Überwachung im Kindergarten Kind nur gegen FingerabdruckSeite 2/2

Mehr desselben, nannte der Soziologe Paul Watzlawick solches Vorgehen: Mehr Überwachung, obwohl es nicht mehr davon braucht, sondern eher eine Tür mit Klingel.

Und der Scanner schafft sogar noch Probleme: Er macht die Eltern wild. Der Trägerverein war ziemlich überrascht davon, sich in den vergangenen Tagen in den Medien wiederzufinden und wütende Post von Eltern zu bekommen. "Kind abholen - nur gegen Fingerabdruck", schrieb beispielsweise der Tagesspiegel . Janert sagt, es betreffe erst einmal nur die eine Kita, und man habe alles mit den Eltern dort besprochen. Sie beteuert, nichts werde gegen den Willen der Eltern geschehen. Und dann sagte sie noch, dass sie es schade fände, dass besorgte Eltern ihre Fragen nicht mit dem Träger klärten, sondern an die Öffentlichkeit gingen. Offensichtlich haben auch sie Angst.

Das ist der zweite Haken bei der Biometrie: Sie erregt Emotionen, und selten sind es positive.

"Am einfachsten wäre, wir hätten genug Personal oder könnten die Türen verschließen", sagt Janert. Und dass sie nie behauptet hätte, dass der Scanner dieses Problem lösen könne. Aber Biometrie weckt genau solche Hoffnungen. Es gehe doch nur um etwas Hilfe, um einen Baustein, um schneller einen Überblick bekommen zu können, beteuert die Geschäftsführerin. Es klingt hilflos.

Dabei wurde noch nicht einmal debattiert, dass statistisch gesehen zwei Prozent der Weltbevölkerung keinen verwertbaren Fingerabdruck haben. Bei 85 Kindern und damit samt "Abholberechtigten" geschätzten 250 Menschen sind das immerhin rechnerisch fünf, für die es eine alternative Kontrolle bräuchte.

"Das System", sagt Janert, "wirft mittlerweile mehr Fragen auf, als es beantwortet." Es scheint, als sei das das Kernproblem der Biometrie.

Übrigens: Der Datenschutzbeauftragte der evangelischen Kirche hat inzwischen empfohlen, das System nicht weiter zu verwenden. Es sei nicht das richtige Mittel. Man werde der Empfehlung wohl folgen, sagte eine Sprecherin des Trägervereins am Dienstagabend.

 
Leser-Kommentare
  1. Wegen der Unfähigkeit der Eltern, ihr Kind bei Abholung bei den Erzieherinnen ordentlich abzumelden, wird solch ein Unfug angezettelt?! Die Menschen sollen mehr miteinander kommunizieren und sich dabei ins Gesicht schauen, dann benötigt man auch keine Scanner am Kindergarteneingang. Wenn ich mein Kind abhole, spreche ich gern auch noch drei Sätze mit den Erzieherinnen, schließlich haben sie die letzten Stunden mit meinem Kind verbracht. Wenn die Menschen nicht mal mehr fähig sind, die elementarsten Umgangsformen zu wahren, dann haben sie wahrscheinlich nichts anderes als solche Scanner verdient. Man sollte vorschlagen, daß die Kinder nur noch von Robotern mit integriertem RFID-Chip abgeholt werden dürfen, dann kann man die restlichen 2% der Handarbeit Bedürftigen auch noch verarzten.
    Wieder mal ein Zeichen dafür, wie verrottet, krank und ausgebrannt unsere Gesellschaft ist. Man könnte sich echt den Strick nehmen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist polemisch, aber wahr.

    ist polemisch, aber wahr.

  2. Der Fingerabdruckscanner wurde angeschaft, um das Problem zu beheben, dass sich Eltern nicht abmelden.
    Die Kindertagesstætte weiss, das er ander Probleme nicht løst.
    Der Autor hatte aber dennoch die Hoffnung, er møge auch ander Probleme løsen und wurde enttæuscht.
    Deshalb, so verstehe ich die die Argumentation, kann der Scanner auch beim eigentlichen Problem nicht helfen?

    Ein Lob auf die nuechterne Problembetrachtung der Kindertagesstætte.

  3. ...ist das. so riesig ist keine kindertagesstätte als das man als erzieher nicht ohne digitale hilfsmittel den überblick zu behalten in der lage sein sollte.

    • hermse
    • 25.11.2008 um 13:11 Uhr

    Also ich kann Elchkritiker nur zustimmen. Fingerabdruckscanner um zu kontrollieren ob noch alle Kinder da sind?!? Sowas hab ich auch noch nicht gehört.
    Wo doch anscheinend das Problem herrscht, dass der Kitabereich nicht abgetrennt werden kann. Wie soll da ein Scanner das ändern? Das ist noch nicht mal mit Kanonen auf Spatzen schießen, sondern hat überhaupt nichts miteinander zu tun. Wer hat sich das "ausgedacht"?
    Außerdem sollte man schon mit dem Menschen kommunizieren der für viele Stunden mein Kind betreut und auch geprägt hat. Völlig richtig, wer solche Umgangsformen nicht beherrscht sollte lieber keine Kinder bekommen....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Scanner soll den KiTa Bereich nicht abtrennen, das kann er nicht und das wussten auch alle von Anfang an.
    Es wære schøn, auch dieses Problem zu løsen, aber dafuer ist der Scanner nicht da.

    "Außerdem sollte man schon mit dem Menschen kommunizieren der für viele Stunden mein Kind betreut und auch geprägt hat. Völlig richtig, wer solche Umgangsformen nicht beherrscht sollte lieber keine Kinder bekommen...."

    Die Kinder sind aber da und die Kitas kønnen sie ja wohl kaum mit einem freundlichen "Nein deine Eltern passen uns nicht, die sollten besser keine Kinder bekommen" nach Hause schicken.
    Wer die Realitæt in Berlin-Mitte verændern will, muss sie erst einmal anerkennen.

    Der Scanner soll den KiTa Bereich nicht abtrennen, das kann er nicht und das wussten auch alle von Anfang an.
    Es wære schøn, auch dieses Problem zu løsen, aber dafuer ist der Scanner nicht da.

    "Außerdem sollte man schon mit dem Menschen kommunizieren der für viele Stunden mein Kind betreut und auch geprägt hat. Völlig richtig, wer solche Umgangsformen nicht beherrscht sollte lieber keine Kinder bekommen...."

    Die Kinder sind aber da und die Kitas kønnen sie ja wohl kaum mit einem freundlichen "Nein deine Eltern passen uns nicht, die sollten besser keine Kinder bekommen" nach Hause schicken.
    Wer die Realitæt in Berlin-Mitte verændern will, muss sie erst einmal anerkennen.

  4. Hinzu kommt ein weiteres Problem das in einem früheren Artikel der Zeit angesprochen wurde (in Zusammenhang mit biometrischen Pässen)
    Fingerabdrücke sind nicht sicher - sie können einfach nachgebildet werden.

    Die Zeit verwies damnals auf den Chaos Computer Club - siehe hier:
    http://www.ccc.de/biometr...

    Dazu muss ich sagen dass ich Kommentar 1 auch zustimmen muss.

    • NoG
    • 25.11.2008 um 13:26 Uhr

    das die eltern beim abmelden auch das richtige kind mitnehmen.

    selten so einen schwachsinn gehoert.
    wenn man sich den bericht durchliest, stell ich mir einen raum mit vielen kindern vor und in der ecke sitzt im glaskasten ein gelangweilter pfoertner der seine augen abwechselnd auf bild-zeitung und monitorueberwachung focusiert.
    ab und zu kommen ein paar erwachsene rein und holen ihr kind ab.

    die loesung liegt doch nah:
    "Am einfachsten wäre, wir hätten genug Personal oder könnten die Türen verschließen", sagt Janert.

    weniger kinder oder mehr personal.
    fuer letzteres fehlen vermutlich die mittel...sehr traurig.
    wobei man kaum davon ausgehen kann, das in den jeweiligen kigas sinnvoll mit mitteln umgegangen wird.
    anders kann ich mir so eine sinnlose anschaffung nicht erklaeren.

    • keox
    • 25.11.2008 um 13:30 Uhr

    insofern also nix neues.

    Bedenklich ist allerdings, daß mit solchen Mätzchen so peu à peu die Akzeptanz biometrischer Verfahren so durch die kalte Küche gesteigert wird. Man darf sicher sein, daß auch solche Faktoren marketingrelevant sind.

    • keox
    • 25.11.2008 um 13:30 Uhr

    insofern also nix neues.

    Bedenklich ist allerdings, daß mit solchen Mätzchen so peu à peu die Akzeptanz biometrischer Verfahren so durch die kalte Küche gesteigert wird. Man darf sicher sein, daß auch solche Faktoren marketingrelevant sind.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service