Piraterie Renaissance der Freibeuter
Piraten bedrohen nicht nur am Horn von Afrika, sondern weltweit die Schifffahrt. Mit dem Seeräuber kehrt ein verklärter Verbrechertyp aus dem Geschichtsbuch zurück

© Jason Zalasky/U.S. Navy via Getty Images
Blick von einem US-Kriegsschiff auf den ukrainischen Frachter MV Faina. Das Schiff wurde am 25. September vor der somalischen Küste von Piraten aufgebracht, mit Panzern und anderer Militärausrüstung an Bord
Ob Tanker, Containerriese oder Segelboot – alles, was sich auf dem Wasser bewegt, scheint für Seeräuber von Amerika bis Australien derzeit eine lohnende Beute darzustellen. Erstmals seit dem Ende des 19. Jahrhunderts müssen Seeleute auf den meisten Handelsrouten wieder mit Überfällen rechnen.
Ein Blick auf die digitale Karte des Internationalen Maritim Bureau (IMB) zeigt die Schwerpunkte der 199 Übergriffe auf Schiffe allein in den ersten 9 Monaten dieses Jahres: Südamerika, West- sowie Ostafrika und Südostasien.
Das IMB wird von der Internationalen Handelskammer betrieben. Von Kuala Lumpur in Malaysia aus sammelt es - in Kooperation mit Regierungen, Handelskammern, Versicherungen und Behörden – Nachrichten über Schiffsüberfälle weltweit und gibt Warnungen heraus. Die Statistik des IMB zeigt: Die Piraten sind im Zeitalter der Globalisierung zurück auf den Weltmeeren. Die boomende Seefahrt ist im 21. Jahrhundert unsicher geworden – nicht nur vor Somalia.
Aktuell mahnt das IMB in zahlreichen Regionen zur Vorsicht. Als besonders risikoreich gelten die Küstengewässer vor Somalia und der Golf von Aden. Zahlreiche Piratenüberfälle werden aber auch vor den Philippinen, Malaysia, Indien, Bangladesch, Indonesien, Nigeria und Haiti gemeldet.
IMB-Direktor Pottengal Mukundan spricht von einer ernsten Bedrohung für die Logistikbranche. Die Brutalität steige ebenso wie die Zahl der gewalttätigen Angriffe und Geiselnahmen. 2007 verletzten Piraten 64 Seeleute, 2006 waren es noch 17. In den vergangenen Monaten ließen mehrere Matrosen ihr Leben. Mit weiteren Opfern muss gerechnet werden, denn auch die Gesamtzahl der Angriffe steigt immer weiter. Im vergangenen Jahr registrierte das IMB 263 Angriffe von Piraten – zehn Prozent mehr als 2006. In diesem Jahr rechnen Experten mit mehr als 300 – seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es nicht mehr so viele Überfälle auf zivile Schiffe.
Die professionellen Piraten sind perfekt ausgerüstet. Ihre Schnellboote können jedes Handelsschiff überholen und vielen Kriegsschiffen entkommen. Sie sind mit Schnellfeuergewehren, Granatwerfern und Panzerfäusten bewaffnet und schrecken vor Gewalt nicht zurück.
Vor der Küste des zerfallenden Staats Somalia sind die Piraten besonders aktiv. Der Golf von Aden, in dem sie ihre Opfer finden, gilt seit diesem Jahr als gefährlichste Wasserstraße der Welt. Diesen zweifelhaften Ruf hatte in den vergangenen Jahren noch die Straße von Malakka. Diese Route zwischen der indonesischen Insel Sumatra und Malaysia ist eine der am meisten befahrenen der Welt. Die Passage zieht Piraten aus ganz Südostasien an. Dort jagen nicht nur Kriminelle die großen Handelsschiffe, sondern auch Rebellen, um mit Einnahmen aus Lösegelderpressungen und Verkauf von geraubter Ware ihren Kampf zu finanzieren. Auch islamistische Terroristen sollen in die Piraterie verstrickt sein.
Seeräuber finden in der Region perfekte Bedingungen: Die Tausenden zum Teil winzigen Inseln und Mangroven bieten ideale Verstecke und erschweren die Luftaufklärung der indonesischen und malaysischen Marine. Der britische Versicherungskonzern Lloyd's stufte die Region zeitweise als Hochrisikozone ein.
Dadurch stiegen die Versicherungsprämien so stark an, dass der gesamte Handel in der Region einzubrechen drohte. Indonesien, Malaysia und Bangladesch verstärkten daraufhin die Überwachung der Meere und erhöhten den Druck auf die Piraten. Die Folge: Seit vier Jahren geht die Zahl der Überfälle in Südostasien zurück, allein in Indonesien sank sie von 121 im Jahr 2003 auf 43 Überfälle im Jahr 2007. Das zeigt, dass die Piraterie zurückgedrängt werden kann, wenn Staaten ihre Bekämpfung ernst nehmen.
Denn Seeräuber agieren vor allen an den Küsten schwacher und zerfallener Staaten, sie profitieren von Korruption und Bürgerkriegen. Die jeweiligen Machthaber können oder wollen oft nicht gegen die Banditen vorgehen. Somalia ist dafür ein Musterbeispiel: In dem Land hat die Übergangsregierung wenig Einfluss auf die Warlords, Milizenanführer und Clanchefs, eine Marine gibt es nicht.
Ähnlich sieht die Lage im Westen Afrikas aus. Vor der Küste Sierra Leones, Liberias, Nigerias, der Elfenbeinküste, Ghanas, Mauretaniens und des Tschad gibt es ebenfalls zahlreiche Überfälle. In Nigeria kämpfen Rebellengruppen um Anteile an der Erdölgewinnung, in Liberia herrscht eine fragile Sicherheitslage, in Ghana gibt es bewaffnete Auseinandersetzungen, in Sierra Leone kämpften Warlords bis vor drei Jahren in einem blutigen Bürgerkrieg um Rohstoffe.
Auch in Südamerika müssen Kapitäne wachsam sein. Haiti, eines der ärmsten Länder der Welt, gilt beim International Maritime Bureau wieder als Seeräuberregion – 300 Jahre nachdem die Piraten der Karibik dort spanische Segelschiffe jagten. Heute werden dort vor allem edle Yachten Opfer der neuen Bukanier.
In Südamerika werden die Handelsschiffe aber nicht nur auf offener See angegriffen. Der Hafen von Rio der Janeiro gilt als einer der gefährlichsten der Welt. Schwerbewaffnete Verbrecher stürmen die vertäuten Schiffe und rauben die Besatzung aus. Sie haben es auch auf die großen Bargeldsummen abgesehen, die Reedereien ihren Schiffen mitgeben.
Den Reedereien bleiben wenige Möglichkeiten, um sich zu wehren. Die dänische Großreederei Maersk lässt ihre Schiffe nun Afrika umfahren und meidet die Route an Somalia vorbei zum Sueskanal. Da die Piraten aber immer professioneller vorgehen und Mutterschiffe als mobile Basen verwenden, sieht es so aus, als ob sich das Problem dadurch nur verlagert und auch im nächsten Jahr zahlreiche neue rote Punkte auf der Karte des IMB auftauchen. Wie im 18. Jahrhundert werden die Piraten der Beute in neue Gewässer folgen.
- Datum 08.04.2009 - 17:07 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Der Autor des Artikels schreibt:
"Vor der Küste Sierra Leones, Liberias, Nigerias, der Elfenbeinküste, Ghanas, Mauretaniens und des Tschads gibt es ebenfalls zahlreiche Überfälle."
Ein Blick auf die politische Karte Afrikas sollte ihm zeigen können, dass der Tschad ein Binnenstaat ist und folglich gar keine Meeresküste hat, von der aus etwaige Piraten Überfälle verüben könnten...
...na ja, so lange hier nicht auch noch von afghanischen Piraten die Rede ist...
Das Schiff, das die indische Fregatte "INS Tabar" am 18. November vor der Küste Somalias versenkt hat, gehörte nicht den Piraten, sondern der thailändischen Reederei Ekawat Nava 5.
Hätte so schön gepaßt: Steinmeier in Indien, die feiern ihre tapfere Marine und die ZEIT druckt Artikel auf Artikel...
Na, wenigstens die Russen berichten kritisch ;)
http://de.rian.ru/society...
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"Woher nehme ich nur die Zeit, das alles nicht zu lesen." (Karl Kraus)
Sorry, Herr Berliner. RIA Novosti ist eine Revolveragentur, die vollständig unter der Ägide der Herrschenden in Moskau steht und die Aufgabe hat, politische Information und Agitation im Sinne des Kreml zu betreiben. In diesem Zusammenhang von kritischer Berichterstattung zu sprechen und das der ZEIT als offensichtlich höherwertig gegenüberzustellen, ist ja wohl ein Witz.
Inhaltlich: Natürlich gehörte das Schiff einer Reederei und nicht den Piraten, das liegt in der Eigenschaft der Piraterie. Von dem gekaperten Schiff aus wurde die indische Fregatte aber angegriffen, da ist es wohl reichlich egal, wem sie gehört.
-- und prompt ist auch einer hineingetappt :)
Einfaches Googeln reicht aus, um den Wahrheitsgehalt einer Nachricht zu überprüfen (man muß also nichts "glauben") :
http://www.google.com/sea...
Man sieht, daß z.B. auch CNN darüber berichtet:
http://www.cnn.com/2008/W...
Unbezweifelbar ist wohl, daß der überlebende Augenzeuge KEIN Pirat war - aber durch die indische Militäraktion beinahe ums Leben kam, von seinen toten Kollegen ganz zu Schweigen!
Ein "Kollateralschaden", über den sich nicht zu berichten lohnt?
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-- und prompt ist auch einer hineingetappt :)
Einfaches Googeln reicht aus, um den Wahrheitsgehalt einer Nachricht zu überprüfen (man muß also nichts "glauben") :
http://www.google.com/sea...
Man sieht, daß z.B. auch CNN darüber berichtet:
http://www.cnn.com/2008/W...
Unbezweifelbar ist wohl, daß der überlebende Augenzeuge KEIN Pirat war - aber durch die indische Militäraktion beinahe ums Leben kam, von seinen toten Kollegen ganz zu Schweigen!
Ein "Kollateralschaden", über den sich nicht zu berichten lohnt?
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"Woher nehme ich nur die Zeit, das alles nicht zu lesen." (Karl Kraus)
...wem das Schiff, nicht die Fregatte gehört, sorry...
-- und prompt ist auch einer hineingetappt :)
Einfaches Googeln reicht aus, um den Wahrheitsgehalt einer Nachricht zu überprüfen (man muß also nichts "glauben") :
http://www.google.com/sea...
Man sieht, daß z.B. auch CNN darüber berichtet:
http://www.cnn.com/2008/W...
Unbezweifelbar ist wohl, daß der überlebende Augenzeuge KEIN Pirat war - aber durch die indische Militäraktion beinahe ums Leben kam, von seinen toten Kollegen ganz zu Schweigen!
Ein "Kollateralschaden", über den sich nicht zu berichten lohnt?
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