Internetzugang DSL für alle bleibt vorerst ein Traum

Auf dem IT-Gipfeltreffen der Bundesregierung in Darmstadt ging es um die Regionen, die ohne schnelles Internet dahinvegetieren. Die Botschaft lautet: abwarten!

Die schnelle Internetverbindung für alle war eins der Themen beim IT-Gipfeltreffen der Bundesregierung am Donnerstag in Darmstadt. Highspeed-Surfen ist für einen großen Teil der Deutschen nicht mehr wegzudenken. Umfangreiche Literaturrecherchen, der Versand wichtiger Dokumente oder ein Gespräch mit dem Onkel aus Australien - dank günstiger DSL-Anschlüsse ist vieles schneller, einfacher und oft auch günstiger geworden. Nach Schätzungen des Branchenverbands Bitkom werden Ende 2008 rund 58 Prozent aller Haushalte über einen Breitbandanschluss verfügen. Die favorisierte Zugangstechnik ist klar DSL, lediglich jeder zwanzigste schnelle Surfer nutzt eine andere Technik.

Glaubt man dagegen den Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums, kommt theoretisch sogar fast jeder Deutsche schnell ins Netz: Die Abdeckung im Bundesgebiet beträgt vorbildliche 97 Prozent. Eine beachtliche Zahl, die leider einen Haken hat: Denn nicht in allen Regionen ist dieser Breitbandzugang auch bezahlbar. So umfasst die eindrucksvolle Zahl auch Zugänge via Satellit oder UMTS – für viele zu langsam oder schlicht zu teuer. Zieht man diese Exoten ab, finden sich – insbesondere im Osten Deutschlands – etliche weiße Flecken auf der Netz-Karte:

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Über 800 Gemeinden sind laut Bitkom nicht an das DSL-Netz angeschlossen. Die Technik, die zur Übertragung die Telefon-Kupferleitungen nutzt, kommt nur wenige Kilometer ohne teure Relaisstation aus. Eine Anbindung abgelegener Ortschaften lohnt sich für die Telekom-Anbieter somit schlicht nicht.

Eine Alternative wäre eine kostengünstige Netz-Anbindung über Funk. Der Zeitpunkt für ein solches Projekt ist günstig, denn erst vor Kurzem sind geeignete Frequenzen frei geworden. Durch die Digitalisierung des Fernsehrundfunks benötigen die einzelnen Sender weniger Platz im Frequenzband. Die freigewordenen Kapazitäten gehören allerdings den Ländern, und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter würden diese ebenfalls gern für neue Angebote nutzen.

Diese Streitfrage bewegte in Darmstadt auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Er stellte sich hinter die Telekommunikationskonzerne und deren Forderung, die Länder mögen die digitalen Funkfrequenzen möglichst schnell zur Nutzung freigeben. Zu einer wirklich schnellen Lösung wird es aber wohl nicht kommen. „Wir rechnen mit einer Regelung zwischen 2009 und 2011“, vertröstete Glos die Betroffenen.

Leser-Kommentare
  1. dazu verpflichtet ihre Leistungen flächendeckend zu erbringen. Aber "wir" wollten ja die Vorzüge der Privatisierung haben. In Gegenden, in denen sich die Umrüstung auf "normales" DSL für die Telekom nicht lohnt, muß der Kunde eben mit ISDN zum Preis von DSL zufrieden sein. Da ist DSL-light mit 384 kBit/s schon ein Schnäppchen! Das auch das nur zum vollen DSL-Tarif zu haben ist, versteht sich von selbst. Die Kunden sollen doch froh sein, wenn sie für weniger Leistung nicht mehr bezahlen müssen!

  2. früher war die Bundespost ein Staatsunternehmen. Da wurde nicht auf die Kosten geschaut. Auch der letzte Bauernhof bekam seinen Telefonanschluss. Außerdem musste ja den DDR-Bürgern gezeigt werden, wie man erfolgreich wirtschaftet. Jetzt, zudem als börsennotiertes Unternehmen, wird bei der Telekom n u r noch auf die Kosten geschaut.

  3. ich dachte, die Mobilfunkunternehmen bieten auch schnelle Internetverbindungen an.

  4. Als freischaffendes Landei kenne ich das Problem. Wenn man Ortsbürgermeister und Gemeindeverwaltung sensibilisieren kann und eine Verbraucher-Bedarfsumfrage anstellt, hat man schon etwas in der Hand um mit Netzbetreibern zu verhandeln.
    In dünner besiedelten Gebieten sind vor dem Hintergrund der mangelnden Infrastruktur die Grundstückspreise selbst im Ortskern gesunken - Wohlgemerkt im Westen!

    michel katzentisch

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