Neue Musik"Künstler sollen politisch sein"

Erkki-Sven Tüür ist einer der interessantesten Komponisten der Gegenwart. Ein Gespräch über sein neues Violakonzert und die gesellschaftliche Relevanz zeitgenössischer Musik von Burkhard Schäfer

ZEIT ONLINE: Herr Tüür, gerade wurde Ihr Konzert für Bratsche in Dänemark uraufgeführt. Es trägt den Untertitel Illuminatio. Was soll das bedeuten?

Erkki-Sven Tüür: Ich wähle sehr gerne Titel für meine Kompositionen aus, die eine vielschichtige Bedeutung in sich tragen und die nicht zu wortgetreu genommen werden sollten. Dieser Titel handelt einfach vom Licht und seinen verschiedenen Farben in immer wechselnden Brechungen. Klang und Dramaturgie der Komposition spiegeln das Erreichen einer neuen Bewusstseinsstufe, also gleichsam eine Erleuchtung.

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ZEIT ONLINE: Bratschenkonzerte sind recht selten. Wie haben Sie sich dem Instrument angenähert?

Tüür: Zur Zeit der Komposition habe ich mir eine Viola ausgeliehen, um herauszufinden, welche klanglichen und harmonischen Möglichkeiten dieses Instrument bietet. Manchmal habe ich einfach nur eine leere Saite auf der Bratsche gespielt, um in ihren Klang hineinzufinden. Das war fast wie eine Mantra-Übung oder Meditation.

ZEIT ONLINE: Wie erleben Sie den Kompositions- und Schaffensprozess? Haben Sie vorher ein Bild der gesamten Komposition im Kopf oder gestaltet sich das Werk im Laufe der Niederschrift?

Tüür: Beides, weil ich ein formales Konzept habe und ich diese Bilder sehr oft visualisiere. Bevor ich anfange zu komponieren, fertige ich zunächst abstrakte Zeichnungen und Grafiken an, noch keine Noten. Und wenn ich dann komponiere und mit Noten arbeite, ist es ein sehr organischer Prozess. Dabei kann sich sogar das gesamte Bild verändern. Aber für den Beginn des Kompositionsprozesses brauche ich diese Vorstellung, ein abstraktes Bild von dem, was da entstehen soll.

ZEIT ONLINE: Wer sind Ihre musikalischen Vorbilder?

Leserkommentare
    • revm
    • 22. November 2008 8:14 Uhr
    1. Tipp

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