Wirtschaftskrise EU plant 200 Milliarden schweres Konjunkturprogramm
70 Milliarden Euro mehr als bislang geplant will die EU-Kommission zur Ankurbelung der Wirtschaft ausgeben. 30 Milliarden will sie dabei selbst beisteuern
Die EU-Kommission will 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der 27 Mitgliedsstaaten als Umfang des geplanten Konjunkturpakets vorschlagen. Dies entspricht 200 Milliarden Euro, sagte Kommissionspräsident José Manuel Barroso und bezeichnete die derzeitige Situation als "eine außergewöhnliche Krise". 170 Milliarden Euro des Programms sollen von den 27 Mitgliedstaaten gestemmt werden, 30 Milliarden Euro kommen aus dem Haushalt der EU, davon rund die Hälfte von der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg.
Das deutsche Konjunkturpaket ist im Kommissionsvorschlag bereits eingerechnet. "Die schon angekündigten Maßnahmen gehören zu dieser Anstrengung. Was zum Beispiel Deutschland angekündigt hat, ist ein wichtiger Teil", sagte Barroso bei der Vorstellung des Konjunkturpaktes seiner Behörde.
Weiterhin möchte die EU-Kommission, dass die Mitgliedstaaten ihre Konjunkturprogramme miteinander abstimmen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Die Kommission verlange von den Mitgliedstaaten allerdings nicht, identische Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise zu ergreifen. "Wir wollen Koordination, keine Einförmigkeit".
Die EU strebt außerdem die Förderung von umweltfreundlichen Autos an und zwar in einem stärkeren Ausmaß als bisher geplant. Die EIB werde Kredite von vier Milliarden Euro zur Verfügung stellen, sagte Barroso. "Wir schlagen keinen altmodischen Industrieplan für die Autoindustrie vor". Die Kommission werde sich im Hinblick auf Darlehen und Garantien für Branchenunternehmen flexibel zeigen. EU-Finanzkommissar Joaquin Almunia ergänzte, dass diese Mittel nicht nur für die Produzenten, sondern auch für die Zulieferer gedacht sind.
Wegen der drohenden Wirtschaftskrise nimmt die EU-Kommission auch einen Anstieg der staatlichen Haushaltsdefizite in Kauf. Die Maastrichter Defizitmarke von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts könne zeitweilig überschritten werden. Dazu werde der Euro-Stabilitätspakt aber nicht ausgesetzt, sondern lediglich flexibel ausgelegt. "Der Stabilitätspakt ist noch da, er steht nicht in Klammern", sagte Almunia.
Das Defizitverfahren werde deshalb nur bei einer Neuverschuldung von deutlich über drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts greifen. Solange es nur um einige Zehntel Prozentpunkte ginge und die Drei-Prozent-Hürde nicht länger als ein Jahr gerissen werde, werde die Kommission von einem Verfahren absehen.
Die Kommission will außerdem bereits beschlossene Ausgaben für EU-Förderprogramme schneller auszahlen. Damit soll verhindert werden, dass Europa wegen der Finanzkrise in eine schwere, lang anhaltende Rezession rutscht. Eine Erhöhung des EU-Budgets ist nicht vorgesehen.
- Datum 04.05.2009 - 11:09 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 5
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der vergangen jahre hat uns doch erst in dieses dilemma gebracht!
jetzt so weiterzumachen, halte ich fuer nicht sehr gut, allerdings bleibt uns jetzt auch keine weitere alternative.
tja, in den fetten jahren, da hat man nicht nachgedacht, und nun kriegen wir die quittung dafuer!
In den vergangenen 15 Jahren war "Sparen" das einzige politische Motto. Was wurde (teilweise zurecht) über Sozialausgaben, EU-Gelder, den Länderfinanzausgleich gestritten und um jeden Cent gefeilscht. Da wurde an allem gespart, inklusive an der Bildung, der Hygiene in Krankenhäusern, der Raumtemperatur in Schulen, der Qualität von Straßen und Autobahnen.
Heute dagegen überbieten sich dieselben "Wirtschaftsexperten" und Staatslenker mit immer größeren Konkunkturpaketen. Von 200.000.000.000 Euro ist im Artikel die Rede. Wofür? Damit das Kasino frisches Geld bekommt und in 5 Jahren der nächste große Crash kommt? Mit einer dann um 200.000.000.000 Euro höheren Schuldenlast?
Man bekommt den Eindruck, dass die EU noch ein virtuelles Völkchen im Hintergrund hält, das mit seinen Steuerzahlungen Fehler des Systems beheben kann. Könnte es sein, dass jeder Steuerzahler demnächst zweimal zur Kasse gebeten wird?
Ich würde in dieser Situation lieber auf das Sparen setzen. Und ich hätte da auch eine Idee, wo gewaltig gespart werden kann - sparen wir uns die Europäische Kommission. Der Unsinn der doppelten Legislative gehört gestoppt.
Anstatt jetzt zur Ankurbelung des Konsums die Mehrwertsteuer zu senken und damit nachfolgende Generationen weiter zu belasten hätte man in den Zeiten, in denen die Unternehmen fette Gewinne eingefahren haben die Arbeitnehmer durch angemessene Lohnabschlüsse an dem von ihnen erarbeiteten Aufschwung teilhaben lassen sollen.
Für mich bedeutet dies, daß die einzige Lösung ist, sich diesem System zu entziehen und den ganzen Wahnsinn nicht mehr mitzumachen und mitzutragen. Ich bin nicht bereit diese auf katastrophale Weise eingebrockte Suppe auszulöffeln. Ich kann alle nur ermutigen, für sich selbst "alternative" Lebens- und Wirtschaftsmodelle zu suchen (die es ja teilweise schon gibt) und aus dem Irrsinn auszusteigen. Vielleicht ist dies die einzige Möglichkeit etwas zu ändern... Alles was ja von der Politik an Lösungsvorschlägen kommt heißt nämlich "so weitermachen".
Eine Schande ist es auch mit ansehen zu müssen, wie auf einmal Gelder locker gemacht werden für diesen Irrsinn des stetigen Wachstums, wobei quasi zur Stunde der ganze Planet umwelttechnisch, sozial und humanitär gesehen gegen die Wand fährt. Ich erkenne entweder Unfähigkeit oder kriminelles Handeln bei den Verantwortlichen "Lenkern".
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