Mit drastischen Worten hat die Ministerin eine neue Runde im Kampf rund um Internet-Sperren eingeläutet. "Durch brutale Vergewaltigungen werden Kinderseelen und Kinderkörper zerfetzt", sagte sie dem Hamburger Abendblatt . Immer mehr würden Kinderpornos über kommerzielle Web-Seiten vertrieben, kriminelle Banden verdienten Millionen am Leid der Kinder.

Ihr Ministerium veröffentlichte erschütternde Zahlen: So werde in den Filmen zunehmend Gewalt gegen Kleinkinder oder sogar Kleinstkinder gezeigt. Nach einer britischen Studie waren 80 Prozent der Opfer unter zehn Jahre alt, ein Drittel unter drei, zehn Prozent gar unter zwei Jahre alt. Laut Kriminalstatistik habe der Vertrieb von Kinderpornografie über das Internet von 2006 auf 2007 fast verdoppelt, die Polizei ermittelte in 6206 Fällen. Die gefundenen Beweisstücke seien so drastisch, dass die eingesetzten Beamten psychologische Betreuung benötigten. Über 1000 Web-Seiten seien dem Bundeskriminalamt bereits bekannt.

Also höchste Zeit für den Gesetzgeber: "Wir schließen die Datenautobahn der Kinderpornografie", sagt die Ministerin entschlossen. Die Unterstützung des Bundestages habe sie, Mitglieder aller Parteien stünden hinter dem Vorhaben. Um die Sperre durchzusetzen, muss das Telemediengesetz geändert werden. Jeder Provider wäre fortan verpflichtet, den Zugriff auf die Web-Seiten zu sperren, die das BKA auf seine schwarze Liste setzt.

Doch was aus Sicht der Ministerin so eindeutig und klar ist, ist für die Provider nur ein Schaugefecht: "Leider zeigt die Praxis, dass sogenannte Internet-'Sperren’ lediglich Scheinerfolge erzielen", sagt Oliver Süme, Vorstand des Branchenverbandes Eco. Die Sperren verdrängten die Kinderpornografie lediglich in andere Bereiche: "Aber dadurch wird das Leid keines einzigen Kindes unterbunden, kein einziger Täter gefasst und kein einziges Bild aus dem Internet entfernt", so Süme.

Statt auf Sperren setzt der Provider-Verband auf Aufklärung: Er betreibt zusammen mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) die Internet-Beschwerdestelle , bei der Experten Hinweise auf Kinderpornografie sammeln und auswerten. "Allein eco ist im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits über 2500 Hinweisen auf kriminelle Internet-Inhalte nachgegangen und hat rund 250 Fälle von Kinderpornografie im Internet an die Polizei weitergeleitet", sagt Süme. "In enger Kooperation mit dem Bundeskriminalamt gelang es Verband und Mitgliedern bereits mehrfach, durch ihre Hinweise zur Überführung zahlreicher Straftäter beizutragen." Ohnehin sei es technisch nicht möglich, den Zugriff auf Kinderpornografie ganz zu unterbinden.