David Hernández war ein Chavista der allerersten Stunde. Als der Oberstleutnant Hugo Chávez Frias im Februar 1992 das Signal zu einem Staatsstreich gegen den unbeliebten Präsidenten Carlos Andrés Pérez gab, führte Hernández einen Kommandotrupp von 80 Soldaten in den Präsidentenpalast Miraflores in Caracas. Der Amtsinhaber entwischte im Kugelhagel. Fünf Stunden später brach der schlecht vorbereitete Putsch zusammen. Chávez und Hernández landeten im Gefängnis – und verbrachten die nächsten zwei Jahre gemeinsam hinter Gittern, bis die Aufrührer allesamt begnadigt wurden.

15 Jahre später hat Hernández mit Chávez gebrochen. Er fühlt sich von seinem früheren Idol verraten. Der Ex-Elitesoldat vertritt heute die Interessen von 800 Zuckerrohrproduzenten in der Region um Sabaneta. Die unscheinbare Kleinstadt im Bundesstaat Barinas im Südwesten Venezuelas wird gerne die Wiege der bolivarischen Revolution genannt. Der Comandante Chávez kam hier am 28. Juli 1954 zur Welt.

Korruption in der Wiege der bolivarischen Revolution

Anklagend steht Hernández vor einer halb fertigen Fabrik, fünf Autominuten von Sabaneta entfernt. Die Bauern vertrauten dem Wort des Präsidenten. Hier sollte bis 2005 die größte Zuckerrohrfabrik Südamerikas entstehen, versprach Chávez vor sieben Jahren. Bis heute sei nicht einmal die Hälfte der Konstruktion fertiggestellt, sagt Hernández. In diesem Jahr mussten die kleinen Agrarbetriebe deswegen 3000 Hektar Zuckerrohr verrotten lassen. Korruption und Unfähigkeit der zuständigen Behörden hätten die Existenzgrundlage vieler Familien zerstört.

"Verantwortlich sind der Bürgermeister von Sabaneta, Aníbal Chávez, und der Chef  der Regionalregierung, Hugo de los Reyes Chávez", schimpft Hernández. Der Name Chávez fällt häufiger in seinen Geschichten über Schlendrian und Amtsmissbrauch in Barinas.

Kein Wunder. Seit dem Wahlsieg von Chávez vor zehn Jahren hat sich die Region in eine Art Familienbetrieb des Präsidenten-Clans verwandelt. Vater Hugo de los Reyes Chávez fungiert als Gouverneur, Sohnemann Argenis hilft ihm als Staatssekretär beim Regieren, ein weiterer von insgesamt sechs Brüdern des Präsidenten hat einen Job bei einer lokalen Bank.