Dass sich die Camps so großer Beliebtheit erfreuen, dürfte auch daran liegen, dass der Eintritt frei ist. Zum Vergleich: Professionell organisierte IT-Konferenzen können bis zu 1.000 Euro Gebühr kosten. In der Regel werden die Camps über Sponsoren finanziert, inklusive Verpflegung und WLAN.

Die Hamburger Veranstaltung fand in der Zentrale des Otto-Konzerns statt, der Versandhändler war einer der Haupt-Förderer. "Auf diesen Von-unten-nach-oben-Konferenzen bekommt man neueste Entwicklungen mit, wir halten auch nach neuen Mitarbeitern Ausschau", erklärt Alexander Graf, der bei Otto im Bereich Business Development arbeitet, das Engagement des Unternehmens. Außerdem nehme man natürlich einen Werbeeffekt mit – schließlich berichten Blogger ausführlich über das Event. Graf bezeichnet sich selbst als "BarCamp-Fan", er half, das Projekt im Haus durchzusetzen. Der Diplom-BWLer schätzt die auf BarCamps gepflegte Diskussionskultur. "Komplexe Projekte erzwingen Offenheit". Den damit einhergehenden Kontrollverlust müsse man dabei in Kauf nehmen. Denn inhaltlich dürfen die Sponsoren keinen Einfluss nehmen.

Franz Patzig versichert, dass die Unternehmen das akzeptieren – erst einmal habe er die Reißlinie ziehen und einem Sponsoren absagen müssen. Warum die unstrukturierten Konferenzen nicht doch regelmäßig im Chaos enden, kann sich der BarCamp-Veteran allerdings selbst kaum erklären. Vielleicht liegt es daran, dass der auf den Camps gehandelte Rohstoff Wissen sich nicht verbrauchen lässt. Wissen vermehrt sich durch Teilung.