Island : Ein Inselvolk wird militant

Der drohende Staatsbankrott macht sie wütend: In Island stürmen Demonstranten die Reykjaviker Zentralbank. Vielen Inselbewohnern droht der Verlust von Haus und Arbeit

Der kollektive Schock für die Isländer nach dem Zusammenbruch der Banken und dem bedrohlich nahen Staatsbankrott weicht immer mehr Erbitterung und militanten Protesten.

Dass Demonstranten eine Feier zum 90. Jahrestag der Staatsgründung in einen kleinen Sturm auf die Reykjaviker Zentralbank umfunktionierten, gilt in der Hauptstadt erst als Anfang. "Das Aggressionspotenzial ist enorm. Die Leute sind zornig, dass ein ganzes Volk für das Roulettespiel von Bankern und die Tatenlosigkeit der Regierung bezahlen muss", sagt der Literaturprofessor Gottskálk Jensson von der Universität Reykjavik.

Der Zorn der 320.000 Bürger auf der Atlantikinsel bekommt seit dem Zusammenbruch der drei größten Banken im Oktober täglich und reichlich neue Nahrung. Die Arbeitslosenzahlen explodieren. Viele Unternehmen können nichts mehr importieren, weil die isländische Krone als Zahlungsmittel fast wertlos geworden ist.

Verschuldung auf Generationen

Ministerpräsident Geir Haarde verlangt von den Ministerien Sofort-Vorschläge für Ausgabenkürzungen um zehn Prozent. Immer mehr Familien müssen ihre Wohnungen und Häuser räumen, weil sie die vervielfachten Kreditkosten in Auslandswährungen nicht tragen können. Geschäfte bieten ihr komplettes Sortiment im Weihnachtsmonat mit 50 Prozent Rabatt an, damit überhaupt jemand kauft. Junge Isländer müssen Auslandsstudien abbrechen, weil ihre heimischen Stipendien nichts mehr wert sind.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3
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Deutschland wird ähnlich abstürzen

In Island ist es nur schneller und drastischer passiert, weil bei rd. 300.000 Einwohnern das Polster weniger Substanz hat.

Was wir erleben, ist das Abladen gigantischer Schulden beim wehrlosen Steuerzahler, der sie brav in den nächsten Generationen abzahlen darf.

Ist es ein Zufall, dass unser Rechtssystem leider leider leider keinen Zugriff auf die gigantischen Bonuszahlungen und Gehälter der Verantwortlichen zulässt?

Wohl kaum.

Wie sich die Wut über die...

...Auswirkungen der sog. "Finanzkrise" auf die Bevölkerung der Bundesrepublik auswirken wird, hängt u.a. auch davon ab, wie die Politik auf diese Vorgänge reagiert.

Mein Eindruck seit Bekanntwerden der Ursachen und der Verursacher ist, dass seitens unserer handelnden Politiker herzlich wenig bis fast nichts unternommen wird und wurde, um die schlimmsten Auswirkungen, die wohl noch bevorstehen, abzumildern.Beispiel: Nach Ausbruch der ersten Zusammenbrüche (Lehman-Brothers u.a.) wurde hierzulande das Tätigen sog. Leergeschäfte bis Dezember verboten.

D.h. aber auch, ab Januar 2009 dürfen unsere Bankster wieder am Glücksrad der Spekulanten nach Herzenslust drehen.

Jeder Ladendieb, der wegen Klauens von Kleinstgütern mehr als drei Mal erwischt wurde, muss hierzulande mit harter Bestrafung rechnen. Das auch mit Recht.

Die Verantwortlichen Banker der Landesbanken wie auch der Geschäftsbanken, die sich mit Fleiss und Zielstrebigkeit an der wundersamen Geldvermehrung beteiligten, sind bis auf wenige weiterhin in Amt und Würden. Die Schäden, die sie verursachten werden mit zig-Milliarden € oder $ von den Steuerzahlern der betr. Länder finanziert...und den Verantwortlichen passiert nichts aber auch gar nichts.

Ob sich die Bürger Europas nicht irgendwann ähnlich verhalten wie dies in Island gerade beginnt, bleibt vorläufig offen.

Vorläufig.

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