bei der Organisation der Prüfungen, berichten die Autoren der Studie. Unkritisch klingt das nicht. Was aber werden die Bologna-Skeptiker dazu sagen?
- Datum 08.09.2009 - 10:23 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Zufriedenheit der Studenten mit dem Bachelor ist besser. Na super...
Was das über den Bologna-Prozess aussagt? Nichts.
Was das über die Qualität der Abschlüsse aussagt? Nichts.
Was das über die Aktzeptanz der Abschlüsse in der Wirtschaft aussagt? Nichts.
Was dieser Artikel zur allgemeinen Diskussion beiträgt? ...
Höchst interessant wie zufrieden die Studenten plötzlich mit ihrer "Betreungssituation" sind. Als Betroffener kann ich dazu nur soviel sagen, dass es sich hierbei vielmehr um eine Vormundschaft als um eine verbesserte Betreuung handelt.
Aufgrund zahlreicher Vorschriften (eine Veranstaltung gilt als ungültig sobald ein Teilnehmer mehr als zwei mal -beglaubigte Entschuldigung hin oder her-) und eng gefasster Lehrpläne, die einen Schwall von oberflächlichem Wissen aufkommen lassen und eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Gelernten bzw. ist der Studierende mehr und mehr damit beschäftigt allen möglichen Anforderungen gerecht zu werden und hinterherzulaufen. Verbessert hat sich also bestenfalls die "Beschäftigungssituation" Dieses spiegelt sich dann vermutlich so wieder, das wer überall gesagt bekommt, was er zu tun und lassen hat, sich automatisch gut aufgehoben und betreut fühlt. Humboldt würde sich im Grabe umdrehen.
Solange sich alle gut aufgehoben fühlen, muss man sich ja, wie der Text suggeriert, um etwa vermittelte Inhalte keine Sorgen machen. Dieser Aspekt gerät hier nämlich völlig unter die Räder. Heutzutage wird eine Studiengang offensichtlich daran gemessen, dass alle gut betreut sind.
Ein alarmierend steigender Bedarf an psychologischer Betreung sei hier mal völlig ausgeklammert. Ebenso Professoren und Professorinen, die Definitionen von höchst wissenschaftlichen Seiten wie Wikipedia in ihre Texte einfügen und Pseudo-Hilfsorganisationen, die Mitglieder mit Slogans wie "Erwerben Sie für Ihr Bewerbungszeugniss wichtige social skills" werben.
Aber scheinbar scheint sich das Studium inhaltlich wie betreungssituativ lediglich der Mehrheit seiner Protagonisten anzunähern. Vielleicht bekommt am Ende jede Generation einfach genau die Studiengänge, die sie verdient.
Höchst interessant wie zufrieden die Studenten plötzlich mit ihrer "Betreungssituation" sind.
Als Betroffener kann ich dazu nur soviel sagen, dass es sich hierbei vielmehr um eine Vormundschaft als um eine verbesserte Betreuung handelt.
Aufgrund zahlreicher Vorschriften (eine Veranstaltung gilt als ungültig sobald ein Teilnehmer mehr als zwei mal -beglaubigte Entschuldigung hin oder her- gefehlt) und eng gefasster Lehrpläne, die einen Schwall von oberflächlichem Wissen aufkommen lassen und eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Gelernten unmöglich macht, ist der Studierende mehr und mehr damit beschäftigt allen möglichen Anforderungen gerecht zu werden und hinterherzulaufen. Verbessert hat sich also bestenfalls die "Beschäftigungssituation" Dieses spiegelt sich dann vermutlich so wieder, dass wer überall gesagt bekommt, was er zu tun und lassen hat, sich automatisch gut aufgehoben und betreut fühlt. Humboldt würde sich im Grabe umdrehen.
Solange sich alle gut aufgehoben fühlen, muss man sich ja, wie der Text suggeriert, um etwa vermittelte Inhalte keine Sorgen machen. Dieser Aspekt gerät hier nämlich völlig unter die Räder. Heutzutage wird ein Studiengang offensichtlich daran gemessen, dass alle gut betreut sind.
Ein alarmierend steigender Bedarf an psychologischer Betreung sei hier mal völlig ausgeklammert. Ebenso Professoren und Professorinen, die Definitionen von höchst wissenschaftlichen Seiten wie Wikipedia in ihre Texte einfügen und Pseudo-Hilfsorganisationen, die Mitglieder mit Slogans wie "Erwerben Sie für Ihr Bewerbungszeugniss wichtige social skills" werben.
Aber scheinbar scheint sich das Studium inhaltlich wie betreungssituativ lediglich der Mehrheit seiner Protagonisten anzunähern. Vielleicht bekommt am Ende jede Generation einfach genau die Studiengänge, die sie verdient.
Die Ziele des Bologna-Prozesses waren vergleichbare innereuropäische Studiengänge, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Möglichkeit des Studienortwechsels gelegt wurde. Ziel erreicht? Der kommentierende Artikel behauptet das Gegenteil, auch wenn es als 'Kinderkrankheit' beschönigt wird.
Was hat der Bachelor denn positives gebracht? Eine Diskussion über Studieninhalte: Was ist wirklich essentiell für das Fach? Was bekommt man in 6 Semestern unter? Was ist zusätzlich wünschenswert? Diese Diskussion ist mitnichten beendet, aber teilweise durch die Anforderung 'Machen wir halt das gleiche wie vorher, nur verschult in weniger Zeit' vertagt worden.
Abgesehen von zusätzlichem Verwaltungs- und Arbeitsaufwand, den die Hochschulen mit der Einführung neuer Prüfungsordnungen haben, wurde der Streit über den Bologna Prozess auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen. Das führte sogar zu höheren Abbruchquoten.
Also kann man grundsätzlich froh sein, dass sich die Situation verbessert hat, die neuen Prüfungsanforderungen klar(er) sind und die Studenten - die ja im Regelfall etwas lernen wollen - zufriedener werden.
Was wir nicht wissen, wie sehen die Einstiegsgehälter der Bachelor und Master, wie sehen ihre Aufstiegschancen, wie ihre beruflichen Perspektiven aus. Wir werden es nie 100%ig klären können, denn die wirtschaftliche Situation ist schon immer ein relativ wilder Fluss und die Unternehmen passen sich schnell an das veränderte Angebot an.
Also folgende Benchmarks der Bologna-Prozesses wurden bisher nicht erfüllt:
- Bessere Vergleichbarkeit von Abschlüssen innerhalb der Europäischen Union;
- Geringer Studienabbruchsquote in Deutschland;
- Verbesserter Zugang zum Studium abseits des Abiturs;
- Durchlässigkeit von Studienplänen für Auslandssemester und Praktika;
- Anrechnung von ausseruniversitären Leistungen.
Was wurde denn erfüllt?
- Zufriedenere Studenten (?);
- Verschultere Studiengänge (ist das gewollt?);
Ach ja, die Studierendenschaft ist auch weiterhin kritisch, wie uns der Kommentator berichtet...
Aus meiner Sicht ist - sicherlich auch wegen des Unwillens der Hochschulen, sich wirklich zu reformieren - die Einführung von Bachelor und Master bisher maximal formal geglückt.
Der Artikel ist aus meiner Sicht reines Marketinggewäsch aus irgendeiner PR-Abteilung. Die Aussagekraft der Daten und die daraus abgeleiteten Rückschlüsse sind genau so viel wert, wie die Jubelberichte zur Planübererfüllung während der letzten Jahre der DDR: nämlich nichts.
... die Du nicht selbst gefälscht hast.
Ein wesentlicher Anteil für bessere Studienbedingungen an meiner Hochschule haben Zusatzangebote, die von den STUDIENGEBÜHREN finanziert werden.
Und das hat nunmal gar nichts mit den Bologne-Prozess zu tun.
Interessant ist auch, dass explizit vor Auslandssemestern gewarnt wird - wegen Probleme bei der Anerkennung ausländischer Leistungen.
Darüber hinaus hört man von den potentiellen Arbeitgebern stehts die Klage über immer geringer werdende praktische Kenntnisse.
Wenn Deine Uni explizit vor Auslandssemestern warnt, wechsel die Hochschule!
Die Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen ist nun wirklich etwas, das bei allen Problemen mit der Bologna Umsetzung viel besser geworden ist, als zu den Zeiten, als man im Ausland ECTS Credits bekam, in Deutschland aber "Scheine".
Ausserdem braucht das Internet dringend so etwas wie Godwins Gesetz (http://de.wikipedia.org/w...) fuer dieses Churchill-Totschlagargument
Wenn Deine Uni explizit vor Auslandssemestern warnt, wechsel die Hochschule!
Die Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen ist nun wirklich etwas, das bei allen Problemen mit der Bologna Umsetzung viel besser geworden ist, als zu den Zeiten, als man im Ausland ECTS Credits bekam, in Deutschland aber "Scheine".
Ausserdem braucht das Internet dringend so etwas wie Godwins Gesetz (http://de.wikipedia.org/w...) fuer dieses Churchill-Totschlagargument
ich fand es persönlich besser, als man zwischen Diplom, Magister, Lehramt und Bechlor wählen durfte.
War die Vielfalt an Abschlussen so schlimm? Warum muss alles gleich gemacht werden?
Außerdem stimme ich vollkommen zu den Kommentaren vor mir.
Im parallel laufenden Artikel kann man lesen, dass gerade mal 31% der 8000 Bachelor-Studenten an der Fu Berlin teilgenommen hätten. Was ist mit den übrigen 70? Außerdem ist es doch merkwürdig, zu sagen, man sei mit dem eigenen Bachelor-Studium zufreiden, wenn es gar keine Vergleichsmöglichkeit mehr hat?
Mir als Magister, fällt es immer noch scher einzusehen, was ein Bachelor-Studiengang in den Geisteswissenschaften bringt!? Selbst diejenigen, die in meinem Institut die Module konzipiert hatten, sehen langsam ein, dass das Unsinn ist. In den letzten drei Jahren waren Studen mehr Versuchskaninchen denn Studenten.
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