Aids in der Ukraine "Die Epidemie breitet sich ungebremst aus"Seite 3/3
ZEIT ONLINE: Nur ein geringer Anteil HIV-infizierter Menschen in der Ukraine bekommt eine anti-retrovirale Therapie, die Aids-Kranken hierzulande fast ein normales Leben ermöglicht. 2007 waren es von den – ohnehin wenigen – registrierten Patientinnen und Patienten 35 Prozent. Das Thema Pharmafirmen und HIV-Therapie wird in der Dokumentation nicht beleuchtet. Wie sieht deren Rolle aus?
Hein: Unterschiedlich. Von einer Pharmafirma weiß ich, dass sie seit Jahren ein Projekt gegen die Mutter-Kind-Übertragung finanziert. Andere geben sich beispielsweise Mühe, den ukrainischen Ärzten zu sagen, Generika seien unverantwortlich, weshalb vor allem Markenpräparate eingesetzt werden. So können vom vorhandenen Geld weniger Menschen versorgt werden. Diese Lobbyarbeit kostet Menschenleben.
ZEIT ONLINE: Wie kann eine sinnvolle internationale Unterstützungsarbeit aussehen?
Hein: Die wichtigste internationale Unterstützung der Ukraine wäre die Aufnahme in die EU. Wichtig ist auch eine Ukrainepolitik, die nicht in erster Linie Wirtschaftspolitik ist. Die Interessen der westlichen Wirtschaft lassen sich leider ebenso leicht befriedigen, wenn die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung im Elend versinkt.
ZEIT ONLINE: Sie versuchen jetzt auch selbst, den HIV-Infizierten in der Ukraine zu helfen.
Hein: Ja. Unser nächstes Projekt ist ein Hospiz. Niemand kann auf absehbare Zeit so viele Aids-Kranke in der Ukraine angemessen medizinisch versorgen. Sehr viele werden daher sterben. Wir möchten wenigstens möglichst gute Bedingungen schaffen: warm, trocken, sauber, an einem angenehmen Ort mit freundlichen Menschen. Das könnte auch ein Projekt mit einiger Strahlkraft werden: ein liebevoller Umgang mit den sogenannten „Abfällen der Gesellschaft“.
Das Gespräch führte Christiane Leidinger.
Die Dokumentation Am Rande – Sechs Kapitel über Aids in der Ukraine läuft am Montag, den 1.12.2008 um 23:25 Uhr auf Arte.
- Datum 24.03.2009 - 15:41 Uhr
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Man sollte nicht vergessen, dass es sich bei der im Artikel angegebenen Zahl von 440.000 HIV-positiven Menschen in der Ukraine eben um eine Schätzung handelt (dies wird ja auch im Artikel so bezeichnet).
Schätzungen müssen aber nicht in jedem Fall zutreffen, erst im letzten Jahr haben UNAIDS und die WHO die für Indien geschätzten Zahlen von HIV-positiven Menschen deutlich nach unten korrigiert.
Man erinnere sich auch einmal an die Horrorszenarien die in den 80`er Jahren in Bezug auf AIDS getroffen wurden, die sind zum Glück so nicht eingetroffen.
Während die Bekämpfung von Aids aber weltweit weiterhin große Aufmerksamkeit erregt ("AIDS sells")und sich dadurch viele Finanzmittel sichern kann, wird die Bekämpfung anderer gefährlicher Seuchen, bzw. der Misstände die zur Verbreitung dieser Seuchen führen, dafür schlicht vernachlässigt.
Es wird leider kaum einmal in der Berichterstattung über AIDS erwähnt, dass Aids-Experten und Vertreter von Hilfsorganisationen oft ein Interesse daran haben, grosse Zahlen von Infizierten zu vermelden, weil sie auf diese Art mehr finanzielle Zuwendungen erhalten können, im Gegenteil, meist gilt es sogar als schwerer Verstoss gegen die "Political Corectness" in irgendeiner Form auch einmal Kritik an diesen Hilfsorganisationen zu üben.
Ja, die Situation in der Ukraine ist wirklich schrecklich. Die HIV/AIDS-Epidemie in der Ukraine ist die schwerste im Europa und eine der am schnellsten wachsenden weltweit.
Zum Beispiel, Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben sind ganz besonders gefährdet, sich mit HIV zu infizieren oder mit anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen (sowie Tuberkulose zu bekommen und vieles mehr). Die vielfältige gesundheitliche Probleme sind aufgrund ihrer Lebensumstände mehr als wahrscheinlich. Die schlechte Ernährung und schlechte hygienische Bedingungen, abgebrochene Schulausbildung und eingeschränktes Wissen über HIV sind die Grunde dafür. Sie erhalten adäquate medizinische und psychosoziale Hilfe nur in den seltensten Fällen . Das ist ein Problem unserer Regierung. Sie muss nicht nur um sich selbst, sondern auch um andere Menschen kummern. Mit dem Kampf für den Lehnstuhl hat die Elite über das Wichtigste vergessen.
Die ukrainischen HIV-Infizierten klagen über eine mangelhafte Finanzierung der AIDS-Bekämpfung in der Ukraine und fordern mehr Geld für sie vorzusehen. Das hat gar keinen Zweck. Unser Präsident gibt sich nur den Anschein, dass er etwas macht. Die Situation verbessert aber sich nicht, nur wird schlechter.
Man kann auch nicht sagen, dass die Bevölkerungsmehrheit in Armut lebt (wie Autor gesagt hat). Es gibt verschiedene Menschen. Aber in vielen Ländern gibt es solche ,die nichts zu essen haben. Ich bin Ukrainerin und ich weiß das!!!
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