Fußball und InvestorenBefreit die Liga von der Vereinsmeierei!

Heute entscheidet die DFL, ob Investoren deutsche Klubs übernehmen dürfen. Unser Gastkommentator fordert Freiheit für das Kapital. Auch Fans würden sich freuen von Florian Müller

Contra zur 50+1-Regel: Florian Müller möchte, dass es nicht nur einen Fall Hoffenheim gibt

Contra zur 50+1-Regel: Florian Müller möchte, dass es nicht nur einen Fall Hoffenheim gibt  |  © Thorsten Wagner/Bongarts/Getty Images

Es gibt keine andere Regel in den Satzungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußballliga (DFL), die Fußballfans, Funktionäre und die Vereine so spaltet wie die 50+1-Regelung. Sie besagt, dass ein Investor nicht die Anteilsmehrheit an einem deutschen Fußballklub haben darf. Für eine Regeländerung bedarf es einer Zweidrittelmehrheit der Mitgliederversammlung der DFL. Die Mitgliederversammlung will am Freitag eine Entscheidung Pro oder Contra 50+1 fällen. Lesen Sie unten folgend einen Gast-Kommentar "Contra 50+1-Regel", hier lesen Sie die gegensätzliche Meinung "Pro 50+1".

Sie ist der antikapitalistische Schutzwall der deutschen Fußballfunktionäre, die 50+1-Regel gegen Stimmrechtsmehrheiten für Investoren. Wahrscheinlich folgt der Ligaverband der Empfehlung seines Vorstands, dieses Statut nicht anzutasten. Aber spätestens in ein paar Jahren werden juristische Abrissmaschinen diese Mauer planiert haben.

Sportverbände regulieren sich im Prinzip selbst, doch kartellrechtlich sind sie (fast immer) Monopolisten, ständig am Rande des Missbrauchstatbestands. Eine Klage gegen "50+1" kann vielleicht unter deutschem Wettbewerbsrecht zugunsten von Hannover 96 entschieden werden. Notfalls greift das Europarecht. Die EU-Kommission hat schon vor Jahren den Weg freigemacht für Börsengänge französischer Fußballklubs. Die Argumente für und wider eine Öffnung wären bei "50+1" substanziell die gleichen. Wieder einmal - wie übrigens auch beim VW-Gesetz - hätte die Kapitalverkehrsfreiheit Vorfahrt.

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Contra zur 50+1-Regel: Florian Müller möchte, dass es nicht nur einen Fall Hoffenheim gibt

Contra zur 50+1-Regel: Florian Müller möchte, dass es nicht nur einen Fall Hoffenheim gibt  |  © Thorsten Wagner/Bongarts/Getty Images

Warum man dann nicht gleich das Ergebnis vorwegnimmt, das zeigt, wie sehr sich der deutsche Profifußball selbst im Weg steht. Wie so oft im Schnittfeld von Wirtschaft und Politik kochen einzelne Akteure ihr Süppchen und können dies in der Öffentlichkeit mit dem angeblichen Gemeinwohl begründen, weil ihre Gegner es ihnen zu leicht machen.

Vordergründig gibt sich Ligapräsident Reinhard Rauball wie ein Regierungschef, der nicht erpressbar sein will. Die Liga könne nicht vor der Klagedrohung eines einzelnen Klubs einknicken. Nun hat Martin Kind – Geschäftsführer, Präsident und Anteilseigner von Hannover 96 – sicherlich den Fehler begangen, seit vergangenem Jahr wild die juristische Axt zu schwingen. Rechtliche Drohungen erfordern geschicktes Hantieren wie mit Messer, Gabel, Schere, Licht. Inhaltliche Überzeugungsarbeit auf breiter Front und die Bildung von Allianzen erspart man sich nicht mit verfrühten Ultimaten, man behindert sie damit.

Dabei wäre es überfällig gewesen, konstruktiv das "Quo vadis?" des deutschen Fußballs zu beantworten - auch unter Einbeziehung der Fans und vor allem mit viel Sachinformation.

Leserkommentare
    • phima
    • 21. November 2008 10:09 Uhr

    ... Ihre Argumentation ist zu wenig, um Andersdenkende zu überzeugen. Nur zu argumentieren, dass man das Unaufhaltbare nicht aufhalten kann reicht nicht.
    Ich für meinen Teil verstehe die Romantisierung der Liga durch die Gegner von Investorenmehrheiten nicht. Ich spreche da von Fans. Fußball ist seit langem 'Big Business'. Kaum ein Spieler hat eine Beziehung zu seinem Verein, die über die eines normalen Arbeitnehmers zu seinem Arbeitgeber hinausgeht. Wozu also z.B. buhen wenn ein ehemaliger Spieler mit seiner neuen Mannschaft an die alte Wirkungsstätte zurückkehrt?
    Fußball ist Schowbusiness. Es täte der Qualität der Bundesliga gut, wenn das alle Beteiligten verinnerlichten. Ein Blick nach England zeigt, wo diese Einstellung hinführen kann. Den dortigen Mannschaften reicht es nicht einfach Siege hinzugurken, um Titel einzufahren. Die Spieler der Premier League fühlen sich verpflichtet attraktiven, unterhaltsamen Fußball zu bieten. Natürlich sind Titel wichtig. Aber noch wichtiger ist, das 'Beautiful Game' so zu spielen, dass es den Namen auch verdient.

    phima

    • Azenion
    • 21. November 2008 10:21 Uhr

    "Man muss die neuen Spielregeln des Fußballs wahrlich nicht lieben, sollte sich jedoch mit ihnen arrangieren."

    Oder, aus Fan-Sicht, sich eine andere Leidenschaft suchen.

    Ich habe nie verstanden, warum man einem Konzern mit vollständig auswechselbarem Personal, das in der Regel zu 100% nichts mit der Heimatregion zu tun hat, Leidenschaft und Treue hingeben sollte.

    Aber ich stamme auch aus dem 20. Jahrhundert.

    • Erle72
    • 21. November 2008 11:40 Uhr

    Und wieder einer von den harten Männer der dem ordnenden Kapital das Wort redet. Nur so würden Seilschaften gesprengt und Missmanagement verhindert werden; kurzum „Ein scharfer Wind würde wehen, wenn es nicht nur ein Hoffenheim gäbe, sondern mehrere“. Ja bitte, schlag mich, würde man gerne antworten wenn Masochismus zu den eigenen Hobbys zählen würde.
    Aber im Ernst: wie kann, nachdem wir die Folgen von Investorengebaren in den letzten Wochen weltweit bewundern durften, der Autor sich mit solch kümmerlichen Schlagworten aus der Deckung trauen?
    Vielleicht hilft ihm ein Blick in die Realität, nachzulesen bei © ZEIT ONLINE 2.10.2008: „Fans des FC Liverpool - Fußball ist kein Investment“.
    Wenn er also die 50+1-Regelung zur Disposition stellt möchte, bedarf es besserer und intelligenterer Argumente, die den Entwicklungen in England und Italien in ausreichendem Maße Rechnung tragen.

    • Neon
    • 21. November 2008 12:42 Uhr

    das on doerflichen Amateuren gefuehrt und mit etlichen Millionen Euro vom Steuerzahler nach wie vor subventioniert wird, gehoert schon seit langem in den Abfalleimer der Geschichte (einschl. DFB). Die Trennung von ertragsorientierten Unternehmungen und gemeinnuetzigen Vereinen ist seit langem ueberfaellig.

    • Hipper
    • 21. November 2008 13:17 Uhr

    Dieser Artikel beruht nicht auf einer stringenten Argumentation, sondern ist reine Lyrik! Es ist nicht plausibel warum Investoren die Interessen des Sports besser vertreten können sollten, als ein unabhängiger Verein und deren mündige Mitglieder. Für einen Investor ist der Sport nur ein Mittel zum Zweck - und dieser Zweck ist die Erzielung einer Rendite! Dies ist eine erhebliche Prioritätenverschiebung, denn den Vereinen geht es primär um die Förderung und Weiterentwicklung des Fußballsports - auch wenn sie sich in der Realität überwiegend längst zu Fußballunternehmen entwickelt haben, ändert sich dieses Hauptaugenmerk nicht wesentlich!

    Mal abgesehen davon, dass sich die Vereine in eine nicht zu unterschätzende Abhängigkeit zu dem Mehrheitsinvestor begeben, ist es keinesfalls gewährleistet, dass ein profitorientierter Geldgeber an einem nachhaltigen Wirtschaften überhaupt interessiert ist - denn eine schnelle und hohe Rendite ist ja auch nicht zu verachten!

    Investoren, die sich im Fußballsport engagierten wollen, können dies jetzt auch schon tun, dafür benötigen sie nicht mehr als eine 49%ige Anteilseignerschaft ( siehe Adidas ).

    Übrigens nur damit dies nicht verwechselt wird: Wir reden hier von kommerziellen Investoren, hingegen das klassische Mäzenatentum stellt niemand in Frage - das gab es schon immer und wird es weiterhin geben ( siehe D. Hopp).

    Apropos Eigeninteresse: Man fragt sich, ob nicht der ein oder andere so vehement gegen die 50+1 opponiert, weil er annimmt, dass sich dadurch die Investoren der Cash-Flow im Fußballgeschäft erhört und sich dadurch ein paar Euro auch in die eigene Tasche wandern.

  1. Gerade manchester united zeigt doch was die eigentlichen fans wollen.Die haben den "fc united of manchester" gegründet den profit-zirkus längst verlassen und besuchen unterklassigen spiele. Die masse der homer simpsons die sich für teuer geld den heutigen profifußball noch antun würden achselzuckenden auch nützliche idioten der konzerne sein wie sie es in leverkusen, wolfsburg und bei den meisten anderen vereine de facto durch interne sponsoreneinflüsse heute schon sind.Der Rest versucht wie zur zeit die hsv-supporters windmühlenkämpfe gegen eine unaufhaltsame entwicklung. 95 % der stadionzuschauer wollen einfach nur erfolgreichen fußball sehen. Wer den bezahlt ist ihnen schnuppe.
    http://www.spox.com/de/sp...

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    der "FC United of Manchester" wurde von einer "fan minderheit" gegruendet, den fundis halt, die sich permanent anmassten fuer alle fans sprechen zu wollen, bloss weil sie den meisten wind machten ...

    die realitaet war und ist: die meisten fans von Manchester United haben diesen antis eine klare absage erteilt und blieben bei ManU ...
    und ManU hat bei weitem mehr neue fans hinzugewonnen als FCUM ...
    folgerichtig hat ManU auch um welten mehr zuschauer und mitglieder als der fundiVerein FCUM ...

    der FCUM nimmt ansonsten die uebliche entwicklung von derlei fundi-kreationen. sie verkaufen ihr underdogImage an spaetromantische ewiggestrige/ultras und duempeln sich die untersten ligen rauf bis sie irgendwo in einer niederen spielklasse stagnieren ...
    waehrenddessen entsteht der typische eher mafioese beziehungsfilz (vetternwirtschaft), gemischt mit zunehmend normalen kommerziellen strukturveraenderungen, die die realitaet nun einmal erzwingt ...
    auch dort gibts folgerichtig laengst wieder realos und fundis. letztere wieder die ueblichen bremskloetze ...

    fuer den echten fussballfan ist das ein nettes gimmick, mehr nicht. bei salzburg/redbull und der abspaltung "initiative weiss-violett" wars bereits schon langweiliger ... ueberhaupt naehren die sich lediglich durch das medienecho, nicht durch substanz ...

    auch "underdog" oder "nicht kaeuflich/nicht kommerziell" ist nix anderes als ein kommerzielles produkt fuer ein bestimmtes zielpublikum ...
    manche sind eben hier kaeuflich ... andere kaeuferschicht, in der regel eine verlogenere, weil sie sich selbst betruegt und andere und wie alle entsprechend defizitaeren staendig glaubt besser zu sein als andere ...

    fuer denjenigen, den echten fussball interessiert ist folgerichtig auch ein spiel von ManU in der championsleague auf weltstandard interessanter als das viertklassige gekicke von FCUM ...

  2. Endlich hat einer wie Herr Müller den Geist und die Herausforderungen unserer modernen Gesellschaft erkannt - doch warum bei den Fussballvereinen aufhören? Ich fordere die Umwandlung der politischen Parteien in Aktiengesellschaften, privatisiert und rationalisiert das komplette Bildungssystem, ersetzt Polizei und Armee durch private und börsennotierte Sicherheitskonzerne, die Luft zum Atmen muss doch auch zu vermarkten sein. Potential ist genug vorhanden - bald geht wieder aufwärts und die Rendite... Ich biete Grundstücke auf dem Mars und verkaufe das gesamte Sonnensystem. Kapital kann alles, der freie Markt wird es richten - und wenn nicht, Bomben drauf und neu anfangen....

    • praenki
    • 21. November 2008 17:49 Uhr

    ...stimmt, die Fans sind begeistert. Deswegen sind sie ihrem Club in Scharen davongelaufen und haben sogar einen neuen Verein gegründet, den FC United Of Manchester. Und sie sind nicht die einzigen. Der fehlende Widerstand gegen neue Investoren ist eher durch Abwenden und Resignation zu erklären als durch Akzeptanz und Begeisterung.

    Es sei in diesem Zusammenhang auch auf die wachsende Zahl an Fußballfans auf der Insel erinnert, für die es mittlerweile billiger ist, auf den Kontinent nach Deutschland zu jetten und sich hier den Fußball anzuschauen und die Stadionatmosphäre zu atmen, die es in England nicht mehr gibt.

    Ich bin übrigens Ur-96-Fan, aber sicher kein Freund der Kind'schen Gedankenspiele. Die Freiheit nehm' ich mir.

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    die fans sind nicht in scharen davongelaufen, sondern lediglich ein paar fundis/ultras und deren eher zwangsrekrutierte und ideologisch aufgehetzte family- und bekanntenkreise ...

    folgerichtig hatte ManU auch keinen signifikanten mitgliederschwung, sondern im gegenteil haben sie heute mehr mitglieder ...

    jeder hier sollte sich mal die realen zahlen betrachten, da liegen welten dazwischen, nicht nur in der spielklasse ;)

    es ist uebrigens ganz typisch, diese ueberhoehungsversuche in den formulierungen ... wie auch das sprechen von fundis ueber "wir fans", obwohl sie und deren sympatisanten in der absoluten minderheit sind ...

    entsprechend auch die durch nichts zu belegende und in wirklichkeit aus dem "contra artikel" uebernommene und ausgebaute behauptung "mehr und mehr englische fans wuerden lieber in die bundesliga fliegen" ...

    das glaubt doch kein denkender mensch. es gibt ein paar hansel, die das tun, genauso wie ein paar von deutschland nach england fliegen um premiere league zu sehen ... aber das sind in relation voellig vernachlaessigbare groessen - in der regel auch wohl eher zusaetliche eventheimsuchungen von leuten die etwas staedtetourismus betreiben und das dann verbinden ...

    tatsaechlich ist es ansonsten natuerlich umgekehrt: weltweit interessiert die massen die premier league mehr als die bundesliga ... :)

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Fußball | Bundesliga | DFB | Borussia Dortmund | FC Schalke 04 | Hannover 96
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