Überwachung im Kindergarten Kind nur gegen Fingerabdruck
Eine Kita in Berlin wollte per Biometrie überwachen, ob die richtigen Eltern die Sprösslinge abholen. Der Fall zeigt exemplarisch, dass diese Technik mehr Probleme schafft als löst
Biometrie ist dabei, zu einer Art Zaubermittel zu werden, einem Heilsversprechen, wenn es um Sicherheit geht. Das zeigt anschaulich der Fall einer Berliner Kindertagesstätte. Um zu kontrollieren, welche Kinder morgens gekommen sind und welche nachmittags bereits abgeholt wurden, hat man bei einer evangelischen Kita im Berliner Bezirk Mitte einen Fingerabdruckscanner am Eingang installiert. Testweise erst einmal.
Es ist nicht der erste Kindergarten, der ein solches System nutzt. Drei weitere hat in Berlin allein der Lieferant der evangelischen Einrichtung schon bestückt. Doch ist der Fall exemplarisch für die Schwierigkeiten, die sich aus dem Einsatz von Biometrie ergeben.
Der Scanner soll, um es mit den Worten der Herstellerfirma Oytech zu sagen, "zur Daseinskontrolle und zu Überprüfung der Abholberechtigung dienen", also, ob die richtigen Eltern "ihr" Kind abholden. Und zwar "mit Ausschließlichkeit".
Klingt prima, ist aber so einfach nicht.
Das Problem der Kita sei, sagt Kathrin Janert, die Geschäftsführerin des Trägervereins, dass sie keine verschließbare Tür habe. Das Haus werde auch von anderen Mietern und von Firmen genutzt und könne nicht versperrt werden. Vor allem der Garten sei frei zugänglich, und man habe auch zu wenig Personal, um effektiv kontrollieren zu können, wer das Areal betrete oder verlasse. Ermahnungen der Eltern, sich doch abzumelden, wenn sie ihre Kinder abholten, hätten nichts genutzt. Immer wieder würden die Erzieher Kinder suchen, nur um festzustellen, dass sie von ihren Eltern schon mitgenommen worden seien.
Wie immer beim Thema Sicherheit geht es um Angst. Hier um die verständliche Sorge der Erzieher und Erzieherinnen, ein Kind könne abhanden kommen und die Kita ihre Aufsichtspflicht verletzen.
Also ein Fingerabdruckscanner. Das Gerät kostet zwar – ohne Service und Wartung – 4900 Euro, dafür verspricht die Technik einiges. Der Fingerabdruck jedes "Abholberechtigten" wird darin anhand von fünf Merkmalen gespeichert und dem Vornamen des Kindes zugeordnet. Registriert wird dann jeden Tag das Ein- und Auschecken. Im Zweifel wüssten die Verantwortlichen so sehr schnell, ob ein vermisstes Kind noch da sein müsse oder schon auf dem Heimweg sei, sagte Janert. Auch der Datenschutz sei gewahrt, da das Gerät an keinem Netzwerk hänge und sich mit der Zuordnung lediglich zu einem Vornamen nicht viel anfangen lasse.
Nur leider löst der Scanner nicht das eigentliche Problem. Denn er sichert keine Tür und schlägt auch nicht Alarm, wenn ein Kind, ohne ausgecheckt zu werden, die Kita verlässt. Wenn man wolle, könne man einfach an dem Gerät vorbeigehen, sagte Janert, genau wie an den Erzieherinnen.
- Datum 25.11.2008 - 18:10 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 17
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Wegen der Unfähigkeit der Eltern, ihr Kind bei Abholung bei den Erzieherinnen ordentlich abzumelden, wird solch ein Unfug angezettelt?! Die Menschen sollen mehr miteinander kommunizieren und sich dabei ins Gesicht schauen, dann benötigt man auch keine Scanner am Kindergarteneingang. Wenn ich mein Kind abhole, spreche ich gern auch noch drei Sätze mit den Erzieherinnen, schließlich haben sie die letzten Stunden mit meinem Kind verbracht. Wenn die Menschen nicht mal mehr fähig sind, die elementarsten Umgangsformen zu wahren, dann haben sie wahrscheinlich nichts anderes als solche Scanner verdient. Man sollte vorschlagen, daß die Kinder nur noch von Robotern mit integriertem RFID-Chip abgeholt werden dürfen, dann kann man die restlichen 2% der Handarbeit Bedürftigen auch noch verarzten.
Wieder mal ein Zeichen dafür, wie verrottet, krank und ausgebrannt unsere Gesellschaft ist. Man könnte sich echt den Strick nehmen...
ist polemisch, aber wahr.
ist polemisch, aber wahr.
Der Fingerabdruckscanner wurde angeschaft, um das Problem zu beheben, dass sich Eltern nicht abmelden.
Die Kindertagesstætte weiss, das er ander Probleme nicht løst.
Der Autor hatte aber dennoch die Hoffnung, er møge auch ander Probleme løsen und wurde enttæuscht.
Deshalb, so verstehe ich die die Argumentation, kann der Scanner auch beim eigentlichen Problem nicht helfen?
Ein Lob auf die nuechterne Problembetrachtung der Kindertagesstætte.
...ist das. so riesig ist keine kindertagesstätte als das man als erzieher nicht ohne digitale hilfsmittel den überblick zu behalten in der lage sein sollte.
Also ich kann Elchkritiker nur zustimmen. Fingerabdruckscanner um zu kontrollieren ob noch alle Kinder da sind?!? Sowas hab ich auch noch nicht gehört.
Wo doch anscheinend das Problem herrscht, dass der Kitabereich nicht abgetrennt werden kann. Wie soll da ein Scanner das ändern? Das ist noch nicht mal mit Kanonen auf Spatzen schießen, sondern hat überhaupt nichts miteinander zu tun. Wer hat sich das "ausgedacht"?
Außerdem sollte man schon mit dem Menschen kommunizieren der für viele Stunden mein Kind betreut und auch geprägt hat. Völlig richtig, wer solche Umgangsformen nicht beherrscht sollte lieber keine Kinder bekommen....
Der Scanner soll den KiTa Bereich nicht abtrennen, das kann er nicht und das wussten auch alle von Anfang an.
Es wære schøn, auch dieses Problem zu løsen, aber dafuer ist der Scanner nicht da.
"Außerdem sollte man schon mit dem Menschen kommunizieren der für viele Stunden mein Kind betreut und auch geprägt hat. Völlig richtig, wer solche Umgangsformen nicht beherrscht sollte lieber keine Kinder bekommen...."
Die Kinder sind aber da und die Kitas kønnen sie ja wohl kaum mit einem freundlichen "Nein deine Eltern passen uns nicht, die sollten besser keine Kinder bekommen" nach Hause schicken.
Wer die Realitæt in Berlin-Mitte verændern will, muss sie erst einmal anerkennen.
Der Scanner soll den KiTa Bereich nicht abtrennen, das kann er nicht und das wussten auch alle von Anfang an.
Es wære schøn, auch dieses Problem zu løsen, aber dafuer ist der Scanner nicht da.
"Außerdem sollte man schon mit dem Menschen kommunizieren der für viele Stunden mein Kind betreut und auch geprägt hat. Völlig richtig, wer solche Umgangsformen nicht beherrscht sollte lieber keine Kinder bekommen...."
Die Kinder sind aber da und die Kitas kønnen sie ja wohl kaum mit einem freundlichen "Nein deine Eltern passen uns nicht, die sollten besser keine Kinder bekommen" nach Hause schicken.
Wer die Realitæt in Berlin-Mitte verændern will, muss sie erst einmal anerkennen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem das in einem früheren Artikel der Zeit angesprochen wurde (in Zusammenhang mit biometrischen Pässen)
Fingerabdrücke sind nicht sicher - sie können einfach nachgebildet werden.
Die Zeit verwies damnals auf den Chaos Computer Club - siehe hier:
http://www.ccc.de/biometr...
Dazu muss ich sagen dass ich Kommentar 1 auch zustimmen muss.
das die eltern beim abmelden auch das richtige kind mitnehmen.
selten so einen schwachsinn gehoert.
wenn man sich den bericht durchliest, stell ich mir einen raum mit vielen kindern vor und in der ecke sitzt im glaskasten ein gelangweilter pfoertner der seine augen abwechselnd auf bild-zeitung und monitorueberwachung focusiert.
ab und zu kommen ein paar erwachsene rein und holen ihr kind ab.
die loesung liegt doch nah:
"Am einfachsten wäre, wir hätten genug Personal oder könnten die Türen verschließen", sagt Janert.
weniger kinder oder mehr personal.
fuer letzteres fehlen vermutlich die mittel...sehr traurig.
wobei man kaum davon ausgehen kann, das in den jeweiligen kigas sinnvoll mit mitteln umgegangen wird.
anders kann ich mir so eine sinnlose anschaffung nicht erklaeren.
insofern also nix neues.
Bedenklich ist allerdings, daß mit solchen Mätzchen so peu à peu die Akzeptanz biometrischer Verfahren so durch die kalte Küche gesteigert wird. Man darf sicher sein, daß auch solche Faktoren marketingrelevant sind.
insofern also nix neues.
Bedenklich ist allerdings, daß mit solchen Mätzchen so peu à peu die Akzeptanz biometrischer Verfahren so durch die kalte Küche gesteigert wird. Man darf sicher sein, daß auch solche Faktoren marketingrelevant sind.
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