Bundeswehr-Ehrenmal Wofür stirbt der Bürger Soldat?

Die Bundeswehr will ihre Toten nicht länger verstecken. In Berlin wird daher nun ein Ehrenmal errichtet. Doch wofür die Soldaten ihr Leben lassen, sagt die Politik nicht

Ein Modell des Ehrenmals im Bendlerblock, dem Sitz des Verteidigungsministeriums in Berlin

Ein Modell des Ehrenmals im Bendlerblock, dem Sitz des Verteidigungsministeriums in Berlin

Der Tod gehört zum Leben, zum Krieg gehört er auch. Mit dem Soldatentod jedoch tut sich die Bundeswehr und tut sich die deutsche Gesellschaft äußerst schwer – trotz aller internationalen Einsätze und der Beteiligung an den Kriegen in Jugoslawien und Afghanistan. Erst vor ein paar Wochen sprach Verteidigungsminister Franz-Josef Jung bei der Trauerfeier für zwei in Afghanistan getötete Soldaten erstmals von „Gefallenen“, nicht mehr von „einsatzbedingt Getöteten“, wie bislang die offizielle Sprachregelung der Bundeswehr und Bundesregierung lautete.

Doch der Soldatentod rückt immer näher. In Afghanistan sind mittlerweile bereits 30 deutsche Soldaten ums Leben gekommen, getötet durch Anschläge, feindlichen Beschuss oder bei Abstürzen, und ständig werden es mehr. Gefallene also? Es ist deshalb auch kein Zufall, dass Jung an diesem Donnerstag im Berliner Bendlerblock des Verteidigungsministeriums den Grundstein für ein Ehrenmal setzen will. Wenn der 41 Meter lange Bau fertig ist, wird es die Inschrift tragen "Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit".

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Eine breite öffentliche Erörterung dieser Erinnerungsbotschaft ist freilich nicht vorgesehen. Das ist ein Fehler. Denn nicht nur die Frage, wessen wir gedenken, sondern auch wie, ist eine hochpolitische.

Einst war Neue Wache der Ort, an dem die Deutschen an ihre toten Soldaten erinnerten. Der klassizistische Schinkelbau Unter den Linden diente seit 1931 als Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Weil aber die Nationalsozialisten die Neue Wache als Heldengedenkstätte stilisierten und die DDR dort ein sozialistisches „Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus“ einrichtete, entschloss sich die Bundesregierung nach der Wiedervereinigung, den Bau in eine Nationale Gedenkstätte für die „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ zu verwandeln. Das schloss getötete Bundeswehrsoldaten fortan aus dem Gedenken aus.

Das Holocaust-Mahnmal und die Neue Wache bestimmen die Erinnerungskultur der Berliner Republik als geläuterte Demokratie. Das Ehrenmal, das nun daneben tritt, wenn auch an einem weniger prominenten Ort in der Hauptstadt, wird daher mehr als ein Ort individueller Trauer. Es wird ebenfalls eine Art nationales Symbol, ein Ort, an dem sich der Staat und seine Bürger vergewissern, wofür sie die Soldaten in den Einsatz, den Krieg und auch in den Tod schicken. Im normativen Kontext von Neue Wache und Holocaust-Mahnmal wäre es auch ein Ort, an dem diejenigen, die den Soldaten den Einsatzbefehl geben, über die Sinnhaftigkeit und die Grenzen jedes Krieges Rechenschaft ablegen müssten.

Ohne eine breite öffentliche Debatte über die Frage, was deutsche Soldaten zum Beispiel am Hindukusch zu suchen haben, ist dies nicht zu haben. Doch der geht die deutsche Politik aus dem Weg. Denn hinter der Staatsräson, die die Mehrheit der Abgeordneten die Einsatz-Mandate immer wieder verlängern lässt, versteckt sich eine tiefe Verunsicherung.

Leser-Kommentare
  1. für die Verteidigung der Freiheit am Hindukush ( auch wenn man nicht weiss, was man da überhaupt macht)

    als Vertreter für all die mutigen Politiker, die einen Einsatz beschliessen, aber dann doch lieber zu Hause ihre Diäten einstreichen und im Notfall ihr "tiefstes Bedauern" ausdrücken.

    für unsere Waffenindustrie, die einmal mehr Waffen und Munition ausliefern kann.

    für ein paar lumpige Euros, um Frau und Familie zu ernähren

    als guter Deutscher, der glaubt, damit seinem Heimatland einen Dienst ( und wenns ein Bärendienst ist) zu erweisen und mit stolzgewellter Brust in die nächste Mine zu rasen

    als Sensation für die heimischen Medien, die endlich mal wieder über Helden berichten können, weil es sonst ja keine Probleme in der Welt gibt

    Die Liste könnte man ewig so weitersetzen und ich bedauere jeden Menschen, der durch die Feigheit und Unfähigkeit diverser Politiker sein Leben verliert. Das waren noch Zeiten, als Könige und Feldherren in der ersten Reihe auf den Gegner losstürmten.

    Mein Vorschlag: Schickt die Politker doch mal an die Front zum Einsatz, da werden wir überall auf der Welt GANZ SCHNELL Frieden haben!

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    • wll
    • 27.11.2008 um 10:07 Uhr

    "Mein Vorschlag: Schickt die Politker doch mal an die Front zum Einsatz, da werden wir überall auf der Welt GANZ SCHNELL Frieden haben!"

    Gute Idee. In der Steinzeit kämpften bei Konflikten zwischen zwei Sippen deren Anführer gegeneinander, der Sieger hat dann Recht bekommen. Kriege mit maximal einem Gefallenen und wer den Krieg anzettelt, hält auch den Kopf hin - was für eine schöne Vorstellung...

    "Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit". Was soll das bloß heißen? Etwa ihnen zur "Entschädigung", quasi im Gegenzug für das was ihnen von der deutschen Poltik genommen wurde? Für Frieden, Recht und Freiheit, die ihnen nicht gewährt wurden, weil sie in grundgesetzwidrige Kriege im Ausland geschickt wurden und ihre Kameraden, die diese Einsatz-Befehle verweigerten, Disziplinarstrafen erhielten?

    Mit Ehre hat ein solcher Tod nichts zu tun, eher mit geraubter oder voreilig aufgegebener Menschenwürde. Er hat im Falle des Fallens in Afghanistan auch nichts mit "treuem Dienen" des Grundgesetzes zu tun, sondern allenfalls mit Kadavergehorsam gegenüber dem direkten Vorgesetzten und den Verrätern an Frieden und Recht.

    Immerhin:
    Sehr passend, dass dieses unehrenhafte Denkmal im Innenhof des Bendlerblocks versteckt sein wird! So wie die wahren Kriegsgründe hinter verlogenen Phrasen versteckt werden. Ein Bauwerk hinter geschlossenen Mauern, um das Militär, das sinnlos seinen Kopf hinhält, damit ruhigzustellen: "Seht her, hier dürft ihr gedenken. Hier gedenken wir euch. Aber: Psst! Nur nicht zu laut gedenken. Die Bürger könnten es mitbekommen."

    Das ist die schöne neue Welt, in der der Soldat wieder Soldat sein darf, und der Bürger Bürger, aber bitte der eine vom anderen möglichst wenig wissen soll.

    Die Solidarisierung des Bürgers mit dem Soldaten, die Identifizikation des Soldaten mit seinen Bürgerrechten ist nicht erwünscht.

    Den Bürger in Uniform, wo gibt es ihn noch?

    Die aufrechten Bürger (wie etwa Jürgen Rose) werden genötigt ihre Uniform abzugeben; und die verbleibenden Uniformträger ohne Bürgersinn werden fein säuberlich vom zivilen Bürger getrennt - damit der sie und den Krieg erfolgreicher aus dem staatsbürgerlichen Gewissen verdrängen kann. Die aufrechten Bürger müssen Strafen büßen, die Soldaten genannten Söldner bekommen ein (Un-)"Ehrenmal" für ihre dummtreue Haltung, und die Masse der deutschen Michels verschläft fahrlässig die tödliche Entwicklung - um nachher wieder die Mär von Verführung, Sachzwang, Befehlsnotstand, Machtlosigkeit und Unschuld erzählen zu können.

    Der Ort dieses schändlichen, heuchlerischen Bauwerks ist sehr symbolisch, ja kündet geradezu verräterisch von dieser "Moral": Abgeschottet vom Normalbürger darf sich hier der Soldat geehrt und über den Zivilisten erhoben fühlen. Ein militärisches Staatsdenkmal im militärischen Staatsgebäude - fernab der Zivilgesellschaft, fernab der Demokratie. Doch zur gleichzeitigen Einschüchterung dieses in Abwesenheit dessen derart "geehrten" Soldatens dient andererseits der Geist eines Ortes, an dem ein Stauffenberg für seinen Widerstandsgeist gegen mörderische Befehle erschossen wurde. Im Idealfall hält sich beides die Waage, sodass der Soldat weitermachen kann wie bisher, keine unangenehmen Fragen stellt, und nicht etwa sauer wird auf die Führung, sondern allenfalls auf die verständnislosen Zivilisten. Das wird billigend in Kauf genommen, so lange er nur weiter funktioniert. Falls er's nicht tut, wird er zum Bürger "degradiert" und es ist fortan sein privates Problem.

    Bleibt zu hoffen, dass Soldaten wie Bürger erkennen, dass die wirkliche Degradierung schon viel früher stattfindet: Nämlich dann, wenn ein Mensch von einem Menschen mit Bürgerrechten zu einem Soldaten ohne solche herabgestuft wird. Und dass sich von solchen "Ehrenmalen" niemand darüber hinwegtäuschen lässt.

    • wll
    • 27.11.2008 um 10:07 Uhr

    "Mein Vorschlag: Schickt die Politker doch mal an die Front zum Einsatz, da werden wir überall auf der Welt GANZ SCHNELL Frieden haben!"

    Gute Idee. In der Steinzeit kämpften bei Konflikten zwischen zwei Sippen deren Anführer gegeneinander, der Sieger hat dann Recht bekommen. Kriege mit maximal einem Gefallenen und wer den Krieg anzettelt, hält auch den Kopf hin - was für eine schöne Vorstellung...

    "Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit". Was soll das bloß heißen? Etwa ihnen zur "Entschädigung", quasi im Gegenzug für das was ihnen von der deutschen Poltik genommen wurde? Für Frieden, Recht und Freiheit, die ihnen nicht gewährt wurden, weil sie in grundgesetzwidrige Kriege im Ausland geschickt wurden und ihre Kameraden, die diese Einsatz-Befehle verweigerten, Disziplinarstrafen erhielten?

    Mit Ehre hat ein solcher Tod nichts zu tun, eher mit geraubter oder voreilig aufgegebener Menschenwürde. Er hat im Falle des Fallens in Afghanistan auch nichts mit "treuem Dienen" des Grundgesetzes zu tun, sondern allenfalls mit Kadavergehorsam gegenüber dem direkten Vorgesetzten und den Verrätern an Frieden und Recht.

    Immerhin:
    Sehr passend, dass dieses unehrenhafte Denkmal im Innenhof des Bendlerblocks versteckt sein wird! So wie die wahren Kriegsgründe hinter verlogenen Phrasen versteckt werden. Ein Bauwerk hinter geschlossenen Mauern, um das Militär, das sinnlos seinen Kopf hinhält, damit ruhigzustellen: "Seht her, hier dürft ihr gedenken. Hier gedenken wir euch. Aber: Psst! Nur nicht zu laut gedenken. Die Bürger könnten es mitbekommen."

    Das ist die schöne neue Welt, in der der Soldat wieder Soldat sein darf, und der Bürger Bürger, aber bitte der eine vom anderen möglichst wenig wissen soll.

    Die Solidarisierung des Bürgers mit dem Soldaten, die Identifizikation des Soldaten mit seinen Bürgerrechten ist nicht erwünscht.

    Den Bürger in Uniform, wo gibt es ihn noch?

    Die aufrechten Bürger (wie etwa Jürgen Rose) werden genötigt ihre Uniform abzugeben; und die verbleibenden Uniformträger ohne Bürgersinn werden fein säuberlich vom zivilen Bürger getrennt - damit der sie und den Krieg erfolgreicher aus dem staatsbürgerlichen Gewissen verdrängen kann. Die aufrechten Bürger müssen Strafen büßen, die Soldaten genannten Söldner bekommen ein (Un-)"Ehrenmal" für ihre dummtreue Haltung, und die Masse der deutschen Michels verschläft fahrlässig die tödliche Entwicklung - um nachher wieder die Mär von Verführung, Sachzwang, Befehlsnotstand, Machtlosigkeit und Unschuld erzählen zu können.

    Der Ort dieses schändlichen, heuchlerischen Bauwerks ist sehr symbolisch, ja kündet geradezu verräterisch von dieser "Moral": Abgeschottet vom Normalbürger darf sich hier der Soldat geehrt und über den Zivilisten erhoben fühlen. Ein militärisches Staatsdenkmal im militärischen Staatsgebäude - fernab der Zivilgesellschaft, fernab der Demokratie. Doch zur gleichzeitigen Einschüchterung dieses in Abwesenheit dessen derart "geehrten" Soldatens dient andererseits der Geist eines Ortes, an dem ein Stauffenberg für seinen Widerstandsgeist gegen mörderische Befehle erschossen wurde. Im Idealfall hält sich beides die Waage, sodass der Soldat weitermachen kann wie bisher, keine unangenehmen Fragen stellt, und nicht etwa sauer wird auf die Führung, sondern allenfalls auf die verständnislosen Zivilisten. Das wird billigend in Kauf genommen, so lange er nur weiter funktioniert. Falls er's nicht tut, wird er zum Bürger "degradiert" und es ist fortan sein privates Problem.

    Bleibt zu hoffen, dass Soldaten wie Bürger erkennen, dass die wirkliche Degradierung schon viel früher stattfindet: Nämlich dann, wenn ein Mensch von einem Menschen mit Bürgerrechten zu einem Soldaten ohne solche herabgestuft wird. Und dass sich von solchen "Ehrenmalen" niemand darüber hinwegtäuschen lässt.

  2. wieso ein ehrenmal?
    die soldaten machen ihren job und werden dafür bezahlt. ebenso busfahrer, krankenschwestern und alle anderen die einen beruf haben dürfen. wieso sollte man ausgerechnet diese berufsgruppe ehren? weil sie für das deutsche vaterland gefallen sind? man sollte auch nicht alles nachmachen was andere länder vormachen.

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    • mexi42
    • 27.11.2008 um 10:17 Uhr

    ... ein Monument gehört zur TRADITION, die sich
    allmählich wieder einschleicht, hinter dem BÜRGER IN UNIFORM.
    Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber immer tut es der Mensch.

    • kai1
    • 04.12.2008 um 19:19 Uhr

    Es ist in unserer durch und durch unmilitärischen Gesellschaft ein weit verbreiteter Irrtum, zu glauben, Soldat zu sein sei ein Beruf wie jeder andere auch.
    Kein Busfahrer, keine Krankenschwester und kein Angehöriger eines anderen Berufs (vielleicht mit Ausnahme des Polizisten und des Berufsfeuerwehrmanns) geht beim Abschluss eines Arbeitsvertrages davon aus, dass sein Beruf ein Risiko für Leib und Leben beinhaltet bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit beinhalten könnte.
    Auch die Zunahme von Gewalt in einer Zivilgesellschaft, die auch zivile Berufe betrifft, ändert nichts an dieser fundamentalen Tatsache.
    Manche mögen die Beendigung einer Sonderstellung des Militärs als eine zivilisatorische Errungenschaft ansehen. Soweit das militaristische Auswüchse betrifft, die leider in der deutschen Geschichte nur allzu häufig vorgekommen sind, ist einer solchen Haltung zuzustimmen.
    Aus der besonderen Gefährdung, die der Soldatenberuf heute mehr als zu Zeiten des Kalten Krieges mit sich bringt, leitet sich in unserer Gesellschaft jedoch kein Anspruch der Streitkräfte auf eine besonders herausgehobene Stellung ab.
    Die besondere Würdigung der Gefahren, die Angehörige der Bundeswehr auf sich nehmen, ist aber nicht mehr und nicht weniger als eine Frage des menschlichen Anstands.
    Der Wert oder Unwert einer Gesellschaft zeigt sich auch daran, wie sie mit ihren Soldaten umgeht - auch nach einer Katastrophe wie der des 2. Weltkrieges.

    • mexi42
    • 27.11.2008 um 10:17 Uhr

    ... ein Monument gehört zur TRADITION, die sich
    allmählich wieder einschleicht, hinter dem BÜRGER IN UNIFORM.
    Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber immer tut es der Mensch.

    • kai1
    • 04.12.2008 um 19:19 Uhr

    Es ist in unserer durch und durch unmilitärischen Gesellschaft ein weit verbreiteter Irrtum, zu glauben, Soldat zu sein sei ein Beruf wie jeder andere auch.
    Kein Busfahrer, keine Krankenschwester und kein Angehöriger eines anderen Berufs (vielleicht mit Ausnahme des Polizisten und des Berufsfeuerwehrmanns) geht beim Abschluss eines Arbeitsvertrages davon aus, dass sein Beruf ein Risiko für Leib und Leben beinhaltet bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit beinhalten könnte.
    Auch die Zunahme von Gewalt in einer Zivilgesellschaft, die auch zivile Berufe betrifft, ändert nichts an dieser fundamentalen Tatsache.
    Manche mögen die Beendigung einer Sonderstellung des Militärs als eine zivilisatorische Errungenschaft ansehen. Soweit das militaristische Auswüchse betrifft, die leider in der deutschen Geschichte nur allzu häufig vorgekommen sind, ist einer solchen Haltung zuzustimmen.
    Aus der besonderen Gefährdung, die der Soldatenberuf heute mehr als zu Zeiten des Kalten Krieges mit sich bringt, leitet sich in unserer Gesellschaft jedoch kein Anspruch der Streitkräfte auf eine besonders herausgehobene Stellung ab.
    Die besondere Würdigung der Gefahren, die Angehörige der Bundeswehr auf sich nehmen, ist aber nicht mehr und nicht weniger als eine Frage des menschlichen Anstands.
    Der Wert oder Unwert einer Gesellschaft zeigt sich auch daran, wie sie mit ihren Soldaten umgeht - auch nach einer Katastrophe wie der des 2. Weltkrieges.

    • colca
    • 27.11.2008 um 9:06 Uhr

    Herr Seils stellt die berechtigte Frage, wofür der Bürger Soldat denn stirbt. Und bietet auch gleich 3 Antworten an:

    "Historische Verantwortung, Bündnisverpflichtungen, deutsche Interessen?"

    Historische Verantwortung?
    Für Afghanistan wohl kaum. Zentralasien liegt weit, sehr weit außerhalb der Verantwortung einer europäischen Mittelmacht.
    Deutsche Interessen?
    Ebenso wenig. Oder inwieweit liegt es im deutschen Interesse, einen Präsidenten nebst Clan an der Macht zu halten, dessen Kompetenzbereich am Ortsausgangsschild von Kabul endet. Er und seine Warlord- und Drogenbarongouverneure würden einen Abzug der NATO-Truppen nur um kurze Zeit überdauern. Aber das ist afghanische Innenpolitik.
    Bündnisverpflichtungen?
    Da kommen wir der Sache schon näher. Reden wir doch Klartext. Die Bundesrepublik ist durch ihre NATO-Mitgliedschaft verpflichtet, Hilfstruppen für den (noch amtierenden) Hegemon zu stellen. So wie es schon immer war - Staaten mit begrenzter Souveränität müssen ihrer Schutzmacht Heeresfolge leisten - siehe Rheinbundstaaten und Napoleon.
    Was hilft dagegen? Mehr Souveränität. Entweder wird die NATO auf ihren ursprünglichen Daseinszweck, der Territorialverteidigung ihrer Mitglieder, zurückgeführt - oder wir sollten, wenn wir die Kriege fremder Mächte mitfechten müssen, aus diesem Verein austreten.
    Umringt von Freunden innerhalb der EU stellt sich ohnehin die Frage, wozu wir amerikanisches Militär im Lande haben. Aber das ist ein anderes Thema.

    Tja Herr Jung, ohne NATO-Heeresfolge müssten Sie diese Diskussion um ein neues Kriegerdenkmal nicht führen. Und die Angehörigen der toten BW-Soldaten brauchen sich keinen Illusionen hinzugeben. Die Toten werden in unserem Land genauso schnell vergessen werden, wie ihre Millionen von Vorgängern aus dem letzten Jahrhundert. Deren Andenken ist der Bundesregierung auch nur ein verdruckstes BlaBla wert.
    So hart es auch klingt - die BW-Soldaten sind in Afghanistan einen sinnlosen Tod gestorben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dem "sinnlosen Tod" der bisher in Afghanistan gefallenen Soldaten und Zivilisten stimme ich als jemand, der die Situation aus erster Hand kennt, voll und ganz zu. Ist es wirklich die Bündnisverpflichtung? Warum sagt das denn dann kein Politiker? Einen Bündnisfall und eine dazugehörige Verpflichtung zu erfüllen ist doch auch ein ehrenvolles Motiv, oder!? Warum sagt es dann kein Politiker? Warum wird über die anderen Motive ("Hindukusch" et des autres betises...) geschwafelt und genuschelt? Warum steht dieses Ehrenmal (bei Erfüllen des Bündnisfalles, welches ehrenhaft ist, wäre die Verknüpfung ja gar kein Problem) nicht an prominenter Stelle?
    Soldat als "Staatsbürger in Uniform" : ein schöner Gedanke, der in die junge Bundesrepublik gut gepaßt hat, jetzt paßt er nicht mehr.... wie oft habe ich an eigener Person Lug und Trug und Maulkorb-Erlasse gespürt!?
    An meiner Schule in der Aula hing eine Gedenktafel mit den ehemaligen Schülern verzeichnet, die in den WK gefallen sind mit dem Sinnspruch "Dulce et decorum est pro patria mori".
    Gut. Dann soll derjenige, der Menschen unseres Volkes in einen Einsatz schickt dazu auch klar und deutlich Stellung beziehen. Er soll begründen warum und wofür der Soldat sein Leben riskiert, damit dieser es seinen Angehörigen vermitteln kann, er soll ihn angemessen bezahlen, ausrüsten und ausbilden (was bisher nicht geschieht!), er soll ein angemessene Vesorgung im Falle der Invalidität erhalten ( alles Dinge, die in Deutschland nicht abschließend und für alle verbindlich geregelt sind).
    Und wenn sich dann noch Freiwillige finden, die diesem Auftrag in unserer Armee folgen, dann ist es in Ordnung. Dann braucht aber auch niemand das Ehrenmal im Innenhof des Bendler-Blockes zu verstecken, sondern diese sollte dann am Haupteingang des Reichstagsgebäudes - vielleicht etwas seitlich- aufgestellt werden.
    Dass das nicht geschieht, hat m.E. nur die eine Ursache: alle die vorgenannten Bedingungen im Sinne einer "conditio sine qua non" sind nicht erfüllt. Die Politik windet sich, bezieht nicht klar Stellung, versteckt sich, damit bloß keine unangenehmen Fragen von Menschen gestellt werden, vor denen man Angst haben müßte...
    Diese Bundeswehr-Einsätze sind schließlich Einsätze, die wir seit über 10 Jahren kennen. Warum ist noch nicht "alles klar", sondern warum wird immer noch improvisiert, gelogen, getrickst, verheimlicht etc......?
    Großes Unverständnis vor soviel Unanständigkeit macht sich bei mir breit.

    Dem "sinnlosen Tod" der bisher in Afghanistan gefallenen Soldaten und Zivilisten stimme ich als jemand, der die Situation aus erster Hand kennt, voll und ganz zu. Ist es wirklich die Bündnisverpflichtung? Warum sagt das denn dann kein Politiker? Einen Bündnisfall und eine dazugehörige Verpflichtung zu erfüllen ist doch auch ein ehrenvolles Motiv, oder!? Warum sagt es dann kein Politiker? Warum wird über die anderen Motive ("Hindukusch" et des autres betises...) geschwafelt und genuschelt? Warum steht dieses Ehrenmal (bei Erfüllen des Bündnisfalles, welches ehrenhaft ist, wäre die Verknüpfung ja gar kein Problem) nicht an prominenter Stelle?
    Soldat als "Staatsbürger in Uniform" : ein schöner Gedanke, der in die junge Bundesrepublik gut gepaßt hat, jetzt paßt er nicht mehr.... wie oft habe ich an eigener Person Lug und Trug und Maulkorb-Erlasse gespürt!?
    An meiner Schule in der Aula hing eine Gedenktafel mit den ehemaligen Schülern verzeichnet, die in den WK gefallen sind mit dem Sinnspruch "Dulce et decorum est pro patria mori".
    Gut. Dann soll derjenige, der Menschen unseres Volkes in einen Einsatz schickt dazu auch klar und deutlich Stellung beziehen. Er soll begründen warum und wofür der Soldat sein Leben riskiert, damit dieser es seinen Angehörigen vermitteln kann, er soll ihn angemessen bezahlen, ausrüsten und ausbilden (was bisher nicht geschieht!), er soll ein angemessene Vesorgung im Falle der Invalidität erhalten ( alles Dinge, die in Deutschland nicht abschließend und für alle verbindlich geregelt sind).
    Und wenn sich dann noch Freiwillige finden, die diesem Auftrag in unserer Armee folgen, dann ist es in Ordnung. Dann braucht aber auch niemand das Ehrenmal im Innenhof des Bendler-Blockes zu verstecken, sondern diese sollte dann am Haupteingang des Reichstagsgebäudes - vielleicht etwas seitlich- aufgestellt werden.
    Dass das nicht geschieht, hat m.E. nur die eine Ursache: alle die vorgenannten Bedingungen im Sinne einer "conditio sine qua non" sind nicht erfüllt. Die Politik windet sich, bezieht nicht klar Stellung, versteckt sich, damit bloß keine unangenehmen Fragen von Menschen gestellt werden, vor denen man Angst haben müßte...
    Diese Bundeswehr-Einsätze sind schließlich Einsätze, die wir seit über 10 Jahren kennen. Warum ist noch nicht "alles klar", sondern warum wird immer noch improvisiert, gelogen, getrickst, verheimlicht etc......?
    Großes Unverständnis vor soviel Unanständigkeit macht sich bei mir breit.

    • Rellem
    • 27.11.2008 um 9:26 Uhr

    Hi @ll
    Es ist schon beschämend das genau die Politiker die den Einsatz der Soldaten zu verantworten haben, das Ehrenmahl genau dorthin verfrachten wo sie es nicht sehen müssen.
    Es gehört vor das Reichstag-Gebäude, nicht in irgendeinen Hinterhof und optimaler Weise so, das jeder Bundestagsabgeordnete jeden Tag daran vorbei muss.
    Das soll die verantwortlichen Damen und Herren jeden Tag daran erinnern das sie eine Verantwortung tragen.
    Nur was erleben wir?
    Bei der letzten Vereidigung vor dem Reichstagsgebäude war die Hälfte der MitgliderInnen des Verteidigungsausschusses im Urlaub oder hielt es aus fadenscheinigen Gründen nicht für notwendig zu erscheinen, von Party-Wowi ganz zu schweigen.
    Sehr tief blicken lässt auch folgendes Zitat aus dem Artikel
    Zitat
    *Doch Verteidigungsminister Jung will vor allem daran erinnern, dass Bundeswehrsoldaten das „in der Gelöbnis- und Eidesformel geforderte treue Dienen nicht selten mit dem Leben bezahlen“ und ihnen die „persönliche Pflichterfüllung das höchste Opfer abrang“. *
    Zitat Ende
    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, er meint natürlich nicht seine persönliche "Pflichterfüllung".
    Gruss
    Rene

    • wll
    • 27.11.2008 um 10:07 Uhr

    "Mein Vorschlag: Schickt die Politker doch mal an die Front zum Einsatz, da werden wir überall auf der Welt GANZ SCHNELL Frieden haben!"

    Gute Idee. In der Steinzeit kämpften bei Konflikten zwischen zwei Sippen deren Anführer gegeneinander, der Sieger hat dann Recht bekommen. Kriege mit maximal einem Gefallenen und wer den Krieg anzettelt, hält auch den Kopf hin - was für eine schöne Vorstellung...

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    • KFlash
    • 27.11.2008 um 10:14 Uhr

    Nur weil das in einigen Griechischen Stadtstaaten so war, und man es im Film Troja gesehen hat, heißt das noch lange nicht, dass das Alltag war.

    Selbst Schimpansen kämpfen in Gruppen - also als Armee - um Reviere und verteidigen ihre Grenzen gegen andere Clans.

    • KFlash
    • 27.11.2008 um 10:14 Uhr

    Nur weil das in einigen Griechischen Stadtstaaten so war, und man es im Film Troja gesehen hat, heißt das noch lange nicht, dass das Alltag war.

    Selbst Schimpansen kämpfen in Gruppen - also als Armee - um Reviere und verteidigen ihre Grenzen gegen andere Clans.

    • KFlash
    • 27.11.2008 um 10:14 Uhr

    Nur weil das in einigen Griechischen Stadtstaaten so war, und man es im Film Troja gesehen hat, heißt das noch lange nicht, dass das Alltag war.

    Selbst Schimpansen kämpfen in Gruppen - also als Armee - um Reviere und verteidigen ihre Grenzen gegen andere Clans.

    Antwort auf "Gute Idee"
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    • wll
    • 27.11.2008 um 12:40 Uhr

    in der Antike waren bereits (für damalige Verhältnisse) Massenheere von einigen zehntausend Soldaten üblich. Zweikämpfe zwischen Anführern gab es zu dieser Zeit eigentlich nicht mehr. Immerhin nahmen die damaligen Machthaber durchaus noch an den von ihnen initiierten Schlachten teil, inklusive dem Risiko des "Heldentods". Das perverse Verhalten, Menschenmassen aus sicherer Entfernung im Kommandobunker zu verheizen, kam ja erst in der Neuzeit auf.

    Übrigens: der Film "Troja" ist die Hollywoodversion eines antiken Epos. Geschichtstreue darf bei beiden Quellenarten nicht unbedingt erwartet werden...

    Wenn Sie meinen Post aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, dass ich von der Steinzeit und nicht von der von Ihnen referenzierten Antike gesprochen habe. Während das Neolithikum etwa 5000 v. Chr. endet, begann die Antike erst etwa 1200 v. Chr. Ich hoffe, Ihnen ist der Unterschied damit etwas klarer geworden.

    • wll
    • 27.11.2008 um 12:40 Uhr

    in der Antike waren bereits (für damalige Verhältnisse) Massenheere von einigen zehntausend Soldaten üblich. Zweikämpfe zwischen Anführern gab es zu dieser Zeit eigentlich nicht mehr. Immerhin nahmen die damaligen Machthaber durchaus noch an den von ihnen initiierten Schlachten teil, inklusive dem Risiko des "Heldentods". Das perverse Verhalten, Menschenmassen aus sicherer Entfernung im Kommandobunker zu verheizen, kam ja erst in der Neuzeit auf.

    Übrigens: der Film "Troja" ist die Hollywoodversion eines antiken Epos. Geschichtstreue darf bei beiden Quellenarten nicht unbedingt erwartet werden...

    Wenn Sie meinen Post aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, dass ich von der Steinzeit und nicht von der von Ihnen referenzierten Antike gesprochen habe. Während das Neolithikum etwa 5000 v. Chr. endet, begann die Antike erst etwa 1200 v. Chr. Ich hoffe, Ihnen ist der Unterschied damit etwas klarer geworden.

    • QUOTE
    • 27.11.2008 um 10:14 Uhr

    (GREAT WAR)

    SQUIRE nagged and bullied till I went to fight,
    (Under Lord Derby’s Scheme). I died in hell—
    (They called it Passchendaele). My wound was slight,
    And I was hobbling back; and then a shell
    Burst slick upon the duck-boards: so I fell
    Into the bottomless mud, and lost the light.

    At sermon-time, while Squire is in his pew,
    He gives my gilded name a thoughtful stare:
    For, though low down upon the list, I’m there;
    ‘In proud and glorious memory’ ... that’s my due.
    Two bleeding years I fought in France, for Squire:
    I suffered anguish that he’s never guessed.
    Once I came home on leave: and then went west...
    What greater glory could a man desire?

    Siegfried Sassoon (1886–1967).

    http://bartleby.net/137/8.html

    • mexi42
    • 27.11.2008 um 10:17 Uhr

    ... ein Monument gehört zur TRADITION, die sich
    allmählich wieder einschleicht, hinter dem BÜRGER IN UNIFORM.
    Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber immer tut es der Mensch.

    Antwort auf "ehrenmahl?"

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