Elektronische Musik Mehr als Bumm-BummSeite 2/2

Seine DJ-Sets sind beeindruckende Klangkollagen. Mills mischt schneller als sein Schatten, vor einigen Jahren wurden Fotografien seiner Hände in Berlin ausgestellt. Oft spielt er die einzelnen Platten nur für eine halbe Sekunde an. Das Vinyl legt er bisweilen schräg auf den Plattenteller. Der Tonarm gleicht sich der Unregelmäßigkeit an, so lassen sich die Sounds zusätzlich modifizieren. Ebenso bedeutend wie die Auswahl der richtigen Stücke zum richtigen Zeitpunkt sind das handwerkliche Geschick und die motorische Kunstfertigkeitdes DJs.

Wenn Jeff Mills auflegt, gleicht das einer Performance. Er formt das Klangmaterial mit seinen Mitteln, manipuliert Rhythmus, Laufgeschwindigkeit, Frequenz. Seine Gastspiele sind Happenings, bei denen sich das Publikum begeistert um die Kanzel schart und ihm auf die Finger guckt. So wird der DJ zum Anschauungsobjekt, der Club zum Ausstellungsraum.

Immer wieder sucht Mills die Verbindung zu anderen Kunstgattungen. Er hat mit Fotografen, Regisseuren und Tänzern gearbeitet. Die wichtigen Impulse kommen jedoch aus dem Medium Film. Im Jahr 2000 komponierte er eine neue Musik zu Fritz Langs Stummfilm-Klassiker Metropolis. Es folgten Soundtracks zu Ridley Scotts Blade Runner und Buster Keatons Stummfilm-Komödie Three Ages.

Blue Potential heißt sein Projekt, das Techno und Klassik mehrdimensional miteinander verstrickt. Gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester von Montpellier hat Jeff Mills seine Kompositionen an der Weltkulturerbestätte Pont du Garde uraufgeführt. Das Orchester nimmt in diesem Zusammenhang eine neue Funktion ein. Bläser und Streicher spielen Techno, das Publikum tanzt ausgelassen dazu vor antiker Kulisse.

Und worum geht es hier? Mills erklärt das Blue-Potential-Konzept als Spiegelung der Sterne im Wasser. Dieses Bild vermittele eine Ahnung von den Möglichkeiten des menschlichen Zusammenlebens. Das Geheimnis liege als "blaues Potenzial" im Kosmos verborgen. Mit Hilfe zukunftsweisender Musik und ihrer künstlerischen Darstellung könne dieses Potenzial erschlossen werden, sagt er.

"Rediscovers The Rings Of Saturn" von X-102 ist bei Tresor erschienen. Die DVD "Blue Potential – Live With Montpellier Philharmonic Orchestra" von Jeff Mills wurde ebenfalls von Tresor veröffentlicht.

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Leser-Kommentare
    • nabu
    • 28.11.2008 um 16:05 Uhr

    Ich hätte von Ihrer Musikredaktion durchaus etwas mehr Professionalität erwartet.
    Das Album "Blue Potential" ist bereits seit 2006 auf dem Markt,inklusive der dazugehörigen DVD. Das aktuelle Full CD Album von Jeff Mills heißt "Gamma Player Compilation Vol 1: The Universe By Night",ist jedoch auch schon seit Januar erhältlich.

    Inhaltlich,kann ,ja muss ich mich Ihnen anschließen. Jeff Mills ist einer der wenigen standhaften Visionäre im Bereich der elektronischen Musik,der stets das neue sucht und auch findet.

    In diesem Sinne,hätte ich mich 2006 über so eine Kritik gefreut :)

  1. Freier Autor

    Lieber nabu,

    der Fehler wurde bereits erkannt und ausgebessert. Wenn Sie es ganz genau nehmen wollen, ist die neueste VÖ die 12'' "Time Mechanics 2 Eternity" auf Tomorrow. So tief ins Universum wollen (und können) wir hier aber nicht vordringen...

    MfG

    • nabu
    • 28.11.2008 um 16:24 Uhr

    Ich danke für die Ausbesserung. Meinerseits kann ich sagen,ich habe in meinem Kommentar geschrieben aktuelle Full CD, nicht 12" :)

    Das dieser Bericht für unkennende Menschen ,natürlich ein Anreiz sein soll,sich Jeff Mills evtl mal zu Gemüte führen, ist mir klar.

    Nichts desto trotz,ist gerade Blue Potential eines seiner Meisterwerke,das altbekannte Club Klassiker in einem absolut neuem Gewand darstellt.

    Trotzdem,vielen Dank für die kleine Korrektur.

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