Die drei nach einem Sprengstoffanschlag auf die EU-Vertretung in der Kosovo-Hauptstadt Pristina festgenommenen Deutschen müssen für 30 Tage in Untersuchungshaft. Den mutmaßlichen Angehörigen des Bundesnachrichtendienstes BND wirft die kosovarische Staatsanwaltschaft "Terrorismus" und "Verbindungen zu einem Nachrichtendienst" vor, sagte Adem Ademi, Anwalt eines der Tatverdächtigen. Alle drei beteuerten ihre Unschuld.

Der BND äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. FDP, Grüne und die Linke im Bundestag forderten eine rasche Information des Parlamentsgremiums zur Kontrolle der Geheimdienste. Unabhängig davon, "ob etwas dran ist, oder ob nichts dran ist", müsse die Bundesregierung das Kontrollgremium "unverzüglich unterrichten", forderte der FDP-Innenpolitiker Max Stadler. Ähnlich wie der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollgremiums äußerten sich auch Hans-Christian Ströbele (Grüne) sowie der Linke Norman Paech, die wie Stadler auch Mitglieder im BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages sind.

Die Bild -Zeitung berichtet in ihrer Montagausgabe, dass hinter dem Anschlag auf das EU-Büro und der Festnahme ein Machtkampf innerhalb der politischen Führung des Kosovos stehe. Wie das Blatt unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise meldet, schließt der BND eine Mittäterschaft seiner Mitarbeiter an dem Anschlag definitiv aus. Als Täter kämen vielmehr Extremisten aus dem Kosovo infrage, die gegen das Engagement ausländischer Organisationen in ihrem Land kämpfen.

Nach Kontakten mit hochrangigen Experten des Auswärtigen Amts habe die Regierung des Kosovos noch am Freitag signalisiert, dass einer Freilassung der drei Deutschen nichts im Wege stehe. Im Laufe des Samstags hätten sich dann allerdings anti-europäische Kräfte im Regierungsapparat durchgesetzt, die die wahren Hintergründe des Anschlags verschleiern und ausländische Kräfte dafür verantwortlich machen wollten, schreibt Bild .

Bei der Festnahme am vergangenen Mittwoch seien bei den Deutschen BND-Ausweise und Dokumente sichergestellt worden, zitierten Zeitungen am Sonntag in Pristina den Anwalt Ademi. Die Staatsanwaltschaft in Pristina wirft den Beschuldigten vor, sie hätten den Einsatz der EU-Mission EULEX behindern wollen. Brüssel will mit dieser Mission rund 2000 Polizisten, Richter, Verwaltungsfachleute und Zöllner in das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo bringen, um beim Aufbau zu helfen.

Die drei beschuldigten Männer, im Alter zwischen 41 und 47 Jahren, arbeiteten für die Firma "Logistic Coordination Assessments Services", einem Investment-Berater für deutsche Unternehmen im Kosovo. Die Firma diene als BND-Basis im jüngsten europäischen Staat, bestätigten gut informierte Quellen der dpa. Die Verdächtigen seien nach drei früheren Anschlägen auf internationale Vertretungen in Pristina, bei denen es zu Sachschäden kam, vom Kosovo-Sicherheitsdienst über anderthalb Jahre lang beschattet worden.

Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass alle drei Anschläge auf die UN-Mission, das Kosovo-Parlament und die Vertretung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sehr ähnlich gewesen seien und dass der Sprengstoff (TNT) und die Zünder die gleichen waren, schrieb die Zeitung Koha Ditore am Sonntag in Pristina.