Nun scheint es festzustehen. Hillary Clinton, so verlautet aus verschiedenen Quellen, hat "Ja" gesagt zum Außenministerposten - nicht ohne zu pokern, aber das hat auch niemand anders erwartet. Einen direkten Zugang zum Präsidenten sicherte sich Clinton angeblich und freie Hand bei der Zusammenstellung ihres Mitarbeiterstabs. Was sie sonst noch erhielt, darüber wird man vielleicht nie etwas erfahren.

Auch sonst nimmt das Kabinett Obama Gestalt an: Mit Timothy Geithner wird ein anerkannter Notenbanker als Finanzminister das 700 Milliarden schwere Rettungspaket für die Finanzbranche verwalten. Ein einflussreicher Posten.

Treffen Informationen der New York Times zu, hatte die Ex-First-Lady eine starke Verhandlungsposition. Demnach kam Barack Obama nach seinem Wahlsieg zu dem Schluss, dass eine Person von der Statur und den Fähigkeiten der New Yorker Senatorin nötig sei, um die Herausforderungen zu bewältigen, denen er sich gegenüber sieht.

So hat der gewählte Präsident seine ehemalige Kontrahentin angeblich hartnäckig umworben,
heißt es, ja schon während des Hauptwahlkampfes gezielt damit begonnen, nach der Verbitterung im Vorwahlkampf eine wärmere Beziehung aufzubauen.

Wie warm, wie eng, wie gut - darüber wurde am Wochenende in den amerikanischen Medien heftig spekuliert. Die Kernfrage: Ist Hillary ein Team Player oder könnte sie sich als Querschläger erweisen, Unruhe ins Kabinett bringen? Immerhin, das hatte sie im Vorwahlkampf hinreichend gezeigt, hält sie sich für besser geeignet, mit einer schwierigen Gefahrenlage fertig zu werden, als Obama – "eine Überzeugung, die sie nicht einfach aufgegeben hat, weil sie das Rennen verloren hat", sagte ein Kommentator des Senders CNN.

Auch die Washington Post schloss nicht aus, dass Obamas offensichtliches Konzept, einstige Rivalen direkt in die Regierungsarbeit einzubinden, damit für frischen Wind aber zugleich auch für Disziplin gesorgt ist, in diesem Fall nicht unbedingt aufgehen könnte. Von einem möglichen "Störfaktor" Hillary spricht die Zeitung.

Auch die New York Times sieht eine gewisse Herausforderung für Obama darin zu vermitteln, dass Clinton als Außenministerin trotz ihrer eigenen Star Power seine eigene Politik vertritt. Schließlich, so heißt es auch in Hillarys Umgebung, hat sie nach der langen Zeit als "politische Ehefrau" ihre Unabhängigkeit und Selbstständigkeit als Senatorin doppelt zu schätzen gelernt.